Tränen und Trauer bei der Polizei: „Seit 4.22 Uhr gilt für uns eine neue Zeitrechnung“

Blumen liegen und Kerzen stehen am Eingang der Polizei in Kusel (Rheinland-Pfalz).

Blumen liegen und Kerzen stehen am Eingang der Polizei in Kusel (Rheinland-Pfalz).

Kaiserslautern. Es sind bewegende Momente einer außergewöhnlichen Pressekonferenz: Mit stockender Stimme berichtet Polizeipräsident Michael Denne vom Polizeipräsidium Westpfalz am Dienstag von der tiefen Betroffenheit und Fassungslosigkeit, die nach dem Tod ihrer jungen Kollegin und ihres Kollegen herrscht. „Seit 4.22 Uhr gilt für uns eine neue Zeitrechnung. Wir sind schockiert, zutiefst entsetzt und traurig“, sagt Denne.

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Er habe am Morgen eine der betroffenen Familien besucht, die andere Familie werde er auch besuchen. „Man hat dann schon die Tränen in den Augen“, sagt Denne über die Begegnung mit der Mutter eines der Opfer. „Wenn man die Mutter umarmt, sie merken meine innere Bewegtheit, das geht einem sehr nahe.“

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Das gehe nicht nur ihm so, sondern auch den Kolleginnen und Kollegen der 24 Jahre alten Polizeianwärterin und des 29 Jahre alten Oberkommissars, die am frühen Montagmorgen bei einer Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße in der Pfalz erschossen wurden. Mutmaßlich von zwei Männern (32 und 38 Jahre alt), die wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord und Wilderei in Untersuchungshaft sitzen.

„Wenn man so eine Nachricht bekommt, glaubt man das zunächst gar nicht“, so Denne. Sei so etwas in der Westpfalz wirklich möglich? Was passiert sei, „ist etwas völlig Unnormales“, betont der Polizeipräsident. Und fährt mit stockender Stimme fort: „Ich habe eine Tochter im gleichen Alter wie die verstorbene Kollegin.“

Michael Denne, Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Westpfalz.

Michael Denne, Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Westpfalz.

„Er war ein sehr sympathischer, ein sehr offener Kollege“

Den verstorbenen Kollegen habe er zudem persönlich gekannt, berichtet Denne. „Er hat in unserer Pressestelle vor Kurzem ein Praktikum gemacht. Er war ein sehr sympathischer, ein sehr offener Kollege.“ Auch Vize-Polizeipräsident Heiner Schmolzi beschreibt den getöteten 29-Jährigen als „sehr anerkannt, erfahren, achtsam und aktiv“. Er sei seit Jahren beim Polizeipräsidium Westpfalz gewesen, auch als Ausbilder für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen.

Groß ist die Bestürzung auch im privaten Umfeld des aus dem Saarland stammenden Oberkommissars, mit emotionalen Worten verabschiedeten sich Freunde und Mannschafts­kameraden des Fußball­vereins FC Freisen von dem 29-Jährigen. „Der Mensch, mit dem wir kickten, lachten und Freundschaften schlossen, er ist nicht mehr da …“, heißt es in einem am Montagabend veröffentlichten Facebookpost. Er sei „aus dem Leben, aus unserer Mitte, aber nicht aus unseren Herzen und unserem Team gerissen“ worden.

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Über die getötete 24-jährige Kollegin berichtet Schmolzi, sie habe kurz vor dem Abschluss gestanden, „sie hätte im Mai ihren Dienst begonnen. Sie hatte alle Trainings, Schießtrainings, Einsatztrainings, Zugriffstrainings absolviert“, so der Vize-Polizeipräsident. Sie habe auch schon zwei Praktika beim Polizeipräsidium gemacht, war also fast „eine fertige Polizistin, dann kann man das machen“, sagt er über ihren Einsatz. In der Nacht sei es erst ihr zweiter Dienst in Kusel nach der Rückkehr von der Fachhochschule gewesen.

„Das hilft, dass man merkt, dass da so eine große Solidarität ist“

Neben den Ermittlungen in dem Fall ist für die Polizei jetzt auch die persönliche Aufarbeitung des Geschehens ein Schwerpunkt. „Wir sind unterwegs mit Kriseninterventionsteams, haben Sozialbeauftragte. Wir sind in Gesprächen mit unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort“, betont Denne. „Es ist aus meiner Sicht ganz wichtig, dass wir die Themen aufbereiten und mit den Kolleginnen und Kollegen sprechen. Jeder, der bereit ist, mit ihnen zu sprechen, wird ein Gespräch bekommen.“

Unabhängig davon solle den beiden Getöteten gedacht werden: „Es wird ein stilles Gedenken geben. Zunächst für die Familien und die unmittelbar betroffenen Polizeibeamtinnen und -beamten aus der Gegend. Da sind wir im Moment in der Planung“, so Denne. Die Polizei stehe zudem in Gesprächen mit den betroffenen Familien und mit den Lebenspartnern der Getöteten über die Trauerfeier. „Es ist ganz wichtig, unseren Polizeibeamtinnen und -beamten die Gelegenheit zu geben, daran teilnehmen zu können“, sagt Denne.

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Was helfe, sei die große Betroffenheit, die er verspüre und die weit über das Polizeipräsidium Westpfalz hinaus gehe, so der Polizeipräsident. Es habe Beileidsbekundungen aus ganz Europa gegeben: „Das hilft, dass man merkt, dass da so eine große Solidarität ist.“

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