80-Jährige auf Weltrekordjagd: Älter! Schneller! Weiter!

Alte Meister: Heinz Keck, Bernd Fölschow, Hartmann Knorr und Axel Wendt, Weltrekordhalter von der LG Alsternord.

Hamburg. Es war ein Befehl, keine Bitte, vorgebracht im Tonfall der Fürsorge, was aber nichts daran änderte, dass es genau das war: ein Befehl, der keinen Widerspruch zuließ.

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„Du kommst mit!“, sagten sie zu ihm. „Wir brauchen dich für die Staffel!“

Es waren die ersten Februartage 2010. Kurz zuvor, am 29. Januar, war die Beerdigung seiner Frau gewesen, sechs Wochen nachdem sie mit der Krebsdiagnose aus dem Universitätsklinikum Eppendorf zurückgekommen war. Kurz danach, am 10. Februar, begannen in Sindelfingen die deutschen Leichtathletikmeisterschaften der Senioren. Es war also ein maximal schwieriger Moment für diesen Appell. Und zugleich der beste, der sich denken lässt.

„Ich musste raus aus dem Tal der Tränen“, sagt Axel Wendt. „Das haben sie gespürt.“

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So wurde zum Beispiel er Leistungssportler. Mit 70.

„Schau mal, auch nicht totzukriegen“

Der Sportplatz der Leichtathletikgemeinschaft Alsternord in Hamburg-Poppenbüttel, gut elf Jahre später, ein schwüler Julinachmittag, Trainingsbeginn der Senioren. Einer nach dem anderen kommt dazu, Trainingsanzüge, Speer in der Hand, die Tasche mit den Spikes darin. Graues Haar, gebräunte Haut, sehnig-muskulöse Beine, frotzelnd-freundlicher Ton.

„Guck mal, der Hering, nimmt auch nicht zu, der zähe Sack.“

„Schau mal, der Strolch, auch nicht totzukriegen.“

„Das da ist Klaus, das Küken, gerade mal 77. Aber dafür ist er auch der Schnellste.“ Gelächter.

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Ein gutes Dutzend Männer ist es, das sich hier warm macht, dehnt, Bahnen läuft. Und die Staffel ist mal wieder komplett. Die Weltrekordler. Axel Wendt, der Banker, der noch immer 60 Kilo wiegt wie als Jugendlicher, schmale Gestalt, gebräunt, weißes Haar in jungenhaftem Schnitt, Jahrgang 1940.

Bernd Fölschow, der sagt, er laufe nur noch, weil er Lust hat, als wäre das so einfach, wenn es um Rekorde geht, Jahrgang ’43.

Hartmann Knorr, der Doktor, wie sie ihn alle nennen, Mathematiker, der immer mit der Stoppuhr trainiert, nach exakten Vorgaben, ein unerbittlicher Chronist der eigenen Leistung und damit eben auch des eigenen Verfalls, gegen den sie ankämpfen, Jahrgang ‘40.

Und Heinz Keck, Jahrgang ‘41, der Rastlose, der immer aus Osnabrück zum Training nach Hamburg kommt und mit dem vor mehr als zehn Jahren alles begann. Er sah die Rekordlisten, er sah sich, dann rief er die anderen in Hamburg an und sagte: „Wir können wirklich zusammen die Welt aufreißen. Wenn jeder von uns das läuft, was er laufen kann, laufen wir Weltrekord.“

So kam es.

„Keiner will älter werden. Aber jeder will in die nächste Altersklasse“: Bernd Fölschow übergibt an Axel Wendt.

„Keiner will älter werden. Aber jeder will in die nächste Altersklasse“: Bernd Fölschow übergibt an Axel Wendt.

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Immer mehr Höchstleistungen

Die alten Läufer, die „Hamburger Jungs“, wie es hinten auf ihren roten Laufleibchen steht, sind Spiegel eines Trends. Deutschland wird älter. Von 1949 bis 2017 ist die Lebenserwartung für Männer um knapp 14 und für Frauen sogar um knapp 15 Jahre gestiegen.

Und diese nun älteren Deutschen entdecken zunehmend auch den Leistungssport für sich. In der Statistik des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist zum Beispiel im Jahr 1980 für die Altersklasse der über 75-Jährigen noch keine einzige herausragende Leistung erfasst. Im Jahr 2000 sind es dann, bei Männern und Frauen zusammengenommen, schon 41 Höchst­leistun­gen. 2019, im Jahr vor der Pandemie, verzeichnet die Statistik sogar 66 solcher Spitzen­leistungen.

Nach oben kennt die Statistik kaum Grenzen. Im Jahr 2010 taucht erstmals die Generation der über 90-Jährigen mit sieben besonderen Leistungen in der Statistik auf. In den vergangenen beiden Jahren waren es dann bereits 14 beziehungsweise 17.

Die Älteren verbessern ihre Rekorde schneller als die Jungen die ihren – als hätten sie einen regelrechten Nachholbedarf. Nur die Gebrechlichkeit bestimmt die Grenzen ihres Ehrgeizes, und diese schieben sie immer weiter hinaus.

Ein Zettel mit dem nächsten Ziel

Heinz Keck, der Osnabrücker, hat einen Zettel zum Training mitgebracht, von Hand hat er darauf Zahlen und Zeiten notiert, ihre nächsten Ziele. Ganz oben steht „4x200 Meter Halle USA 2:11,26 min“, um sich den Rekord zu holen, Altersklasse M80, sie sind ja jetzt fast alle über der Grenze. Bis auf Fölschow, und für ihn muss dann jemand anders laufen. Als Vereinsstaffel gegen eine Nationalmannschaft, aber das schreckt sie nicht, das kennen sie ja.

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„Da greifen wir an“, sagt Keck. „Das können wir schaffen.“ Wie fast immer, wenn sie es sich vorgenommen haben.

Wie am 10. Februar 2019 zum Beispiel, als sie den Weltrekord über viermal 400 Meter in der Halle verbessern, den bislang die US-Staffel gehalten hat. Und sie sind kaum im Ziel, da planen sie schon den nächsten Lauf, als sei ihnen das alles noch nicht gut genug. Einige Monate später, am 15. Dezember, laufen sie nun gegen ihre eigene Zeit und verbessern sich wieder, um stolze 16 Sekunden. Aber weil sie da keinen Gegner haben, erkennt der Weltverband den Rekord nicht an.

Also müssen sie wieder laufen, nun am 25. Januar vergangenen Jahres, in der Hamburger Leichtathletikhalle. An diesem Tag finden hier die Schülermeisterschaften statt, aber mittendrin werden alle Disziplinen unterbrochen, damit die Alten ihren Weltrekord versuchen können. Einen Gegner haben sie diesmal auch, die M50-Staffel aus dem eigenen Verein, damit alles seine Ordnung hat.

Die Alten rennen, und die Jungen jubeln ihnen zu. Es ist diesmal einfach alles andersherum.

Die Seniorenläufer haben als Staffel bereits mehrere Weltrekorde aufgestellt.

Die Seniorenläufer haben als Staffel bereits mehrere Weltrekorde aufgestellt.

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Der Startläufer

In der Staffel laufen die Schnellsten am Anfang oder am Ende, an eins oder vier. Hartmann Knorr beginnt diesmal, die Berichte belegen es. Er selbst hat dies gar nicht genau in Erinnerung. Er habe sich, sagt er, allein auf die Zeit konzentriert. Wie immer, wenn er läuft.

Beim Training ist Knorr der Mann mit der Stoppuhr. Er hält sie bei jedem Lauf in der Hand. Will er die 200 Meter in 40 Sekunden laufen, stellt er die Stoppuhr so ein, dass sie alle zehn Sekunden piept. An den 50-Meter-Markierungen kann er ablesen, ob er in der Zeit liegt. Piept es, bevor er die Marke erreicht, war er zu langsam. So treibt er sich an.

„Ich habe so spät mit dem Laufen angefangen“, sagt er. „Deshalb fehlt mir das natürliche Tempogefühl. Wenn man sein Leben lang läuft, hat man ein Gespür, wie schnell man ist. Aber so ist es bei mir nicht.“ Wenn Knorr trainiert, ist das Piepen sein Begleiter.

Mit 62 promoviert - im Zweitstudium

Hartmann Knorr ist Mathematiker, ein Mann der Zahlen. Gearbeitet hat er als Unternehmensberater. Aber dass ihn beim Training alle „Doktor“ nennen, hat nichts mit seinem Mathematikstudium zu tun. Sondern damit, dass er nach seinem Beruf noch Archäologie studierte und mit 62 promovierte, einfach aus Interesse. Als er das geschafft hatte, brauchte er ein neues Ziel. Bis dahin hatte er nur jährlich das Sportabzeichen gemacht. Jetzt begann für ihn der Plan Weltspitze.

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Manchmal piept die Uhr, wenn er die Marke schon passiert hat. Dann muss er sich bremsen.

Was er an den Zahlen mag, ist ihre Unerbittlichkeit. „Bei den kognitiven Fähigkeiten kann man sich betrügen“, sagt er. „Da kann man sich einreden, es sei noch alles wie vor fünf Jahren.“ Aber bei den Laufzeiten funktioniert das nicht. Sie dokumentieren, wie man Jahr für Jahr langsamer wird, ohne Gnade. Und worum es geht, sagt Knorr, das sei, den Abbau länger hinauszuzögern als die anderen. Wenn man dann eine Kurve zeichnet und Skala und Maßstab geschickt wählt, „dann sieht man sogar einen Anstieg“. Der Trick des Mathematikers.

Wenn die anderen beim Training reden, über die neuen Spikes oder die Krankheit eines Konkurrenten, läuft er schon wieder. Knorr läuft am meisten. Er ist allein dreimal Weltmeister und fünfmal Europameister geworden. Allein im vergangenen Jahr hat er vier deutsche Meistertitel gesammelt, über 400 und 800 Meter und im Fünfkampf.

Und es hätte ja ein noch viel größeres Jahr werden sollen. Zur Weltmeisterschaft nach Toronto wollte er, es war schon alles gebucht. Das erste Jahr in der neuen Altersklasse, M80, ist die große Chance auf einen Titel. „Keiner will älter werden“, sagt Knorr. „Aber jeder will in die nächste Altersklasse.“

Und dann kam Corona. Hartmann Knorr musste alles absagen. „Bitter“, sagt er. Weil ja niemand weiß, was in fünf Jahren ist. Ob es dann eine neue Chance gibt.

Als Knorr bei ihrem Weltrekordversuch seine 400 Meter gelaufen ist, in 80,5 Sekunden, sind sie auf Kurs. Auf Weltrekordkurs.

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An Position zwei

An zwei läuft Heinz Keck. Keck, der Allrounder, der jetzt auch Zehnkampf macht, weil er in keiner Disziplin der Weltbeste ist, aber doch in vielen vorne dabei. Der die Rekorde raussucht, die sie brechen können, aber vor dem Rennen noch eine andere Rolle hat. „Dann mache ich mal einen Spruch, mal einen Witz.“ Dann, wenn er spürt, dass die Anspannung bei manchem so stark wird, dass sie lähmt.

Im Wohnzimmer von Heinz Keck in Osnabrück stehen ein Trampolin, Hantelbank, Laufband, auf dem Boden acht Paar Spikes und Turnschuhe, für jede Disziplin passende, er macht ja jetzt auch Zehnkampf. Im Keller steht noch ein Stepper. Hier trainiert er, wenn er nicht gerade auf der Anlage draußen ist, den Wurfring aufschiebt, den Hammer Richtung Rasen schleudert, auch wenn es scheinbar endlos regnet. Dann ist niemand sonst auf der Anlage, nur er, wie fast jeden Tag.

„Ich brauche das Gefühl, dass ich noch da bin“, sagt Keck, während er den hölzernen Diskus mit dem Metallring aus der Tasche holt, nicht so ein neumodisches Ding mit Kunststoff. „Und ein bisschen eitel bin ich schließlich auch.“ Jetzt, mit 80, kaum weniger als früher.

Es drohte schon die Amputation

Kecks Eltern waren Heuerleute, Bauern ohne eigenes Land, einfache Verhältnisse. Aber als Schüler, als Gymnasiast, wurde er als Leichtathlet entdeckt und gefördert, er war der Beste seines Kreises. Dann spielte er Fußball, höchste Amateurklasse. Sport war für Keck Erfolg, Aufstieg. „Und ich“, sagt er, „möchte dem Sport alles wiedergeben, was er mir gegeben hat.“

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Mit dem Fußball muss er aufhören, nachdem er sich Schien- und Wadenbein gebrochen hat. Zeitweise droht ihm die Amputation. Keck studiert, wird Vertreter amerikanischer Tierpharmafirmen in Deutschland. Aber als er den Beruf zurückfährt, macht er mit dem Leistungssport einfach weiter. An einer Wand in seiner Wohnung hängen Urkunden neben Medaillen neben Berichten über seine Erfolge, alle gerahmt. Sechs WM-Titel, sechs EM-Titel, sechs Weltrekorde, das ist bis jetzt seine Bilanz.

Und wenn ihn etwas ärgert, dann ist es, wenn diese Leistungen nicht anerkannt werden. Wenn jemand so tut, als wäre es schwerer, mit 30 Jahren Weltmeister zu werden als mit 80. Wenn die einen eine goldene Ehrennadel der Stadt bekommen und die anderen nicht. Dann beschwert er sich – durchaus laut – in Briefen und Reden.

„Wir sind die Stiefkinder“, sagt Keck. „Wir sind kurz vor Mitleid.“

Eine Fernbeziehung mit der weltbesten Senioren­athletin

Kecks Freundin lebt in den USA. Sie heißt Philippa Raschker und hat noch mehr Titel als er, allein 118 WM-Medaillen, die erfolgreichste Senioren-Leichtathletin überhaupt, 74 ist sie. Er hat sie bei einer WM angesprochen, 2007, daher kennen sie sich.

Wenn sie sich nicht sehen, skypen sie, manchmal mehrmals am Tag. Heute erzählt sie von der Hitze bei sich, und davon, dass sie auf einer Betonbahn trainiert, der einzigen Möglichkeit gerade in der Stadt, „ziemlich schwierig“, sagt sie, auf Deutsch mit amerikanischem Einschlag. Sie wurde in Hamburg geboren, aber seit 50 Jahren lebt sie in den USA. Dort sind Seniorensportler nicht weniger Stiefkinder als hier.

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Vom Bruch seines Beins ist Keck eine Lücke in seinem Wadenbein geblieben, es ist nie wieder richtig zusammengewachsen. Manchmal klebt er Eukalyptuspflaster darauf und hofft, dass es hilft. Er müsste manchmal weniger trainieren, das weiß er. „Aber selbst im Alter ist es schwierig zu sagen, jetzt ist es gut.“ Der Ehrgeiz, sagt er, wird ja nicht weniger.

Als er beim Weltrekordrennen in Hamburg den Stab übergibt, ist er nicht so schnell, wie er sein möchte. Aber schnell genug, dass es reichen könnte.

An drei

Und als Bernd Fölschow den Stab übernimmt, hat er vor allem Angst. Um sein Bein. Davor, dass ihn die Zerrung, mit der er seit Wochen kämpft, zum Aufgeben zwingt. „Wenn du für dich allein läufst, wäre das schon bitter“, sagt er. “Aber in der Staffel wäre es noch schlimmer.”

Eigentlich wollte Fölschow keinen Druck mehr. Druck hatte er genug. Schon als Jugendlicher war er gelaufen, dann deutscher Rekord über 1500 Meter Hindernis, Anfang der Sechziger. Später kam der Druck von woanders, der Sport war seine Rettung. Fölschow war Chef einer IT-Firma, als alle Welt nach IT gierte, was seine Tage so lang machte, dass er froh war, wenn er abends nach zehn noch in die Laufschuhe steigen konnte, als Ausgleich. „Wenn ich nicht gelaufen wäre“, sagt er heute, „dann weiß ich nicht, ob ich noch am Leben wäre.“

Damals lief er langsam. Und dann, als er das Geschäft abgegeben hatte, wieder schnell. WM-Bronze über 1500 Meter, das war einer seiner größten Erfolge, als Rentner. “Ich habe im Sport alles erreicht, was ich wollte”, sagt Fölschow. Er sitzt im Vorstand des Nabu, reist, nach Indien und Arabien. Und dann kam, sechs Wochen vor dem Rennen, die Frage, ob er bei der Staffel einspringen könne, der andere Läufer hatte sich verletzt, sie wollten Weltrekord laufen.

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Da hat er sofort angefangen, hart zu trainieren. So hart, dass er sich die Zerrung holte. “Ich laufe nur noch, wenn ich Lust habe”, sagt Fölschow. Aus Spaß also. Aber was heißt schon Spaß, wenn sie die schnellsten Endsiebziger der Welt werden wollten.

Das Ziel: besser zu sein als die anderen

Was Seniorensportler antreibt, hat die Sportwissenschaftlerin Silke Keller von der Universität Hildesheim in ihrer Promotion untersucht. Demnach sind die meisten überdurchschnittlich gebildet, ein stattlicher Anteil, vor allem Männer, trainiert mehr als sechs Stunden in der Woche. Manche dopen sogar. Es geht den älteren Sportlern auch um Gesundheit, auch um das Zusammensein mit anderen. Aber das zentrale Motiv ist ein anderes: die Wettkampf­orientierung. Der Wunsch, besser zu sein als andere. „Die Zeiten des ungläubigen Belächelns der Speerwurf-Oma sind endgültig vorbei“, resümiert Keller.

Fölschow braucht über 90 Sekunden. Mehr als die anderen. Aber er schafft es, er hat nicht aufgegeben.

Als „Hamburger Jungs“ treten die Vereinssportler der LG Alsternord auch gegen Nationalteams an.

Als „Hamburger Jungs“ treten die Vereinssportler der LG Alsternord auch gegen Nationalteams an.

Der Schlussläufer

Und als Axel Wendt den Stab übernimmt, da ist ihm klar, dass sie es schaffen werden. „Dass ich jetzt nur noch so laufen muss wie immer.“

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Als Axel Wendt 2010 zur deutschen Meisterschaft mitfuhr, wurden sie mit der Staffel tatsächlich Erste. Dazu wurde er über 800 Meter Vierter. Zum ersten Mal in seinem Leben fing er an, gezielt zu trainieren.

Im nächsten Jahr, mit 71, war er drei Sekunden schneller.

Das Laufen war für ihn immer eine Möglichkeit, rauszukommen. Damals als Schüler auf dem humanistischen Gymnasium, einem Internat, als er Schulmeister wird. Und dann bei der Bundeswehr, bei der er sich verpflichtet, um nach der Schule nicht wieder nach Hause zu müssen. Wendt darf zu den Divisionsmeisterschaften, gewinnt, „und da haben wir noch einen freien Tag bekommen“. Laufen, das ist für ihn immer der Weg aus der Enge.

Und so läuft er nun aus der Trauer heraus, wird im Jahr darauf Zweiter bei der Weltmeister­schaft, gewinnt mit der Staffel, trotz der Hitze in Ungarn, die er gewohnt ist, von den Reisen nach Ägypten.

Die neue Chance - mit 80

Zwischen 70 und 75 ist er einer der schnellsten Senioren der Welt. Bis ein Arzt eine Spritze falsch setzt. Mehr als ein Jahr lang hat er eine offene Wunde am Unterschenkel. Als sie endlich wieder verheilt ist, läuft er weiter. Nicht aus Langeweile. Axel Wendt fördert ein Museum, das Chamisso-Museum in Kunersdorf, er sponsert die Restaurierung von Kunstschätzen einer Kirche in Salzwedel, kultiviert eine Streuobstwiese an der Elbe, und dann besucht er regelmäßig seinen Sohn in Stockholm. Aber was wäre das Leben ohne Laufen.

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Er ist, durch die Verletzung, langsamer geworden. Der Doktor ist jetzt schneller als er. Aber nicht diesmal, beim Weltrekord. Da überrunden ihn kurz vor Schluss noch die Jüngeren. Aber was heißt das schon. Die letzte Runde gehört ihm allein. Am Ende steht die Uhr bei 5:37:03 Minuten. Jetzt feiern sie. Werden bejubelt. Sie haben sich noch einmal selbst verbessert.

Einen Monat später laufen sie den nächsten Hallenweltrekord, diesmal über viermal 800 Meter.

Und nun ist da Heinz Kecks Zettel, der Plan für die nächsten Rekorde.

Sie sind jetzt fast alle 80 Jahre oder älter. Das ist ihre Chance.

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