Verdacht des illegalen Tierhandels

Prozess wegen Affendiebstahls und Tierquälerei beginnt

Ein extrem seltenes Goldkopflöwenäffchen mit seinem Jungen im Zoologischen Garten in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen).

Ein extrem seltenes Goldkopflöwenäffchen mit seinem Jungen im Zoologischen Garten in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen).

Duisburg/Krefeld. Fast sieben Jahre nach dem Diebstahl von drei extrem seltenen Goldenen Löwenäffchen aus dem Krefelder Zoo beginnt an diesem Donnerstag (7. April) der Prozess gegen den mutmaßlichen Dieb und seinen Komplizen und Hauptangeklagten. Das Verfahren am Duisburger Amtsgericht wirft ein Schlaglicht auf eine europaweit tätige Szene krimineller Schwarzmarkt-Tierhändler, die gerade mit vom Aussterben bedrohten Kleintierarten viel Geld verdienen.

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Die drei gestohlenen Äffchen – ein Paar und ihr weiblicher Nachwuchs – sind seit dem Diebstahl in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 2015 verschwunden. Allein den Wert des Paares schätzt Zoosprecherin Petra Schwinn auf 25.000 bis 30.000 Euro. Von den ausgewachsen etwa 35 Zentimeter großen und 500 Gramm schweren Kleinäffchen, die in freier Wildbahn nur im südöstlichen brasilianischen Regenwald vorkommen, gibt es weltweit nur noch rund 1000.

Die Anklage lautet auf Diebstahl und Tierquälerei. Insgesamt seien bis zu fünf Jahren Haft möglich, sagte der Duisburger Amtsrichter Rolf Rausch. Das würde eine Bewährungsstrafe ausschließen.

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Der heute 39 Jahre alte Verdächtige soll 2015 laut Ermittlern in der Nacht eine Tür aufgebrochen und die drei Äffchen aus ihrer Sommeranlage gestohlen haben. Die Tiere sind mit Transpondern zur Identifizierung gekennzeichnet, die in den Schultermuskel gespritzt werden. Solche Chips habe der heute 69-jährige Hauptangeklagte mehreren Äffchen ohne ausreichende Betäubung herausoperiert und die Wunden dann auch noch unfachmännisch versorgt, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Hauptangeklagter soll mehrere Tiere illegal gehalten haben

Die weltweit geringen Bestände von bedrohten Arten wie den Löwenaffen würden mit Nachzuchten aus Zoos aufgefüllt, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der zoologischen Gärten (VdZ), Volker Homes. Er glaubt:

Das sind in der Regel Auftragsdiebstähle mit hoher krimineller Energie.

Volker Homes,

Geschäftsführer des Verbandes der zoologischen Gärten (VdZ)

Laut Anklage soll der 69-Jährige nicht nur in den Diebstahl der drei Äffchen verwickelt sein – er soll noch weitere Tiere illegal gehalten und dabei so schlecht gepflegt haben, dass mehrere von ihnen eingingen, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Legal kaufen und verkaufen kann man solche äußerst seltenen und geschützten Tiere in der EU in der Regel nicht – in Ausnahmefällen stellen Naturschutzbehörden sogenannte Vermarktungsbescheinigungen aus. Solche Vermarktungsbescheinigungen soll der Hauptangeklagte bei einer Behörde in Oberhausen mit falschen Angaben für vier Äffchen beantragt und tatsächlich bekommen haben. Das wirft ihm die Anklage zusätzlich vor.

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Zoodirektor ermittelte selbst

Auf die Spur der Verdächtigen kamen die Ermittler nicht zuletzt durch die intensiven Nachforschungen des Krefelder Zoodirektors Wolfgang Dreßen selbst. „Ich habe mich 2015/16 intensiv mit privaten Haltern in Verbindung gesetzt, die ich als Zoomensch vormals gar nicht kannte, und bin zig Hinweisen aus der ‚Szene‘ nachgegangen“, berichtete er der dpa.

Eine lange Mail eines mutmaßlichen Szenemitglieds an ihn habe den Durchbruch gebracht. Mit den Informationen sei der Fall „Puzzleteil für Puzzleteil“ durch intensive Zusammenarbeit mit Zoll und dem Bundesamt für Naturschutz aufgeklärt worden. Auch bei einer Razzia in der illegalen Szene habe der Zoodirektor mitgemacht, um seinen Sachverstand beizusteuern, berichtete Zoosprecherin Schwinn.

Ob „seine“ drei Löwenäffchen noch leben, weiß Dreßen dabei bis heute nicht. „Ich gehe davon aus, dass die Tiere sofort weiterverkauft wurden“, sagt er. Dann könnten alle drei Tiere oder zumindest das Nachwuchsweibchen noch leben, denn Löwenäffchen werden 15 bis 18 Jahre alt.

Dabei kratze der Fall nur an der Oberfläche, sagte Dreßen. Geklaut würden in Zoos und anderswo nicht nur Affen, sondern zahlreiche kleinere Tiere, die sich nicht wehrten und leicht abzutransportieren seien: „Der illegale Tierhandel mit exotischen Vögeln, Reptilien und Amphibien blüht weiter – die Märkte und Gewinnspannen sind riesig, und die Dreistigkeit der Dealer ist es ebenso“, sagt der Zoodirektor.

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RND/dpa

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