Cassville in Missouri

US-Kleinstadt führt Prügelstrafe an Schulen wieder ein – Fachleute entsetzt

Foto: Um Kindern in Not zu helfen, wünscht die Gemeindeverwaltung sich eine zusätzliche Stelle für eine pädagogische Fachberatung.

Jegliche körperliche Züchtung gilt für die Vereinten Nationen als Menschenrechtsverletzung (Symbolbild).

Mithilfe von körperlicher Gewalt dürfen Schülerinnen und Schüler ab Beginn des kommenden Schuljahres in der Kleinstadt Cassville im US-Staat Missouri für Fehlverhalten bestraft werden – vorausgesetzt ihre Eltern haben vorab ihr Einverständnis dafür gegeben. Bereits im Juni hatten Behörden beschlossen, die Züchtigung der Kinder und Jugendlichen mit einem Holzpaddel auf den Po wieder einzuführen. Nun konnten die Eltern ihre schriftliche Einwilligung zu den körperlichen Disziplinierungsmaßnahmen abgeben.

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Die betroffenen Kinder dürfen von Lehrkräften oder Schulleitern im Beisein eines Zeugen geschlagen werden, „wenn alle anderen alternativen Disziplinierungsmittel versagt haben“, wie unter anderem die Zeitung „Springfield News-Leader“ berichtet. Außerdem muss ein Bericht mit den Gründen für die Bestrafung an den Superintendanten geschickt werden.

Die Härte der Strafe soll sich dabei auch nach dem Alter des Kindes richten – jüngere Schülerinnen und Schüler sollen ein bis zwei Schläge mit dem Holzpaddel erhalten, ältere Kinder maximal drei. Schläge ins Gesicht oder auf den Kopf seien nicht erlaubt.

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Strafe angeblich auf Wunsch der Eltern eingeführt

Laut Cassvilles Superintendant Merly Johnson ist die Prügelstrafe auf Wunsch einiger Eltern eingeführt worden. Einige Mütter und Väter hätten sich für ihre Wiedereinführung stark gemacht, es gebe der Schule weitere Möglichkeiten, Kinder zu disziplinieren, ohne sie nach Hause zu schicken oder zu suspendieren.

Allerdings äußerten sich Eltern gegenüber lokalen Medien teils entsetzt über die Entscheidung. Richard Wexler, Geschäftsführer der Kinderschutzorganisation National Coalition for Child Protection Reform, sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters: „Es ist eine absolut schreckliche Praxis. Es besteht keine Notwendigkeit für einen Lehrer, ein Kind jemals körperlich zu schlagen oder anzugreifen. Es straft nicht, es traumatisiert.“

Jegliche körperliche Züchtung gilt für die Vereinten Nationen als Menschenrechtsverletzung. Ähnlich argumentieren Forschende, die erklären, dass das Schlagen eines Mitmenschen mit einem Holzpaddel in jedem anderen Zusammenhang als Verletzung mit einem gefährlichen Werkzeug strafrechtlich relevant wäre. Auch eine positive erzieherische Wirkung des Schlagens erkennen Forscher und Expertinnen nicht.

Prügelstrafe in den USA grundsätzlich erlaubt

In den USA ist die körperliche Bestrafung in Schulen nach einem Urteil des Supreme Courts seit 1977 grundsätzlich verfassungsgemäß. Es ist Sache der Bundesstaaten, zu entscheiden, ob Schülerinnen und Schüler durch Lehrer körperlich bestraft werden dürfen. Aktuell ist die Prügelstrafe in 19 US-Bundesstaaten erlaubt.

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Dementsprechend kommt es regelmäßig zu körperlichen Disziplinierungsmaßnahmen an US-Schulen. Nach den Zahlen des Bildungsministeriums aus den Jahren 2017/18 wurden fast 70.000 Schülerinnen und Schüler landesweit geschlagen.

RND/ab

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