Malaysia trauert um junges Prügelopfer

Der Ministerpräsident des südostasiatischen Landes, Najib Razak, wies die Ermittler an, für schnelle Aufklärung zu sorgen.

Der Ministerpräsident des südostasiatischen Landes, Najib Razak, wies die Ermittler an, für schnelle Aufklärung zu sorgen.

Kuala Lumpur. Mehrere Wochen nach der Prügel seines Aufsehers ist ein elf Jahre alter Schüler in Malaysia seinen Verletzungen erlegen. Der Junge starb Medienberichten zufolge am Mittwoch in einem Krankenhaus in Taman Mount Austin rund 300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kuala Lumpur. Nun ist er unter großem Medienrummel beigesetzt worden. Der Ministerpräsident des südostasiatischen Landes, Najib Razak, wies die Ermittler an, für schnelle Aufklärung zu sorgen. Der mutmaßliche Täter, ein 29-jähriger Aufseher der Schule, sitzt in Untersuchungshaft. Ihm droht eine Anklage wegen Mordes.

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Prügelstrafen an der Tagesordnung

Der Junge war nach Angaben der Polizei Ende März an einer Religionsschule in Kota Tinggi im Süden des Landes verprügelt worden. Angeblich hatte er zusammen mit anderen Schülern im Schlafraum Krach gemacht. Der Elfjährige zog sich dabei offensichtlich eine Infektion zu und fiel ins Koma. Beide Beine mussten amputiert werden. Kurz bevor ihm auch noch der rechte Arm abgenommen werden sollte, starb er.

Nach Presseberichten waren Prügelstrafen in der Religionsschule an der Tagesordnung. Die Tageszeitung "Malay Mail" zitierte aus dem Tagebuch des Jungen, in dem es heiße: "Lieber Allah, bitte öffne meinen Eltern das Herz, damit ich an eine andere Schule darf. Hier halte ich es nicht mehr aus." In Malaysia ist der Islam Staatsreligion.

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Aufseher bereits vorbestraft

Die Aufnahmen einer Überwachungskamera sollen zeigen, wie dem Jungen immer wieder auf die Fußsohlen geschlagen wird. Der Aufseher war vorbestraft. Den Presseberichten zufolge war er wegen Diebstahls zu zweieinhalb Jahre Haft verurteilt worden, bevor er an die Schule kam.

Wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef berichtet, sei die Bestrafung Statistiken zufolge in dem Land die bevorzugte Form der Maßregelung. Dies müsse beendet werden, erklärte die Unicef-Vertreterin in Malaysia, Marianne Clark-Hattingh, am Donnerstag. Der Tod des Elfjährigen sei eine Erinnerung an die negativen Konsequenzen der Prügelstrafe und von Gewalt als Disziplinierungsmaßnahme.

Im Artikel 37 der von Malaysia unterzeichneten UN-Kinderrechtskonvention heißt es: „Kein Kind sollte Folter oder anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung ausgesetzt sein.“ Die malaysische Regierung habe jedoch Vorbehalte gegen diesen Artikel, erklärte Unicef. Wenn es diese Bedenken ablege, werde Malaysia sein Bekenntnis zu einem Ende von jeglicher Gewalt gegen Kinder zeigen.

Die malaysische Regierung konnte für einen Kommentar zunächst nicht erreicht werden. Regierungsvertreter hatten zuvor versprochen, religiöse Schulen zu überprüfen. Sie sind von staatlichen Inspektionen ausgenommen.

Von RND/dpa

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