Brexit sorgt für Sturm im Marmeladenglas

Mit Tradition: Der Brite bevorzugt Orangenmarmelade.

Mit Tradition: Der Brite bevorzugt Orangenmarmelade.

Hannover. In England war schon immer vieles anders: So fährt der Brite konsequent links, Regenwetter findet man auf der Insel „lovely“ – und zum Frühstück gibt es bittere Orangenmarmelade. Diese wäre nun fast zur Brexit-Verhandlungssache geworden. Denn seit 1979 dürfen in Europa nur jene Brotaufstriche Marmelade heißen, die mindestens 20 Prozent Zitrusfruchtanteil enthalten. Erdbeermarmelade heißt seit dem Konfitüre – Ausnahmen regelt die deutsche Konfitürenverordnung. Das Ganze war ein Sieg der Engländer, die mit ihrem Eintritt in die europäische Wirtschaftsgemeinschaft darauf gedrungen hatten, dass nur ihre traditionelle Orangenmarmelade echte Marmelade sei – und auch so heißen dürfe. Man einigte sich auf diplomatischem Weg und erließ auch gleich die entsprechende Verordnung, die den Namen 2001/113/EG trägt. Seit dem gibt es in Deutschen Supermärkten Marmelade und Konfitüre.

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Eine Tatsache, die dem SPD-Europaabgeordneten und Marmeladenfan Jakob von Weizsäcker seit Langem bitter aufstieß. Also nutzte von Weizsäcker den anstehenden Brexit für eine Anfrage bei der EU-Kommission, ob man nach dem Austritt der Briten die deutsche Marmeladengesetzgebung wieder frei gestalten könne. „Marmelade wieder Marmelade nennen zu dürfen, könnte dabei helfen, vielen EU-Bürgern den bitteren Beigeschmack des Brexits zu versüßen“, heißt es in der schriftlichen Anfrage. Die Kommission winkte ab, man habe derzeit besseres zu tun.

In Großbritannien sorgte die Anfrage des thüringischen Abgeordneten dagegen für einen Aufschrei – vor allem unter den konservativen Brexit-Befürwortern und natürlich der auflagenstarken britischen Boulevardpresse. Die „Daily Mail“ sowie der „Daily Express“ zeichneten in ihren Ausgaben schon das Bild des Deutschen, der „I want my marmelade back!“ brüllt – in Anlehnung an Margaret Thatchers EU-Kampfansage „I want my money back“ im Jahr 1984. Und der „Telegraph“ titelte, ob deutsche Abgeordnete den Brexit tatsächlich schamlos ausnutzen würden, um am Ende das Marmeladengesetz zu kippen.

Von Weizsäcker dagegen reagierte am Ende mit Humor und entschuldigte sich für den kleinen „Sturm im Marmeladenglas“, den er mit seiner Anfrage offenbar ausgelöst hatte.

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Von Nora Lysk/RND

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