Muss Stadtplanerbe Falk hinter Gitter?

Der Multimillionär und die dritte Option des Bundesgerichtshofs

Der ehemalige Internetunternehmer Alexander Falk.

Der ehemalige Internetunternehmer Alexander Falk.

Berlin. Für Alexander Falk geht es am 23. November 2022 so ziemlich um alles. Der Mann, der wahlweise als Verlags- oder Stadtplanerbe berzeichnet wird, erwartet vom Bundesgerichtshof die Entscheidung, ob er hinter Gitter muss.

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Es wäre nicht das erste Mal.

Falk, heute 53 Jahre alt, ist – zumindest finanziell – nicht auf der Schattenseite des Lebens geboren. Der Sohn des Falk-Stadtplan-Verlegers Gerhard Falk und dessen zweiter Frau Evelyn, wuchs im feinen Hamburger Stadtteil Blankenese auf. Als der Vater 1978 starb, hinterließ er Alexander und seiner Schwester Janina Anteile am Kartenverlag.

Aufsteiger

1996 machten beide ihre Erbteile zu Geld. 50 Millionen D-Mark zahlte die Bertelsmann AG dafür. Alexander Falk startete mit seinem Anteil eine schillernde Unternehmerkarriere in der damals neuen Internetwirtschaft. Erfolg hatte er vor allem mit der Gründung des Internetdienstleisters Ision im Jahr 1998. Zwischenzeitlich zählte der Aufsteiger zu den 100 reichsten Deutschen.

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Im März 2000 ging ein Teil des Unternehmens, das damals 30.000 zum Teil sehr renommierte Geschäftskunden zählte, an die Börse. Ende des Jahres übernahm der britische Konkurrent Energis für 812 Millionen Euro den Laden – und verschluckte sich.

Alexander Falk (Mitte) mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (links) und Björn Gercke im Frankfurter Landgericht.

Alexander Falk (Mitte) mit seinen Verteidigern Daniel Wölky (links) und Björn Gercke im Frankfurter Landgericht.

Denn bereits zwei Jahre nach Börsengang gingen Ision und Energis pleite. Das Hamburger Rechenzentrum konnte noch für 3,4 Millionen verscherbelt werden. Energis gab dem Großaktionär des Schweizer Ision-Mehrheitseigners Distefora Holding die Schuld an der Insolvenz: Alexander Falk. Er soll mit Scheinumsätzen in Höhe von mehr als 10 Millionen Euro den Übernahmekurs künstlich in die Höhe getrieben zu haben.

Erste Haftentlassung

Falk wurde nach langem Prozess im Mai 2008 zu vier Jahren Haft wegen versuchten gemeinschaftlichen Betruges und Bilanzfälschung verurteilt. Eine Revision vorm Bundesgerichtshof blieb erfolglos. Falk musste ins Gefängnis und wurde im August 2011 nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe entlassen.

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Bis dahin hatte auch die Wertpapierhandels- und Investmentbank Hornblower Fischer AG, deren Mehrheitsgesellschafter Falk war, als Folge der Ermittlungen Insolvenz beantragen müssen. 2012 wurde der Unternehmer zudem zur Zahlung von 209 Millionen Euro Schadensersatz an die Insolvenzverwaltung von Energis verurteilt. Dann wurde es still um Falk.

Doch das Ision-Verfahren und die finanziellen Konsequenzen sollen ihn nie losgelassen haben.

Wie ein billiger Krimi

Noch während Falks Haftzeit in der JVA Glasmoor arbeitet der Frankfurter Wirtschaftsanwalt Wolfgang J. als Jurist von Clifford Chance, später dann bei DLA Piper, für die Insolvenzverwalter des pleitegegangenen britischen Unternehmens Energis, das 763 Millionen Euro von Falk forderte.

J. sicherte den Verwaltern den Zugriff auf 50 Millionen Euro des Vermögens von Falk beziehungsweise dessen Holdinggesellschaft. Es ging auch um Pfändung von Bankkonten, zwei Jachten und Grundstücken, die sich alle im Eigentum von Falk befanden.

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Schließlich eskalierte die Sache wie in einem billigen Krimi.

Handfeste Drohungen

Nach etlichen Einschüchterungsversuchen und handfesten Drohungen ging ein Unbekannter im Februar 2010 auf den Anwalt vor dessen Haus in der Mainmetropole los und verletzte den Juristen durch einen aufgesetzten Schuss in den linken Oberschenkel schwer, als J. in sein Auto steigen will.

Noch im Krankenwagen äußerte J. gegenüber der Polizei seinen Verdacht: „Ich führe ein Verfahren gegen Alexander Falk, einen Hamburger Multimillionär. Der steckt hinter dem Anschlag, lassen Sie bitte sein Handy abhören.“

Aber erst acht Jahre später, am 4. September 2018, wird Alexander Falk in Hamburg-Altona festgenommen. Es geht um den Verdacht der versuchten Anstiftung zum Mord an dem Frankfurter Anwalt. Im Dezember kommt es zur Anklage, die sich vor allem auf einen Tonbandmitschnitt und einen zwielichtigen Belastungszeugen stützt. Im August 2019 beginnt der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt.

Opfer fürs Leben gezeichnet

Am 9. Juli 2020 fällt das Urteil: viereinhalb Jahren Haft wegen Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung. Falk beteuert seine Unschuld, seine Anwälte gehen in Revision. Der Unternehmer befindet sich – mindestens bis zur möglichen Bestätigung des Urteils durch den Bundesgerichtshof (BGH) – auf freiem Fuß.

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Mehr als zwölf Jahre nach der Tat mit einem fürs Leben gezeichneten Opfer müssen die Bundesrichter nun entscheiden, ob das Frankfurter Urteil rechtsstaatlichen Kriterien genügt. Die Verteidiger hatten darauf abgehoben, dass der ursprüngliche Tatvorwurf Anstiftung zum Mord in Tateinheit mit Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung lautete, Falk jedoch wegen einer anderen Tat – nämlich Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung – verurteilt worden wäre.

Außerdem, argumentieren die Verteidiger, wäre die Vernehmung der tatverdächtigen Brüder E., denen sich Falk bedient haben soll und die sich in der Türkei aufhalten sollen, ausgeblieben. Dies könnte sich als schwerwiegender Grund erweisen, das Verfahren noch nicht rechtskräftig abzuschließen.

Drei Optionen

Prozessbeobachtende machen derzeit drei Optionen aus, die der BGH hat:

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  1. Die Richter lehnen eine Revision ab und Alexander Falk muss seine Haftstrafe antreten.
  2. Der BGH hebt die Entscheidung des Landgerichts auf und verweist sie zur kompletten Neuverhandlung zurück.
  3. Der BGH hebt die Entscheidung des Landgerichts auf und entscheidet selbst.

Nur die dritte Option hätte Charme für Alexander Falk. Dann nämlich wären die Richter des BGH zur Überzeugung gelangt, dass in Frankfurt die falsche Tat angeklagt gewesen ist. In diesem Fall könnte man dem Multimillionär die Anstiftung zu einer gefährlichen Körperverletzung vorwerfen.

Doch diese Tat wäre inzwischen verjährt – und Alexander Falk ein freier Mann.

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