Bis zu 37 Grad erwartet

Mehr Einsätze durch Hitzewelle: Worauf sich Rettungskräfte jetzt einstellen

Hitzewelle im Juli: Mit klimatisierten Rettungswagen und ‑wachen ausgestattet sehen die Rettungsdienste von Malteser, vom DRK und den Feuerwehren dem angekündigten Extremwetter unaufgeregt entgegen.

Hitzewelle im Juli: Mit klimatisierten Rettungswagen und ‑wachen ausgestattet sehen die Rettungsdienste von Malteser, vom DRK und den Feuerwehren dem angekündigten Extremwetter unaufgeregt entgegen.

Berlin. In diesen Tagen erwartet der Deutsche Wetterdienst mit bis zu 37 Grad Celsius in einigen Teilen Deutschlands die erste große Hitzewelle. Gesundheitsminister Karl Lauterbach äußerte die Sorge, dass die Hitzewelle viele Todesopfer mit sich bringen könnte. Hitzeextreme gefährden besonders ältere Menschen mit stark eingeschränkter Gesundheit, kranke Menschen sowie Säuglinge und Kinder, heißt es vom Bundesumweltamt und dem Deutschen Wetterdienst.

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Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft, sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass sie mit einer steigenden Belastung und „einer hohen Zahl an hitzebedingten Krankenhausfällen“ in den Kliniken rechne, wenn tatsächlich die erwarteten Hitzetemperaturen eintreten. „Insbesondere in den Städten, in denen es kaum Ausweichmöglichkeiten vor Hitze gibt und sich die Hitze zwischen den Betonbauten besonders ballen kann, muss mit extremen Belastungen für die Krankenhäuser gerechnet werden“, sagte Gaß. Mit Blick auf immer heißer werdende Sommer fordert er von der Politik ein Modernisierungsprogramm für die Krankenhäuser.

Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft

Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft

Rettungsdienste planen keine besondere Vorbereitung

Während die Personalsituation in den Krankenhäusern bereits wegen Quarantäne und Isolation durch Corona besonders angespannt ist, blicken die Rettungsdienste der Hitzewelle etwas entspannter entgegen. Der Rettungsdienst der Malteser geht zwar davon aus, dass die Zahl an Einsätzen zunehmen wird. „Zugleich erwarten wir aber nichts Dramatisches oder etwas anderes als sonst“, sagt Malteser-Sprecher Patrick Köhler dem RND. Die Einsatzhelfer verfügen über klimatisierte Rettungswagen und 280 Rettungswachen. Mehr Personal als gewöhnlich werde nicht eingesetzt.

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„Jeder weiß, dass man sich möglichst aus der Sonne heraushalten und körperliche Anstrengungen vermeiden sollte.“

Martin zur Nieden

Bundesfeuerwehrarzt des Deutschen Feuerwehrverbandes

Der stellvertretende Bundesfeuerwehrarzt Martin zur Nieden sagt dem RND, dass auch die Rettungsdienste der Feuerwehren von einem erhöhten Aufkommen an Einsätzen ausgehen, sich aber nicht speziell auf die Hitzewelle vorbereiteten müssen. Guter Menschenverstand genüge, sagt zur Nieden. In vielen Bundesländern sind Feuerwehren auch Träger des Rettungsdienstes, einer der größeren beispielsweise in Berlin. Vor allem in diesen Großstädten können Hitzewellen zu langanhaltender Wärmebelastung führen, da sie nur langsam wieder abkühlen, so die Helmholtz-Klima-Initiative.

„Jeder weiß, dass man sich möglichst aus der Sonne heraushalten und körperliche Anstrengungen vermeiden sollte“, sagt zur Nieden. Das lasse sich im Rettungseinsatz natürlich nicht immer umsetzen. Die meisten Einsatzkräfte seien aber junge und gesunde Menschen. Ihm sei kein Fall bekannt, in dem Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen persönlich von schwerwiegenden Hitzefolgen betroffen gewesen seien.

„Es gehört zum Leben dazu, dass es im Sommer heiß sein kann.“ Erfahrungsgemäß gebe es an heißen Tagen vermehrt Einsatzfälle mit Hitzeerschöpfung, Sonnenstich oder starkem Sonnenbrand.

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Die Personalplanung und die Anzahl von Rettungswagen ändere sich auch nicht mit der Witterung. Denn dies sei aufgrund von Kurzfristigkeit und Schwankungen kaum umsetzbar. Zur Nieden versichert aber: „Wir kommen mit Hitzeperioden zurecht. Die Mitarbeiter sind belastbar und die Hitzewelle ist eine händelbare Alltagserscheinung.“ Für den Schutz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stellten manche Arbeitgebenden kostenlos Wasser zur Verfügung.

Auf Basis von Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren rechnet Hendrik von Quillfeldt vom DRK-Landesverband Berlin für die Hauptstadt mit einem Anstieg an hitzebedingten Rettungseinsätzen um etwa 10 Prozent.

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Dehydrierung der Mitarbeitenden durch ausreichend Wasser vorbeugen

Dass die Rettungskräfte priorisieren müssen, sei in Zeiten des Fachkräftemangels schon lange so, heißt es vom DRK weiter. Zu Hochzeiten gebe es eine höhere Belastung, hinzu könnten Corona-Erkrankungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Engpässe verschärfen. Im Vergleich zur Berliner Feuerwehr spiele das DRK in der Stadt mit zehn im Vergleich zu etwa 130 Fahrzeugen aber eine untergeordnete Rolle.

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Den Rettungs- und Notfallkräften stehe ausreichend Wasser zur Verfügung, sagt von Quillfeldt. Das sei der wichtigste Punkt, um Dehydrierung vorzubeugen. „Trinken Sie viel Wasser, halten Sie sich eher im Schatten auf, meiden Sie die direkte Sonne und schwere körperliche Betätigungen“, appelliert von Quillfeldt an die Bevölkerung. Das gelte für alle, aber besonders für die vulnerablen Gruppen.

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