Von „Mein Kampf“ bis „Compact“

Rechtsextreme Produkte im Onlineshop: Kaufland gelobt Besserung – und will Erlöse spenden

Die Supermarktkette Kaufland steht wegen fragwürdiger Produkte im Onlineshop in der Kritik.

Die Supermarktkette Kaufland steht wegen fragwürdiger Produkte im Onlineshop in der Kritik.

Neckarsulm. Die Supermarktkette Kaufland will ihren Onlineshop künftig genauer unter die Lupe nehmen. In einer Stellungnahme gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärte das Unternehmen, man wolle die eigenen Kontrollmechanismen aktualisieren und das Sortiment auf den Prüfstand stellen. Darüber hinaus plane das Unternehmen, aus dem Verkauf einer rechtsextremen Zeitschrift entstandene Erlöse zu spenden.

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Kaufland war in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, weil im Onlineshop des Unternehmens, dem sogenannten „Markplatz“, zahlreiche Produkte für ein rechtsextremes Publikum verkauft worden waren. Dazu zählten mitunter Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“, Schriften des britischen Holocaustleugners David Irving, Bücher des NPD-Politikers Rolf Kosiek sowie zahlreiche Titel rechtsextremer Verlage. Nach Kritik aus den sozialen Netzwerken nahm die Supermarktkette die Produkte aus dem Sortiment.

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Im Online-Marktplatz des Unternehmens sind laut Unternehmensangaben 40 Millionen Produkte von rund 8000 Händlern zu finden. Die fragwürdigen Bücher werden also nicht vom Unternehmen selbst dort bereitgestellt, sondern von freien Händlern, die die Plattform als Vertriebsweg nutzen. Kontrolliert werden diese aber offenbar nur unzureichend. Wie genau die fragwürdigen Bücher in den Verkauf gelangen konnten, wollte das Unternehmen auf Anfrage zunächst nicht mitteilen.

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Unternehmen entschuldigt sich

Nun wird Kaufland konkreter und entschuldigt sich. „Demokratiefeindlichkeit und Extremismus müssen wir an der Wurzel jederzeit entschlossen entgegentreten. Das haben wir nicht geschafft. Das tut uns leid und wir werden es besser machen“, heißt es in der Stellungnahme. Man werde daher die „vielfältigen Kontrollmechanismen“ für den Marktplatz fortlaufend aktualisieren. „Die vergangenen Tage haben wir genutzt, um unser Sortiment auf Basis der vielen Hinweise nochmals zu überprüfen. Dieser Prozess dauert auch jetzt noch an, damit die Veränderungen nachhaltig sind.“

Zudem wolle man einen „klar definierten moralischen Kompass“ in die Händlergrundsätze aufnehmen. „Extremistisches Propagandamaterial und Produkte mit Kennzeichen verbotener und verfassungswidriger Organisationen, gewaltverherrlichendes, volksverhetzendes und diskriminierendes Material sind auf unserer Plattform verboten. Das Marktplatz-Team wird alle Hinweise darauf konsequent prüfen und erforderliche Maßnahmen ergreifen.“

Erlöse sollen gespendet werden

Ein Produkt, das jedoch weiter im Sortiment des Unternehmens bleiben soll, ist das rechte „Compact“-Magazin. Die Zeitschrift war im vergangenen Jahr vom Bundesverfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ eingestuft worden – im Zeitschriftenregal von Kaufland jedoch wird sie weiterhin verkauft. Das dürfte sich auch in Zukunft nicht ändern.

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Kaufland beruft sich dabei auf die Regeln des Pressegrossos. Kioske und Supermärkte kaufen Zeitschriftentitel nicht direkt bei den Verlagen ein, sondern werden von Großhändlern beliefert. Diese sind zur Abnahme von Presseerzeugnissen vom Verlag und zur Belieferung des Einzelhandels verpflichtet – und auch der Einzelhandel kann nicht frei entscheiden, welche Magazine er verkaufen will und welche nicht. Dies dient dem Schutz der Pressefreiheit.

Kaufland will dem Problem nun anderweitig entgegenwirken: „Doch wir möchten ein Zeichen setzen“, heißt es in der Stellungnahme. „Aus diesem Grund werden wir die Einnahmen aus den Compact-Verkäufen künftig an eine gemeinnützige Organisation in Deutschland spenden. Wir befinden uns hierzu bereits in Gesprächen.“

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