Um Preissteigerungen zu rechtfertigen

Italiens Gastronomen stellen Stromrechnungen im Schaufenster aus

Leere Stühle und Tische stehen vor einem Restaurant auf dem Markusplatz. Der Betrieb musste mittlerweile eingestellt werden, Bürger müssen Zuhause bleiben.

Leere Stühle und Tische stehen vor einem Restaurant auf dem Markusplatz in Venedig (Symbolbild).

Italien. Italienische Gastronominnen und Gastronomen stellen Stromrechnungen in ihren Lokalen offen aus, um den Kundinnen und Kunden gegenüber die aktuellen Preissteigerungen zu rechtfertigen. In den nächsten Tagen wird den Lokalbetreiberinnen und -betreibern dafür vom Handelsverband Confcommercio ein Bilderrahmen ausgehändigt, wie mehrere Medien berichten. Wegen der Erhöhung der Gas- und Strompreise im Land bleibt vielen Gastronominnen und Gastronomen keine andere Wahl, als die Preise zu erhöhen.

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Handelsverband hält Regierungshilfen für unzureichend

„Eine groß angelegte landesweite Kampagne soll den Bürgern und den Gästen von Bars und Restaurants die dramatische Situation vor Augen führen, in der sich die Unternehmen befinden“, klagte der Vizepräsident von Fipe-Confcommercio, Aldo Cursano, in einer Pressemitteilung am Mittwoch. Die Regierung habe zwar Maßnahmen zur Unterstützung ergriffen, diese seien aber für das hohe Maß an den zusätzlichen Kosten durch die steigenden Energiepreise nicht ausreichend. Der Verband warnte vor einer Inflationsspirale, die den Konsum in Italien zum Erliegen bringen könnte. „Wenn die Regierung nicht eingreift, werden die Lokalinhaber entweder die Preise weiterhin erhöhen oder das Geschäft einstellen müssen. Wir zählen auf die Sensibilität der Bürger und Kunden“, so der Handelsverband.

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31.07.2022, Italien, Civitanova Marche: Eine Frau legt einen Blumenstrauß an einer Einkaufsstraße ab, nachdem ein nigerianischer Straßenhändler dort angegriffen und zu Tode geprügelt wurde. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter wegen des Verdachts auf vorsätzliche Tötung und Raub fest. Foto: Chiara Gabrielli/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Energiekrise: Pizzapreise verdoppelt

Viele Pizzeria-Inhaberinnen und -Inhaber sehen sich mit dem Rücken an der Wand. „Ich bin gezwungen, 10 Euro für eine Pizza Margherita zu verlangen, statt 5 wie bisher, sonst muss ich das Lokal schließen“, klagte Alberto Rovati, Inhaber der Pizzeria Funky Gallo in Roncadello in der Lombardei. Seine Stromrechnung hat sich mehr als verdreifacht – auch er hat sie ausgehängt. Im Juli 2021 zahlte er noch 1350 Euro, für den gleichen Monat dieses Jahr waren es 4000 Euro. „Mit dem Ausstellen der Rechnung will ich nicht meine Kunden abschrecken, sondern ein Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen kann. Solange ich es schaffe, arbeite ich weiter, danach werden wir sehen“, so Rovati.

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Stromkosten belasten Unternehmen noch stärker

Die Energiekrise ist branchenübergreifend zum Problem geworden. Insbesondere Konzerne, die für ihre Produktion einen hohen Energiebedarf haben, müssen die Kostensteigerung kompensieren. Eine immense Preissteigerung musste etwa Francesco Francese, Eigentümer einer Konservenfabrik nahe der süditalienischen Hafenstadt Salerno, hinnehmen. Die Rechnung im Juli 2021 betrug 120.000 Euro. Das sei viel, aber für ihn akzeptabel, weil im Juli und August die Hochphase der Tomatenverarbeitung ist. Die Stromrechnung vom Juli 2022 in Höhe von 978.000 Euro empörte dagegen den Fabrikanten.

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„Während sich unsere Politiker um einen Parlamentssitz streiten, werden die Unternehmer inmitten des Energiedschungels allein gelassen“, schrieb Francese zu den Rechnungen, die er bezüglich der Parlamentswahlen am 25. September in den sozialen Netzwerken veröffentlichte.

Um die hohe Inflation und steigende Energiepreise abzufedern, wurde in Rom ein weiteres Entlastungspaket beschlossen. Die Regierung des scheidenden Premiers Mario Draghi hat dafür 14 Milliarden Euro bereitgestellt. Unternehmen bewerten die Regierungshilfe aber als nicht ausreichend.

RND/chs

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