Deutscher Wetterdienst warnt

Extreme Unwetter mit Hagel und Starkregen über Deutschland – Ausnahmezustand in Berlin

Fußgänger laufen bei starkem Regen durch Berlin.

Fußgänger laufen bei starkem Regen durch Berlin.

Berlin. Über Teile Deutschlands sind Unwetter mit Hagel und Starkregen hinweggezogen. Für mehrere Regionen warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Freitagnachmittag vor extremen Unwettern – es galt die Warnstufe vier von vier. „Im Osten und in der Mitte schwere Gewitter mit extrem heftigem Starkregen und Hagel (Unwetter)“, hieß es. Bis auf den Westen Deutschlands erwartete der DWD starke Gewitter und Unwetter. Im Nordosten, Osten und Süden sei mit schweren Gewittern zu rechnen.

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Zwar dürften sich viele Menschen nach der langen Trockenheit über den Regen gefreut haben. Doch manchem hat er auch das Freitagabend-Programm verhagelt. Das Staatsballett Berlin musste beispielsweise wegen des Unwetters eine geplante Schiffstour auf der Spree verschieben. Und die Punkband Die Ärzte sagte ein Konzert auf dem Tempelhofer Feld in Berlin kurzfristig ab. „Achtung: Aufgrund eines aufziehenden Unwetters sind wir gezwungen, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen zu beenden“, teilten die Veranstalter am Freitagnachmittag mit. Am Wochenende sind zwei weitere Konzerte geplant. „Die Veranstaltungen am Samstag und Sonntag finden nach aktuellem Stand wie geplant statt.“

Später sagte auch Rapper Marteria sein für Freitagabend geplantes Konzert in der Berliner Waldbühne ab. Ein Ersatztermin dafür ist bereits gefunden: Am 4. September soll der Auftritt nachgeholt werden, teilte der Veranstalter am Abend auf Twitter mit.

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Aufgrund eines aufziehenden Unwetters wurde das Konzert von den Ärzten auf dem Tempelhofer Feld abgesagt.

Aufgrund eines aufziehenden Unwetters wurde das Konzert von den Ärzten auf dem Tempelhofer Feld abgesagt.

Am Hauptstadtflughafen BER wurden die Arbeiten auf dem Vorfeld zur Sicherheit für die Beschäftigten vorübergehend unterbrochen. Für rund zwei Stunden lief die Abfertigung wegen eines Unwetters eingeschränkt, sagte ein Flughafensprecher am Freitagnachmittag. Danach wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Mit weiteren Verzögerungen im Flugverkehr aufgrund der gestörten Abläufe sei aber zu rechnen, hieß es.

Ausnahmezustand in Berlin

Wegen einer starken Gewitterfront haben auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender ihr Bürgerfest am Freitagabend sicherheitshalber abgebrochen. „Der Deutsche Wetterdienst hat angekündigt, dass es über Berlin kreisende Gewitter gibt“, sagte Steinmeier seinen rund 1500 Gästen im Park von Schloss Bellevue. Wegen der nicht zu vermeidenden Gefahren, die im Laufe des Abends bei weiteren durchziehenden Gewittern noch kommen könnten, hätten seine Frau und er sich zu dieser „bitteren Nachricht“ entschlossen.

Ein Feuerwehrsprecher sagte am späten Freitagnachmittag auf Anfrage: „Wir haben rund 100 kleinere Einsätze etwa wegen vollgelaufener Keller.“ Allerdings sei bereits der Ausnahmezustand Wetter ausgerufen worden, um im Ernstfall ausreichend Kräfte mobilisieren zu können. Fast ein Dutzend freiwillige Feuerwehren insbesondere im Südosten Berlins stünden bereit, um bei größeren Lagen auszuhelfen.

Unwetter ziehen über Deutschland

Schwere Gewitter, Hagel, Regen: Am Freitag sind über Teile Deutschlands Unwetter hinweggezogen. Aus Sicherheitsgründen wurden mehrere Veranstaltungen abgesagt.

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Überflutungen im Norden und Nordwesten

Durch starken Regen liefen in Pinneberg in Schleswig-Holstein am Freitagvormittag zahlreiche Straßen, Keller und Tiefgaragen voller Wasser. Ab etwa 11.00 Uhr löste die Feuerwehr Pinneberg Vollalarm aus, um die vielen Einsätze bei dem Unwetter zu bewältigen, wie ein Feuerwehr-Sprecher mitteilte. Auch Feuerwehren aus umliegenden Gemeinden mussten den Angaben zufolge bei den mehr als 120 betroffenen Kellern und Straßenzügen zu Hilfe kommen.

Auch im niedersächsischen Wolfsburg hatten Einsatzkräfte am Abend mit überfluteten Straßen und Kellern zu kämpfen. Ein heftiger Starkregen habe am Freitagabend einzelne Stadtteile überflutet, berichtet die „Wolfsburger Allgemeine“. Auch in Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover wurden am Abend starke Regenfälle gemeldet.

Regen überschwemmt viele Straßen und Keller in Nordbayern

In Mittelfranken und in der Oberfalz in Bayern sind nach schweren Gewittern und starken Regenfällen mehrere Straßen und Keller unter Wasser gestanden. Die Integrierte Leitstelle Schwabach teilte am Freitagabend mit, in Eckermühlen und Hilpoltstein im Landkreis Roth habe es 65 Einsätze wegen übergelaufener Rückhaltebecken, vollgelaufener Keller und überfluteter Straßen gegeben. Feuerwehren und Technisches Hilfswerk seien mit Sandsäcken im Einsatz.

Auch für die Landkreise Schwandorf, Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg berichtete die zuständige Leitstelle am Freitagnachmittag von 60 bis 80 kleineren Einsätzen, meist vollgelaufenen Kellern. In Nürnberg ging am Nachmittag Hagel nieder. Die Integrierte Leitstelle Bamberg-Forchheim meldete drei bis vier Einsätze wegen vollgelaufener Keller. „Es war völlig unspektakulär bei uns“, sagte ein Mitarbeiter. Das Polizeipräsidium Unterfranken meldete keine besonderen Vorkommnisse.

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Überschwemmte Straßen nach Unwetter in Rhein-Neckar-Region

Im Ortenaukreis in Zell am Harmersbach gab es nach Auskunft der regionalen Leitstelle einen Mini-Erdrutsch, dort sackte ein Hang auf eine Straße ab. Außerdem liefen dort Keller voll und Straßenzüge wurden überflutet, wie ein Sprecher der Leitstelle in Offenburg sagte. „Inzwischen sind aber alle Einsätze abgearbeitet“, meinte er am Abend. Wegen Wassermassen und Geröll auf der Fahrbahn musste auch die Autobahn 8 bei Pforzheim gesperrt werden. Menschen oder Fahrzeuge seien aber nicht zu Schaden gekommen, die Sperrung sei nur kurze Zeit notwendig gewesen, sagte eine Sprecherin der Autobahnpolizei in Pforzheim.

Auch weiter nördlich in der Rhein-Neckar-Region füllten sich nach Unwettern mehrere Keller mit Wasser und Straßen wurden überschwemmt. Ein Sprecher der Integrierten Leitstelle für Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis in Ladenburg sprach am Abend von rund 50 Einsätzen für die Rettungskräfte. Schwerpunkte seien die Gemeinden Nußloch, Wiesloch und Sandhausen im Rhein-Neckar-Kreis. Kräfte von Feuerwehren aus umliegenden, weniger betroffenen Gemeinden würden nun zusammengezogen, um dem Geschehen Herr zu werden.

Gewitter sorgen am Freitag für Überflutungen in Wiesloch, die sogar der Einsatz der Rettungskräfte behindern.

Gewitter sorgen am Freitag für Überflutungen in Wiesloch, die sogar der Einsatz der Rettungskräfte behindern.

Überschwemmte Straßen beeinträchtigten zeitweise auch die Arbeit der Rettungskräfte. Verletzte seien in Folge des Unwetters bislang aber nicht gemeldet worden, sagte der Leitstellen-Sprecher.

Schlammlawine in Thüringen

Nach einem Gewitter mit sintflutartigen Niederschlägen ist am Freitagabend in Jützenbach im Norden Thüringens eine Schlammlawine durch den Ort geflossen. Das berichtet am Freitag „Göttinger und Eichsfelder Tageblatt“ unter Berufung auf die örtliche Feuerwehr. Die ausgedörrten Böden der Äcker und Felder hätten die Wassermassen nicht aufnehmen können.

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Gewitter erreichen auch Sachsen

Eine Gewitterfront erreichte am Freitag auch den Freistaat Sachsen. Örtlich fiel unwetterartiger Regen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Leipzig mitteilte. Die Polizei registrierte bis zum Nachmittag allerdings nur vereinzelte Schäden. Sie berichtete zunächst nur von vereinzelten Einsätzen. Örtlich seien Straßen überspült worden, teilten die Lagezentren auf Anfrage mit. In Döben, einem Ortsteil von Grimma im Landkreis Leipzig, stürzte ein Baum auf eine Stromleitung. Von Verletzten war zunächst nichts bekannt.

Der Dorfbach in Oberlungwitz in Sachsen ist nach Starkregen über die Ufer getreten und hat eine Straße geflutet.

Der Dorfbach in Oberlungwitz in Sachsen ist nach Starkregen über die Ufer getreten und hat eine Straße geflutet.

Wie eine Meteorologin sagte, waren die Gewitterzellen räumlich sehr eng begrenzt. Zudem zögen sie nur langsam voran, so dass es zu kräftigem Regen komme könne. Zum Beispiel seien am Nachmittag in Pulsnitz binnen einer Stunde 34 Liter auf den Quadratmeter gefallen. Das bewege sich im Unwetterbereich.

Westen blieb von Gewittern verschont

Während es in Teilen Deutschlands stark regnete, blieb vor allem der Westen verschont. „Der landesweit flächendeckende Landregen bleibt jedoch aus! Ganz im Gegenteil sogar, während es am einen Ort wie aus Eimern schüttet, bleibt es im Ort nebenan teils komplett trocken“, sagte DWD-Meteorologe Marcel Schmid. Auch am Samstag drohe im Süden und Osten erhöhtes Unwetterpotenzial. Dann können lokal um die 50 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit fallen. „Dies entspricht teilweise einer halben Monatssumme oder mehr, als bisher im gesamten August gefallen ist“, sagte Schmid. Im Westen und Nordwesten komme die Sonne immer wieder zum Zuge. Laut den Prognosen werden aber nirgendwo mehr 30 Grad erreicht.

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Für Sonntag werden für den Süden erneut einzelne Schauer und Gewitter, teils auch mit Starkregen, vorausgesagt. Im Nordosten kann es anfangs noch schauerartiger Regen geben. Ansonsten zeigt sich der Himmel aufgelockert bewölkt, vor allem im Südwesten bleibt es laut DWD auch länger sonnig und trocken. Die Höchstwerte liegen bei 20 bis 28 Grad.

RND/dpa

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