„Sie müssen den Klimawandel wirklich stoppen“

Für das Klima: Großmutter radelt 8000 Kilometer zur Klimakonferenz

Ägypten, Scharm El Scheich: Dorothee Hildebrandt steht mit ihrem Fahrrad vor dem Eingang vom UN-Klimagipfel COP27. Die 72-Jährige ist mit ihrem Fahrrad von Schweden aus 8228 km bis zur COP27 gefahren.

Ägypten, Scharm El Scheich: Dorothee Hildebrandt steht mit ihrem Fahrrad vor dem Eingang vom UN-Klimagipfel COP27. Die 72-Jährige ist mit ihrem Fahrrad von Schweden aus 8228 km bis zur COP27 gefahren.

Scharm el Scheich. Als Zeichen für stärkere Maßnahmen beim Klimaschutz ist eine 72-jährige Großmutter nach eigenen Angaben aus Schweden mit dem Fahrrad zur Weltklimakonferenz in Ägypten gefahren. „Ich hatte gehofft, dass ich den hochrangigen Leuten eine Botschaft senden kann“, sagte Dorothee Hildebrandt der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Konferenz in Scharm el Scheich. Sie habe auf der Strecke mehr als 8000 Kilometer zurückgelegt. „Wenn ich so etwas Unbequemes mache, haben die eine Verantwortung, Dinge zu tun, die auch unbequem und nicht leicht sind.“

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Sie und „Miss Piggy“

Die in Kassel geborene Mutter von vier Kindern und zweifache Großmutter war am 1. Juli aus Katrineholm südwestlich von Stockholm aufgebrochen. Mit ihrem rosafarbenen Fahrrad mit Elektromotor, das sie „Miss Piggy“ taufte, fuhr sie unter anderem über Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Ungarn, Kroatien, Bulgarien und die Türkei, wie Hildebrandt schildert. Von dort habe sie eine Fähre in den Libanon genommen und sei weiter bis nach Jordanien gefahren, ehe sie das letzte Stück nach Ägypten erneut per Fähre zurückgelegt habe. Täglich radelt die 72-Jährige etwa 15 Kilometer zum Konferenzzentrum.

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„Sie müssen den Klimawandel wirklich stoppen“, sagt Hildebrandt an die Adresse der Politikerinnen und Politiker. „Auch wenn es unbequem ist.“ Auch ihre Radreise quer durch Europa und den Nahen Osten sei nicht bequem gewesen. Aber sie wolle zeigen, dass man es schaffen kann, wenn der Wille da ist.

Überraschendes Treffen

Im Alter von zehn Jahren habe sie ihr erstes Fahrrad bekommen – und nie aufgehört, in die Pedale zu treten, sagt die gebürtige Kasselerin. Mit ihrer Hochzeit 1978 zog sie nach Schweden. Dort ist sie seit 2015 im Ruhestand und aktiver denn je. Ihr Aktivismus, zu verfolgen über ihre sozialen Medien, sei für die Kinder und die nachfolgenden Generationen, erklärt Hildebrandt. Auf einem Schild an ihrem Fahrrad steht: „Biking for Future and Peace“.

Die vier Monate lange Reise beeindruckte offenbar auch Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der Hildebrandt empfing und ein Stück mit ihr durch Scharm el Scheich radelte. Beim Abschied sprach die 72-Jährige den Staatschef nach eigenen Angaben auf die in Ägypten faktisch verbotenen Proteste an. „Ich habe ihn gefragt, warum man hier nicht auf der Straße demonstrieren darf, weil in Glasgow war es ja friedlich.“ Al-Sisi habe geantwortet, das dürfe „jedermann“ überall im Land. „Da dachte ich, naja, das passt ja nicht zu dem, was ich gelesen habe. Vielleicht weiß er es nicht besser.“

Klimakonferenz: Eindruck nach „eine Art Lobbying“

Die laufende Klimakonferenz sei ihrem Eindruck nach im Wesentlichen „eine Art Lobbying“, sagte Hildebrandt. „Man will zeigen, wie gut man ist.“ Im Streit um die Finanzierung von Klimaschäden in ärmeren Ländern müssten reiche Staaten in Europa sowie die USA aber „endlich mal ihren Hintern hochkriegen“, sagte Hildebrandt. „Wir verschmutzen alles und die armen Leute kriegen die Dürre, die Überschwemmungen. Und dann helfen wir noch nicht mal.“

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Nach der Klimakonferenz, zu der die ägyptische Regierung ihr einen Zugangspass verschaffte, will Hildebrandt etwas Urlaub machen – und dann „mindestens 8000 Kilometer zurückfahren“. 2021 war die Schwedin schon rund 2500 Kilometer zur COP26 nach Glasgow gefahren.

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RND/dpa

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