Fall George Floyd: Amerikas Rassismus sitzt auf der Anklagebank
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„I can't breathe“ (Ich kann nicht atmen) waren die letzten Worte von George Floyd. Sie sind (hier bei der Beerdigung des 46-Jährigen) zum Protestslogan einer breiten Bewegung geworden.
© Quelle: Godofredo A. Vásquez/POOL Houst
Washington. Eindrucksvoller können Bilder kaum sein: ein Afroamerikaner, unbewaffnet und wehrlos, am Boden. Ein weißer Polizist, der ihm mit dem Gewicht seines Körpers fast neun Minuten lang die Luft abschnürt: Kurz vor 20 Uhr hatte George Floyd in einem Nachbarschaftsladen Zigaretten mit einer gefälschten 20-Dollar-Note bezahlt. Um 21.25 Uhr war er tot.
„I can’t breathe“ (Ich kann nicht atmen), die letzten Worte des Opfers, sind zu einem machtvollen Slogan in den USA geworden. Bei den Protesten des vergangenen Sommers ging es um mehr als das Einzelschicksal des 46-Jährigen. Sein Fall steht exemplarisch für das Empfinden vieler Schwarzer, im Alltag diskriminiert zu werden. Und für ihre Erfahrung, dass Beamte eben nicht Freunde und Helfer sind.
Der weiße Mob wird nicht behelligt
Das Problem der übermäßigen Gewaltanwendung einer militärisch ausgerüsteten Polizei ist lange bekannt, die Voreingenommenheit gegenüber Menschen mit nicht weißer Hautfarbe weit verbreitet. Ausgerechnet Donald Trump, der sich als „Law and Order“-Präsident inszenierte, hat den letzten Beweis geliefert: Seine weißen Anhänger konnten unbehelligt mit Schlagstöcken ins Kapitol marschieren. Es ist undenkbar, dass Black-Lives-Matter-Aktivisten auch nur den Zaun um das Gebäude hätten überwinden können.
Entsprechend politisch aufgeheizt ist der nun beginnende Prozess gegen den Polizisten, der Floyds Tod auf dem Gewissen hat. Man kann nur hoffen, dass das Gericht nicht – wie in vergleichbaren Fällen – unangemessene Gnade walten lässt. Zwar wird auch ein hartes Urteil allein weder Polizeigewalt noch Rassismus in den USA beenden, doch Gerechtigkeit für George Floyd ist die Voraussetzung dafür, dass eine Aussöhnung der Gesellschaft zumindest beginnen kann.