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Vasektomie statt Abtreibung? Nachfrage in den USA wächst

Eine Frau in New York protestiert gegen die amerikanischen Abtreibungsgesetzte. Die Nachfrage nach Vasektomien steigen unterdessen in den USA.

Eine Frau in New York protestiert gegen die amerikanischen Abtreibungsgesetzte. Die Nachfrage nach Vasektomien steigen unterdessen in den USA.

Kansas City. Denny Dalliance hatte sich seit Langem Sorgen gemacht, was passieren würde, sollte er ungewollt ein Kind zeugen. Er hat einen Job als Lkw-Fahrer und ist daher an den meisten Tagen in der Woche unterwegs, entfernt von daheim.

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Nachdem das höchste US-Gericht im Juni das Verfassungsrecht auf Abtreibung abgeschafft hatte, entschloss er sich zum Handeln - und nutzte die Chance, sich einen Termin für eine kostenlose Vasektomie zu besorgen. „Es sind bittere Umstände, unter denen ich meine Entscheidung gefällt habe“, sagte der 31-Jährige aus Independence im US-Staat Missouri diese Woche auf der Fahrt mit einer Ladung Kartons durch Kansas.

Die für November geplante Vasektomie ist Teil eines Programmes, an dem die Organisation für Familienplanung, Planned Parenthood, und Dr. Edgar Guarin, ein Arzt mit einer mobilen Klinik, beteiligt sind. 60 Sterilisierungen zum Nulltarif werden Patienten ohne Krankenversicherung an drei Tagen in der ersten Novemberwoche angeboten. Die Prozedur wird in und außerhalb von Planned-Parenthood-Einrichtungen in den drei Städten St. Louis, Springfield und Joplin (alle in Missouri) durchgeführt.

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Danach will sich Guarin mit seiner Klinik auf Rädern - einem Fahrzeug, das mit großen Abbildungen von Spermen versehen ist - auf die Reise machen, um weitere 40 kostenlose Vasektomien in mehreren Städten in Iowa anzubieten. Dort, in Des Moines, hat er auch seine reguläre feste Praxis, in der er ebenfalls im November Sterilisierungen zum verbilligten Preis durchführen will.

Einmal im Jahr ist Welt-Vasektomie-Tag

Das alles findet im Rahmen des alljährlichen Welt-Vasektomie-Tages statt, ursprünglich ein eintägiges Ereignis, das aber jetzt diverse Aktivitäten über einen längeren Zeitraum hinweg einschließt. „Wir befinden uns in einem sehr besonderen Augenblick, was die reproduktiven Rechte betrifft. Und wir müssen darüber sprechen“, sagt der Arzt und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Vasektomien weitaus seltener durchgeführt würden als weibliche Sterilisierungen. Das, obwohl die Prozedur für Männer billiger sei, nur örtliche Betäubung anstatt einer Vollnarkose erfordere und die Patienten sich rascher davon erholten.

Bei der weiblichen Sterilisierung werden die Eileiter per Bauchschnitt verödet oder abgeklemmt, bei der männlichen die Samenleiter im Bereich des Hodensackes durchtrennt. Guarin, Mitglied des medizinischen Beratergremiums in Sachen Welt-Vasektonomie-Tag in den USA, hat bereits im vergangenen Jahr geholfen, die Prozedur in der Planned-Parenthood-Einrichtung in St. Louis anzubieten. Das sollte stärker ins Bewusstsein rücken, dass diese Methode als wirkungsvolles Verhütungsmittel existiert.

Das war so populär, dass man sich entschloss, das Projekt auch auf andere Städte auszuweiten, schon bevor das Urteil des höchsten US-Gerichts zum Abtreibungsrecht zu einer steil ansteigenden Nachfrage führte. Allein im Juli führte Planned Parenthood im Zuständigkeitsbereich St. Louis und Südwest-Missouri 42 männliche Sterilisierugen durch, während es im Vergleichszeitrum 2021 zehn waren. Die Prozedur bei Frauen wurde im selben Monat 18 Mal angewendet, im Vergleich zu drei im Juli 2021.

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Steigende Nachfrage

Dem American College of Obstetricians and Gynecologists - einer Vereinigung von Geburtshelfern und Gynäkologen - zufolge gibt es ähnliche Berichte über eine steigende Nachfrage aus anderen Teilen des Landes. Auch Urologen verzeichnen einen wachsenden Andrang. Dr. Arnold Bullock in St. Louis, der vor dem Gerichtsurteil monatlich etwa 35 Vasektomien vorgenommen hat, sagt, dass Patienten jetzt zwei bis drei Monate statt zuvor einem auf die Prozedur warten müssten.

In Texas, wo bereits im vergangenen Jahr striktere Abtreibungsregeln in Kraft traten, die nach dem Gerichtsurteil dann noch einmal verschärft wurden, führt das Urologische Institut der Stadt Austin jetzt 50 Prozent mehr solcher Sterilisierungen durch als vordem. Viele der Patienten seien Männer, die keine Kinder wollten und den Zugang zu Abtreibungen im Fall eines Versagens von Verhütungsmitteln als eine andere Option betrachtet hätten, sagt Dr. Koushik Shaw.

Der Staat Kalifornien zieht bereits Konsequenzen aus dem Trend. Ein Gesetz, das 2024 in Kraft treten wird, macht Vasektomien für viele Patienten preisgünstiger. Dalliance, der Lkw-Fahrer, sagt, dass er die Verantwortung für Verhütung nicht mehr länger Partnerinnen aufbürden wolle, insbesondere jetzt, da Abtreibungen schwerer zu erhalten seien. Sein Heimatstaat Missouri zählte zu den ersten, die nach dem Gerichtsurteil ein äußerst striktes Gesetz in Kraft setzten: Es verbietet fast alle Abtreibungen.

„Ich will nicht den Eindruck erwecken, als ob ich unglücklich bin, diesen Schritt (die Vasektomie) zu tun“, sagt er. Aber die Gerichtsentscheidung habe ihn praktisch zum Handeln gezwungen. „Es ist die richtige ethische Entscheidung für mich, aber es ist keine, die man leicht trifft.“

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RND/AP

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