Wollte er das Verbrechen vertuschen?

Fall der 43 verschwundenen Studenten: Ex-Staatsanwalt in Mexiko angeklagt

Der mexikanische Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam spricht während einer Pressekonferenz in Mexiko-Stadt, Mexiko, am 22. August 2013. Acht Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studenten in Mexiko ist ein Strafverfahren gegen den damaligen Generalstaatsanwalt eröffnet worden (Archvibild).

Der mexikanische Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam spricht während einer Pressekonferenz in Mexiko-Stadt, Mexiko, am 22. August 2013. Acht Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studenten in Mexiko ist ein Strafverfahren gegen den damaligen Generalstaatsanwalt eröffnet worden (Archvibild).

Mexiko-Stadt. Die mexikanische Justiz hat im Fall der vor knapp acht Jahren verschwundenen 43 Studenten Anklage gegen den ehemaligen Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam erhoben. Ein Gericht in Mexiko-Stadt entschied am Mittwoch (Ortszeit), dass sich der 74-Jährige in einem Strafprozess verantworten muss. Dem Juristen werden das Verschwindenlassen von Menschen, Folter sowie Behinderung der Justiz vorgeworfen.

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Murillo Karam war am vergangenen Freitag festgenommen worden. Einen Tag zuvor hatte eine Wahrheitskommission zu dem Fall ihren ersten Bericht abgegeben. Demnach war der ehemalige Generalstaatsanwalt mitverantwortlich dafür, dass ein mutmaßlicher Tatort manipuliert und Folter eingesetzt wurde, um vom tatsächlichen Ablauf des Verbrechens abzulenken. Murillo Karam wollte eine von ihm „historische Wahrheit“ festschreiben, nach der lediglich lokale Politiker, Polizisten und Kriminelle an der Tat beteiligten waren. Er hatte im Januar 2015 erklärt, die Studenten seien alle auf einer Müllhalde verbrannt worden, und wollte das Verfahren beenden.

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Recherchen der Wahrheitskommission sowie einer internationalen Expertengruppe haben jedoch ergeben, dass auch bundesstaatliche und föderale Polizeieinheiten sowie Militärs in das Verbrechen involviert waren. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass die Lehramtsanwärter auf der Halde verbrannt worden seien.

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Studenten verschwanden im September 2014

Murillo Karam verteidigte bei seiner Anhörung am Mittwoch seine Interpretation vom Verlauf der Tatnacht. Möglicherweise habe man bei den Ermittlungen einige Fehler gemacht, die „historische Wahrheit“ sei aber nie widerlegt worden, sagte er laut Medienberichten.

Die Studenten des Lehramtsinternats Ayotzinapa waren in der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 in der Stadt Iguala im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero von Kriminellen und Sicherheitskräften angegriffen worden. 6 Menschen starben, 43 der jungen Männer wurden verschleppt. Seither fehlt von den meisten jede Spur, nur die sterblichen Überreste von dreien wurden identifiziert.

RND/epd

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