So hat Dianas Tod die Royal Family beeinflusst

Prinz Charles und Lady Diana im Jahr 1985.

Prinz Charles und Lady Diana im Jahr 1985.

London. Wo waren Sie, als Sie vom Tod Dianas erfahren haben? Kaum jemand hat den Moment vergessen, als er oder sie die Nachricht vom tragischen Unfall in Paris erhalten hat. Das ist bemerkenswert vor allem deshalb, weil Diana weder eine offizielle Funktion innehatte noch für politische Umwälzungen verantwortlich zeichnete und nicht einmal mehr zur royalen Familie zählte, nachdem die Scheidung von Prinz Charles vollstreckt war.

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Trotzdem entstand ein beispielloser Kult um jene Frau, die zu Lebzeiten als Ikone gefeiert und nach ihrem Tod als „Königin der Herzen“ glorifiziert wurde. Die vom britischen Königshaus verstoßene Prinzessin diente als ideale Identifikationsfigur, die einerseits als glamouröse Vertreterin des Adels und nahbare Wohltäterin angehimmelt wurde und andererseits als Ehefrau und Mutter die Freuden, aber auch das Leid – etwa betrogen worden zu sein – mit Millionen Menschen teilte.

Indem sie sich gegen das auf Traditionen und Zurückhaltung bedachte Königshaus auflehnte, entzauberte sie in gewisser Hinsicht die royale Familie. Ihr Tod brachte dann sogar die jahrhundertealte Monarchie ins Wanken. Und sorgte paradoxerweise gleichzeitig dafür, dass die Windsors heute so beliebt dastehen wie selten zuvor. Denn hinter den Palastmauern haben sie aus den Fehlern dieser schicksalhaften Woche gelernt, als das Volk in Trauer versank und Königin Elizabeth II., als unnahbar, steif und arrogant beschimpft, die Stimmung völlig falsch interpretierte und damit ihre Untertanen erzürnte.

Die Royals fahren seitdem eine modernisierte PR-Strategie, die jene von Diana als Vorbild haben könnte. Auf behutsame Weise haben sie den Imageschaden repariert sowie den Glanz und Pomp wieder erstrahlen lassen, der vom britischen Königshaus inszeniert wird wie von keinem anderen der Welt. Die „Firma“ bietet die besten Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen und großen Festivitäten. Schon lange haben sich die Briten mit der Queen versöhnt, die heute als Aushängeschild der Nation fungiert, das über allen Dingen steht und mit stoischer Ruhe, viel Symbolik und Disziplin ihren Dienst am Volk ausübt.

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Die jüngere Generation, insbesondere Prinz William und die modebewusste Kate mit ihren beiden süßen Kindern, liefert zudem perfekt choreografierte Auftritte ab, die manchmal an ein Hochglanzmagazin in Bewegtbildern erinnern und für Glamour sorgen. Es gibt keine Skandale wie zu Rosenkriegszeiten Anfang der 90er Jahre, dafür idyllisches Familienglück.

Charles’ mit Mühe aufgebautes Image ist erst einmal dahin

Dass die beiden Prinzen William und Harry insbesondere in diesem Jahr immer wieder den schweren Palastvorhang beiseite geschoben und Emotionen gezeigt haben, hat der Marke ebenfalls geholfen. Zugänglich und informell soll die junge Generation dargestellt werden. Als Profis wissen alle Royals und ihr Apparat, wie sie die öffentliche Meinung lenken können.

Und so genoss sogar Prinz Charles, der stets von Dianas Schatten verfolgt wurde, bis vor kurzem ungeahnte Popularität. Doch Dianas Geist ist 20 Jahre nach ihrem Tod zurück. Da sind sie wieder, die Geschichten über den Thronfolger als Ehebrecher. Oder die peinlichen Aufnahmen, in denen ihn seine Ex-Frau bloßstellt und blamiert. Seine Umfragewerte sind abgestürzt. Noch vor vier Jahren meinten 60 Prozent der Briten, dass der Prinz von Wales positiv zur Monarchie beiträgt.

Die Briten schienen Frieden mit ihm, seiner bewegten Geschichte und sogar mit seiner zweiten Frau Camilla geschlossen zu haben. Doch heute, im Erinnerungsreigen an Diana, denkt nur noch knapp ein Drittel der Bevölkerung so. Charles’ mit Mühe aufgebautes Image ist erst einmal dahin. Die Hoffnung bei den Windsors dürfte sein, dass nach dem heutigen Tag nicht nur Diana wieder ihre Ruhe findet, sondern auch die royale Familie.

Von Katrin Pribyl

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