„Reicht noch nicht aus“: Britische Aktivisten fordern härtere Sanktionen gegen Oligarchen wie Abramowitsch

Mehrere Oligarchen besitzen große Villen in Großbritannien.

Mehrere Oligarchen besitzen große Villen in Großbritannien.

Die Villa des Fußball­klub­besitzers Roman Abramowitsch im klassizistischen Stil, die einen Wert von 125 Millionen Euro haben soll, wirkt bei strahlendem Sonnenschein schon von außen imposant. Und unbewohnt ist das Anwesen in Kensington Palace Gardens, einer exklusiven Straße im Zentrum Londons, in der auch viele Botschaften ihren Sitz haben, offenbar auch nicht. Ein Esseslieferant in oranger Kluft und mit einer gleichfarbigen Warm­halte­box auf dem Rücken brachte dieser Tage Mittagessen zu dem prunkvollen Bauwerk. Ein Mann in einer schwarzen Steppjacke nahm es entgegen.

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Was wie eine harmlose Szene wirkt, hat durchaus Brisanz. Denn es könnte heißen, dass das Haus womöglich noch bewohnt oder zumindest bewacht wird. Und das, obwohl die britische Regierung den 55-Jährigen wegen seiner Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin, der gerade einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, mittlerweile auf die Sanktions­liste gesetzt hat. Das bedeutet, dass sein Vermögen in Großbritannien konfisziert werden soll, er nicht mehr einreisen darf und überdies Individuen und Unternehmen auf der Insel keine Geschäfte mehr mit ihm machen dürfen. Mit anderen Worten: Niemand darf gegen Bezahlung bei ihm putzen, Klempner­arbeiten ausführen oder auf das Anwesen aufpassen. Gleiches gilt seit vergangenem Donnerstag für sechs weitere Russen, darunter der Unternehmer Oleg Deripaska, der einst als Russlands reichster Russe bezeichnet wurde, und Igor Setschin, Konzernchef des russischen Energiekonzerns Rosneft.

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Russische Oligarchen werden nervös

Russische Oligarchen in Großbritannien und innerhalb der EU werden angesichts der nun angekündigten Maßnahmen zunehmend nervös. Einige versuchten in den vergangenen Tagen, ihre Riesenjachten in Sicherheit zu bringen, damit sie nicht beschlag­nahmt werden. Zu ihnen gehört auch Abramowitsch, dessen Schiffe sich seit der Verkündigung der Sanktionen auf dem Meer befinden. Zuletzt wurde Abramowitschs Megajacht vor der Küste Montenegros gesichtet. Und auch unter reichen Russen in London, die sich eigentlich von Putin distanzieren, breitet sich zunehmend Nervosität aus. Viele denken mittlerweile darüber nach, ihre Anwesen zu verkaufen, bevor es zu spät ist.

Trotzdem gehen die Maßnahmen vielen Aktivisten und Aktivistinnen noch nicht weit genug, wie die Mitglieder der Kampagne Kensington against dirty Money Campaign (Kampagne gegen schmutziges Geld in Kensington) betonen. Sie fordern, dass Abramowitschs Anwesen schneller der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, damit vorübergehend ukrainische Geflüchtete darin wohnen können.

Aktivisten posieren vor Abramowitschs Villa

Um auf dieses und weitere Anliegen aufmerksam zu machen, haben Mitglieder der Kampagne am vergangenen Freitag vor einem Anwesen in Thornwood Gardens vor Journalisten posiert; mit dabei hatten sie eine alte Wasch­maschine, in der Spielgeld gewaschen wurde. Joe Powell, Mitbegründer der Bewegung, deutet auf einen modernen Wohnkomplex: „Sie wundern sich sicherlich nicht, wenn ich Ihnen sage, dass hier viele Gebäude leer stehen.“ Die Häuser seien wie Bilder oder eine Jacht nur Anlagen, für die man sich nicht interessiere. Und dies seien nur drei von geschätzt mehr als 6000 Anwesen, deren Besitzer man nicht kenne.

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Ein neues Gesetz zur Bekämpfung von Wirtschafts­kriminalität, das vergangene Woche im House of Lords debattiert wurde, soll das nun ändern. Offshore-Unternehmen, die Immobilien im Vereinigten Königreich besitzen, soll Transparenz auferlegt werden. Das heißt, es soll klar werden, wem genau die Anwesen gehören. Damit soll Putins „Mob aus Oligarchen und Kleptokraten“ der Garaus gemacht werden, sagte Innenministerin Priti Patel vergangene Woche.

Gesetzesentwurf mit „vielen Schlupf­löchern“

Powell begrüßte den Entwurf, betonte jedoch, dass er „viele Schlupflöcher hat“. Die Regierung müsse sicherstellen, dass die Informationen tatsächlich korrekt sind, betonte Rachel Davies von Transparency International, einer Nicht­regierungs­organisation zur Bekämpfung von Korruption. Denn aktuell könne man ein Unternehmen unter einem falschen Namen gründen. „Niemand prüft, ob dieser tatsächlich stimmt.“

Aus Sicht vieler Bewohner und Bewohnerinnen Kensingtons kommen viele der jetzt verhängten Maßnahmen jedoch deutlich zu spät: „Vor allem während der Pandemie fiel uns auf, in wie vielen Häusern abends keine Lichter brannten“, erzählt der 23‑jährige Sam Dodgshon gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Weil immer weniger Menschen in dem Bezirk leben, mussten Restaurants und Cafés schließen. Früher hätten sie hier eher wie in einem Dorf gelebt, als Gemeinschaft, erinnert er sich. „Es bricht mir das Herz zu sehen, dass diese jetzt stirbt.“

RND

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