Juristisches Tauziehen um kranken Jungen dauert an

Gegen den Willen des Krankenhauses: Archie soll ins Hospiz

Paul Battersbee und Hollie Dance, die Eltern von Archie Battersbee, der nach einem schweren Hirnschaden im Koma liegt.

Trotz einer erneuten Niederlage vor Gericht wollen die Eltern des unheilbar kranken Archie in England nicht aufgeben und weiter für die Verlegung ihres Sohnes in ein Hospiz kämpfen. Eine britische Richterin hat die Verlegung eines im Koma liegenden zwölfjährigen Jungen von einem Krankenhaus in ein Hospiz verweigert. Die Richterin Lucy Theis vom High Court lehnte am Freitagmorgen einen Antrag der Eltern des Kindes Archie ab. Daraufhin beantragte die Familie Berufung gegen das Urteil. Sie will Archie verlegen lassen, wenn Ärzte im Krankenhaus in London die lebenserhaltenden Maßnahmen für den Jungen einstellen.

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Archie liegt seit April im Koma. Bei einem Unfall zu Hause in Southend-on-Sea hatte er sich schwere Hirnverletzungen zugezogen, mutmaßlich bei einer Internetmutprobe. Die behandelnden Ärzte sehen keine Chance auf eine Genesung.

Erfolgloser Appell der Eltern

Das höchste britische Gericht hatte die Entscheidung der Ärzte gestützt, Archie sterben zu lassen. Auch ein letzter Appell der Eltern an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg blieb erfolglos.

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Archies Eltern versuchten daraufhin, die Verlegung ihres Sohnes in ein Hospiz zu erwirken, damit Archie in einer ruhigeren, friedlicheren Umgebung seine letzten Stunden erleben kann. Das Krankenhaus lehnte dies jedoch ab: „Archie ist in einem solch instabilen Zustand, dass ein erhebliches Risiko sogar dann besteht, wenn er innerhalb seines Krankenhausbettes gedreht wird, was im Rahmen seiner fortlaufenden Pflege erfolgen muss“, teilte der Krankenhausbetreiber mit. Eine Verlegung mit dem Krankenwagen in eine völlig andere Umgebung würde daher höchstwahrscheinlich seinen Zustand rapide verschlechtern.

„Kampf bis zum bitteren Ende“

Der High Court folgte dieser Einschätzung. Es sei im besten Interesse Archies, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen im Krankenhaus statt in einer anderen Umgebung eingestellt würden, sagte die Richterin. Die Londoner Klinik hatte bereits mehrfach Zeitpunkte für die Einstellung der Maßnahmen verkündet, die sich durch den langen Rechtsstreit um Archies Schicksal jedoch immer wieder verzögerten.

„All unsere Wünsche als Familie sind von den Behörden verweigert worden“, sagte Archies Mutter Hollie. „Wir sind gebrochen, aber wir machen weiter, weil wir Archie lieben und uns weigern, ihn aufzugeben.“ In ihrem „Kampf bis zum bitteren Ende“ wird die Familie des Zwölfjährigen von der konservativen gemeinnützigen Organisation Christian Concern unterstützt, die bei ausgewählten Fällen Rechtsbeistand leistet und sich etwa gegen die Anerkennung von Homo- und Transsexualität ausspricht.

Das juristische Tauziehen im Fall Archie war sogar bereits im Vatikan Thema. Auf der offiziellen Vatikan-Plattform „Vatican News“ erschien ein Meinungsbeitrag, in dem gegen die Abschaltung der Geräte im Fall Archie argumentiert wird. Eine Gesellschaft müsse Leben – und auch die Schwachen und Zerbrechlichen – schützen, heißt es darin.

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AP/dpa/RND

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