Getötete Polizisten in Rheinland-Pfalz: Richter geht von gemeinschaftlichem Mord aus – Verdächtige in U-Haft

Polizeibeamte stehen an einer Absperrung an der Kreisstraße 22 rund einen Kilometer von dem Tatort, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden.

Polizeibeamte stehen an einer Absperrung an der Kreisstraße 22 rund einen Kilometer von dem Tatort, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden.

Gegen die beiden Tatverdächtigen im Fall der getöteten Polizisten aus Rheinland-Pfalz ist am Dienstag Haftbefehl erlassen worden. Die 32 und 38 Jahre alten Deutschen waren am Montag im Saarland festgenommen worden und sitzen in Untersuchungshaft. „Der Ermittlungsrichter hat Haftbefehl erlassen. Die beiden Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft“, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft und Polizei.

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„Der Ermittlungsrichter geht davon aus, dass die beiden Tatverdächtigen die Tat gemeinschaftlich begangen haben“, führte er aus. Einen Hinweis auf eine politisch motivierte Tat gebe es nicht.

Getötete Polizisten in den Kopf getroffen

Die Verdächtigen sollen gewildert haben. Auf der Ladefläche des Kastenfahrzeugs habe sich totes Wild befunden, als der 38-jährige Verdächtige festgenommen wurde. Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen davon aus, dass die mutmaßlichen Täter die Wilderei verdecken wollten. Das Strafmaß für das Vergehen, bei dem die beiden später getöteten Polizisten die Männer erwischt hatten, hätte in dem Fall bei drei Monaten bis fünf Jahren gelegen, hieß es bei der Pressekonferenz.

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Staatsanwaltschaft und Polizei gaben am Dienstagnachmittag Auskunft zum aktuellen Stand der Ermittlungen im Fall der beiden getöteten Polizisten.

Staatsanwaltschaft und Polizei gaben am Dienstagnachmittag Auskunft zum aktuellen Stand der Ermittlungen im Fall der beiden getöteten Polizisten.

Ein Jagdgewehr und eine Schrotflinte, die bei dem Verdächtigen gefunden wurden, kommen laut Orthen als mögliche Tatwaffen in Betracht. „Beide sind in den Kopf getroffen worden“, bestätigte Orthen. Die Polizeianwärterin wurde einmal getroffen, ihr Kollege mit vier Schüssen, von denen einer den Kopf traf. Der Polizist selbst habe noch sein Magazin leer geschossen – mit insgesamt 14 Schüssen.

Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen derzeit davon aus, dass beide Männer geschossen haben, da die Verletzungsspuren an den beiden Opfern sowohl auf eine Schrotflinte als auch auf ein anderes Jagdgewehr hindeuten. „Wir gehen davon aus, dass beide geschossen haben“, sagte der Oberstaatsanwalt. Nähere Informationen zum Tathergang möchten Polizei und Staatsanwaltschaft noch nicht bekannt geben.

Stefan Orthen, Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern, informierte über die Ermittlungen.

Stefan Orthen, Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern, informierte über die Ermittlungen.

Jüngerer Verdächtiger macht Angaben

Der 32 Jahre alte Tatverdächtige hat nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Wilderei eingeräumt und die Polizeikontrolle sowie die Schüsse geschildert. Er habe aber bestritten, selbst geschossen zu haben, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen am Dienstag. Die Ermittler gehen nach jetzigem Stand allerdings davon aus, dass beide Verdächtige geschossen haben. Der 38-jährige Verdächtige wollte bislang keine Angaben zu der Tat machen.

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Tatverdächtige lassen sich widerstandslos festnehmen

Zunächst stellte sich ein 38-Jähriger – ein Wildhändler aus dem saarländischen Kreis Neunkirchen – der Polizei, nachdem diese öffentlich mit Namen und Foto nach ihm gefahndet hatte. Der Verdächtige sei „in einem günstigen Moment“ vor einem Haus im saarländischen Sulzbach festgenommen worden. Zuvor wurde von Medien berichtet, dass er sich über seine Anwältin gestellt habe. Das stimme nicht, erklärte Kriminaldirektor Frank Gautsche. Bei einer Durchsuchung seien in dem Haus auch Waffen sichergestellt worden.

In dem Haus wurde auch ein 32 Jahre alter Verdächtiger festgenommen. In welchem Zusammenhang er zu den Schüssen stehe, müssten die Ermittlungen ergeben, hieß es. Die Fahndungsmaßnahmen hätten in der Nacht angedauert, weil weitere Mittäter nicht ausgeschlossen werden könnten, hieß es.

Beide Verdächtige nicht vorbestraft, aber polizeibekannt

Beide Männer waren laut Staatsanwaltschaft nicht rechtskräftig vorbestraft. Der 38-Jährige sei der Polizei aber früher bereits wegen Jagdwilderei und Verkehrsunfallflucht aufgefallen, sagte Kriminaldirektor Frank Gautsche bei der Pressekonferenz. Der 32-Jährige war der Polizei wegen Betrugsdelikten bekannt.

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Zeugen der Tat hätte es nicht gegeben. Angaben zum Verhalten der Verdächtigen hätten aber doch einige Menschen gemacht. Insgesamt 148 Hinweise seien bei der Polizei bislang eingegangen.

Polizeipräsident: „Tränen in den Augen“

Der Tod der beiden Polizisten in der Pfalz ist nach Worten von Polizeipräsident Michael Denne allen Kolleginnen und Kollegen sehr nahe gegangen. Er habe am Morgen die Mutter eines der beiden Opfer besucht. „Man hat da schon Tränen in den Augen. Das geht einem sehr nahe“, sagte der Leiter des Polizeipräsidiums Westpfalz. Es habe Beileidskundgebungen aus ganz Europa gegeben. Er habe den getöteten Beamten persönlich gekannt, sagte Denne bei der Pressekonferenz. Es sei ein sehr sympathischer Kollege gewesen.

Opfer funkten: „Die schießen!“

Am frühen Montagmorgen waren eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und ein 29 Jahre alter Oberkommissar bei einer Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße in der Pfalz in der Nähe der Kreisstadt Kusel erschossen worden. Die Beamten hatten nach Angaben aus Sicherheitskreisen zuvor per Funk gemeldet, in einem Fahrzeug sei totes Wild gefunden worden. Später meldeten sie „Die schießen!“. Der Polizist soll am Tatort noch mehrere Schüsse abgegeben haben – ob es Warnschüsse waren oder der Beamte einen Tatverdächtigen verletzte, war noch unklar. Die Waffe seiner Kollegin kam offensichtlich nicht zum Einsatz.

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Während die junge Frau, die noch an der Hochschule der Polizei studierte, nach Polizeiangaben sofort tot war, habe ihr Kollege zunächst noch gelebt. Er sei gestorben, als die Rettungskräfte eintrafen.

RND/liz/nis mit dpa

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