Aktionen in über 120 Städten

Ostermärsche in Deutschland: Tausende protestieren gegen Krieg in der Ukraine und Aufrüstung

Teilnehmer des Hamburger Ostermarschs laufen hinter einem Transparent mit der Aufschrift "Omas gegen Rechts. Nein zum Krieg! Ja zu Frieden und Abrüstung!".

Berlin. Mehrere Tausend Menschen haben sich bundesweit an den diesjährigen Ostermärschen beteiligt. Allein am Ostermontag gab es nach Angaben der Organisatoren in etwa 30 Städten Aktionen, darunter in Frankfurt am Main, Dortmund, Büchel, Nürnberg, Hamburg und Wilhelmshaven. Am Samstag versammelten sich bereits in Hannover, München, Duisburg, Stuttgart, Leipzig und Berlin Demonstranten mit Fahnen und Plakaten. Die Kundgebungen richteten sich etwa gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die geplanten Milliardenausgaben für die Bundeswehr.

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+++ Alle News zum Krieg in der Ukraine in unserem Liveblog +++

Zum Abschluss am Ostermontag zog das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn eine positive Bilanz. Die Zahl der Teilnehmer sei im Vergleich zu den Vorjahren „moderat“ angestiegen. In über 120 Städten hätten über Ostern Aktionen für Frieden und Abrüstung stattgefunden. „Der Krieg in der Ukraine hat über die Ostertage viele Menschen auf die Straßen getrieben, die nicht ohnmächtig die Nachrichten verfolgen möchten, sondern sich aktiv gegen den Krieg, für diplomatische Lösungen und gegen Aufrüstung engagieren wollen“, so ein Sprecher des Netzwerks.

Habeck und Thierse kritisieren Abrüstungsforderungen

Einige Forderungen der Friedensbewegung sorgten diesmal vorab für Diskussionen. Das Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ sei aktuell eine Arroganz gegenüber den Menschen in der Ukraine, sagte der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) dem Bayerischen Rundfunk. „Pazifismus auf Kosten anderer ist zynisch.“

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Habeck legt großes Wirtschaftspaket für Unternehmen vor

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat am Freitag in Berlin betont, dass ein großes Wirtschaftspaket besonders stark belastete Unternehmen entlasten soll.

Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Pazifismus sei im Moment „ein ferner Traum“. Russlands Präsident Wladimir Putin habe mit allen Regeln des Völkerrechts gebrochen. Wenn die Idee der Ostermärsche Frieden sei, müsse man sich klarmachen: „Frieden kann und wird es nur geben, wenn Putin seinen Angriffskrieg stoppt.“ Er sagte auch, es sei eindeutig, „wer in diesem Krieg Angreifer ist und wer sich in schwerer Not verteidigt und wen wir unterstützen müssen - auch mit Waffen“.

Die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann verteidigte die Friedensdemonstrationen. Es sei nicht gerecht, Menschen, die sich seit Jahrzehnten für Frieden einsetzten, vorzuwerfen, sie stünden auf der Seite Russlands, sagte die Theologin dem Sender NDR Info. Mehr Waffenlieferungen würden auch aus ihrer Sicht nicht zu einem Ende des Krieges führen. Im Gegenteil: Er könnte sogar weiter eskalieren.

Tausende bei Ostermärschen in Frankfurt und Stuttgart

Am Montag gingen alleine in Frankfurt nach Angaben der Polizei rund 2500 Menschen auf die Straße. Auf Plakaten forderten sie „Nein zum Krieg“ und eine Umwidmung des geplanten 100-Milliarden-Euro-Pakets für die Bundeswehr in Bildung und Soziales.

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"100.000.000.000 · für Bildung und Soziales - statt für Rüstung" steht während der Abschlusskundgebung der Ostermärsche des "Netzwerks Friedenskooperative" in Frankfurt und Umgebung auf einem Plakat.

"100.000.000.000 · für Bildung und Soziales - statt für Rüstung" steht während der Abschlusskundgebung der Ostermärsche des "Netzwerks Friedenskooperative" in Frankfurt und Umgebung auf einem Plakat.

Unter dem Motto „Es ist kurz vor Zwölf“ protestierten darüber hinaus Friedensaktivisten und Atomwaffengegner beim Luftwaffenstützpunkt Büchel in Rheinland-Pfalz. Dort werden nach offiziell nicht bestätigten Berichten US-Atomwaffen gelagert.

Der größte Ostermarsch in Baden-Württemberg war am Samstag in Stuttgart. Angemeldet waren 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dieter Lachenmayer vom Friedensnetz Baden-Württemberg sprach von 2500 Teilnehmern. Weitere Ostermärsche gab es am Samstag unter anderem in Heidelberg, Ulm und Mannheim.

Proteste in Berlin, Hannover und Köln am Samstag

In Berlin kamen nach Schätzungen der Polizei am Samstag rund 1300 Menschen zusammen. In Bremen waren es laut Polizei 1200, in Hannover mehr als 500, in München knapp 500 und in Jena rund 400. In Duisburg und Köln nahmen Hunderte Demonstranten an Auftaktveranstaltungen zum dreitägigen Ostermarsch Rhein-Ruhr teil.

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Demonstranten protestieren in Berlin während einer Demonstration unter dem Motto "March for true Peace in Ukraine" im Rahmen des alternativen Ostermarsches, der sich gegen die russische Militaer-Aggression in den beiden Kriegen in der Ukraine und Syrien richtet.

Demonstranten protestieren in Berlin während einer Demonstration unter dem Motto "March for true Peace in Ukraine" im Rahmen des alternativen Ostermarsches, der sich gegen die russische Militaer-Aggression in den beiden Kriegen in der Ukraine und Syrien richtet.

Auf Plakaten und Bannern stand beispielsweise „Nein zum Krieg“, „Stoppt den Rüstungswahn“, „Verhandeln! statt 3. Weltkrieg riskieren“ und „Wer Waffen liefert wird Krieg ernten“. Auf einem Autodach in Berlin war eine große Friedenstaube montiert.

Erste Ostermärsche hatte es bereits am Donnerstag und Freitag gegeben.

Ostermärsche haben lange Tradition

Die Ostermärsche der deutschen Friedensbewegung haben eine mehr als 60-jährige Tradition. Inspiriert wurden die ersten Aktionen von britischen Friedensaktivisten, die an Ostern 1958 einen dreitägigen Protestmarsch zum Atomwaffen-Forschungszentrum Aldermaston organisierten. An den Ostertagen im April 1960 demonstrierten dann am Truppenübungsplatz im niedersächsischen Bergen-Hohne mehr als tausend Pazifisten gegen Atomwaffen - der erste Ostermarsch für Frieden und Abrüstung in Deutschland.

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Die Bewegung wuchs rasch: 1961 waren es bundesweit vier und 1964 bereits 20 Ostermärsche. Nach einer längeren Pause in den 70er Jahren erhielt die Ostermarschbewegung zu Beginn der 80er Jahre mit den Protesten gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenwaffen neuen Auftrieb. Damals kamen Hunderttausende zu den Kundgebungen. Danach wurden die Ostermärsche zwar kleiner, sie erlebten aber etwa während der Kriege etwa im ehemaligen Jugoslawien und am Golf zwischenzeitlich stärkeren Zulauf und sind bis heute identitätsstiftend für die Friedensbewegung.

Erster Ostermarsch gegen Atomwaffen

In den Jahren vor der Corona-Pandemie beteiligten sich regelmäßig mehrere tausend Menschen an den Osteraktionen, die von Mahnwachen, Demonstrationen und Blockadeaktionen über Fahrradtouren und Wanderungen bis zu Friedensgebeten und Friedensfesten reichen. Im Jahr 2020 waren die Kundgebungen pandemiebedingt nur online möglich. Im vergangenen Jahr gab es dann wieder rund hundert öffentliche Ostermarsch-Aktionen.

Thematischer Ausgangspunkt der ersten Ostermarschierer war die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt. Hauptthemen sind weiterhin Kriege und Konflikte sowie Waffenexporte, Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Risiken der Atomkraft.

Immer wieder wurden aber auch neue Themen aufgegriffen, zuletzt etwa die Klimaschutzbewegung.

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RND/dpa/epd

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