In „Asterix in Italien“ hat der Dicke die Zügel in der Hand

Am Steuer: Obelix spielt im neuen „Asterix in Italien “ die Hauptrolle.

Am Steuer: Obelix spielt im neuen „Asterix in Italien “ die Hauptrolle.

Berlin. „Duo cum idem faciunt, non est idem.“ Schon der römische Komödiendichter Terenz wusste, dass es keineswegs dasselbe ist, wenn zwei verschiedene Männer die gleichen Dinge anstellen. Als die „Asterix“-Autoren vor einigen Monaten ankündigten, dem treuen Gefährten Obelix nach fast 60 Jahren Sidekick-Dasein jetzt auch einmal die Hauptrolle zu geben, war der große Dicke mit den tizianroten Zöpfen auf einmal so etwas wie der Martin Schulz der Comicwelt. Viele Fans fragten sich: Kann der das? Wird das was?

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Jetzt ist klar: „Asterix in Italien“ ist ein ganz großer Wurf. Es ist herrlich und herzzerreißend zugleich anzusehen, wie Globalisierungsängste den Hinkelsteinexperten einholen, als ultraleichter Bimsstein vom Vesuv plötzlich sein in Stein gemeißeltes Geschäftsmodell infrage stellt. Wie er auf einmal seinen Frust laut ausschreit: „Wieso muss immer Asterix die Hauptrolle spielen?“ Das ist in dem Moment allerdings auch das beste Argument von Obelix. Plant er doch ein Himmelfahrtskommando. Er will einen Rennwagen mit vier Pferden bei einem Rennen quer durch Italien lenken. Natürlich ohne jede Erfahrung. Warum auch nicht? Hat ihm doch eine Wahrsagerin einen Triumph versprochen. Zudem hat er Asterix dabei, diesmal als Navigator eher in Assistentenrolle.

Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen) mit dem berühmten Gallier.

Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen) mit dem berühmten Gallier.

Es ist grandios. Obelix macht Pause, wenn Idefix wegfliegt. Obelix macht Pause, wenn Wildschweinduft lockt. Obelix macht Pause, wenn zwei Damen aus dem Nachbarwagen eine Panne haben. Er belauscht in der Nacht eine Bestechung, und es ist ihm völlig egal. In der lateinischen Grammatik gibt es dafür einen sehr treffenden Ausdruck: den „Handlungsträger im Passiv“.

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Caligarius ist der haushohe Favorit

Egal. Dass Obelix den haushohen Favoriten Caligarius, der für Rom antritt, immer wieder nicht einholen kann, hat ohnehin tiefere Gründe: Der korrupte römische Senator Bifidus mogelt an allen Ecken und Enden, damit Rom bei dem Rennen nicht das Gesicht verliert.

Ganz klar, dass Bifidus bald Besuch von den beiden tapferen Galliern erhält. Weil er nicht dasselbe „Piff!“ und „Paff!“ wie seine Leibwächter abbekommen will, türmt er feige, während ihm seine Frau noch „Wo läufst Du hin? Die Orgie wird kalt!“ hinterher ruft. Obelix rollt weiter, zur Entscheidung am Vesuv.

Das dritte Abenteuer aus der Feder von Ferri und Conrad

„Asterix in Italien“ ist der 37. Band der erfolgreichsten französischen Comicreihe und das dritte Abenteuer aus der Feder von Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen). Sie hatten „Asterix“-Erfinder Albert Uderzo vor einigen Jahren abgelöst. Ihr Erstling „Asterix bei den Pikten“ (2013) war noch eine Art Probelauf, der vor allem präzise den Zeichenstil Uderzos kopierte, viele Fans aber inhaltlich enttäuschte. Die Story beim Wikileaks-Gleichnis „Der Papyrus des Cäsar“ (2015) war um Längen besser.

Jetzt haben Ferri und Conrad – vielleicht angespornt vom wachsenden Lob in der Fangemeide – endlich mehr Selbstbewusstsein bewiesen. Es ist ein schöner Comic herausgekommen. Die Story ist lustig, bis zum Schluss spannend und eine Liebeserklärung an Italien.

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Von Christof Bock/RND

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