Debatte um Gebetsrufe

Muezzinrufe in Köln: „Sollte eine Selbstverständlichkeit sein“

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ist am 14. Februar in Göttingen zu Gast.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (Archivbild).

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, begrüßt es, dass heute erstmals aus einer Kölner Moschee Muezzinrufe über Lautsprecher nach draußen getragen werden. „Der Gebetsruf, fester Bestandteil des muslimischen Gebets und in einigen Städten Deutschlands längst Alltag, ist im Rahmen unserer Religionsfreiheit und durch das Grundgesetz gedeckt und sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein“, sagt Mazyek dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Die Stadt Köln hatte vor einem Jahr ein Modellprojekt initiiert: Moscheegemeinden können seitdem beantragen, ihre Gläubigen zum mittäglichen Freitagsgebet zu rufen. Als erste Moschee erfüllte die Kölner Zentralmoschee alle Auflagen. Sie gehört zur umstrittenen Türkisch-Islamischen Union, kurz Ditib, die als verlängerter politischer Arm der türkischen Regierung gilt. Seitdem ist eine Debatte entbrannt, ob das Modellprojekt nicht vor allem dem türkischen Präsidenten Erdogan hilft.

Die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld bietet 1200 Gläubigen Platz.

Die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld bietet 1200 Gläubigen Platz.

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Diskussion um Bedeutung des Gebetsrufs

Dem widerspricht Mazyek: „Durch manch Politisierung des Gebetsrufes mit unterschiedlichen Vorzeichen – sei es, indem man suggeriert, ein bestimmter Moscheeträger stünde angeblich zur Disposition oder durch fadenscheinige politische Umdeutung des Ruftextes – nimmt am Ende der Religionsfrieden und damit die Freiheit, Religion zu leben oder auch nicht, Schaden.“

Mazyek bezieht sich damit etwa auf den Berliner Islamismusexperten Ahmad Mansour, der gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von einer „Machtdemonstration des politischen Islam“ sprach. Außerdem sagte Mansour: „Beim Glockengeläut geht es um Klang, beim Muezzinruf geht es um konkrete religiöse Botschaften.“ Der Muezzin rufe, dass es keinen anderen Gott als Allah gebe und dass Mohammed sein Gesandter sei.

Nur loses Interesse von Kölner Moscheen

Kritisch sieht Mazyek außerdem die Schallauflagen der Stadt Köln. So darf der Muezzinruf aus der Kölner Moschee etwa eine Lautstärke von 60 Dezibel nicht überschreiten. „Unglücklicherweise befeuern die erst später hinzugefügten Dezibelauflagen der Stadtverwaltung diesen schrägen Diskurs noch. Leben und leben lassen heißt ein allseits und gerade am Rhein bekanntes und gerne praktiziertes Lebensmotto – an dem sollten und können wir uns doch eigentlich orientieren, oder?“

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Gegenüber dem RND teilte die Stadt Köln mit, dass die Richtwerte je nach Moscheestandort unterschiedlich seien – „in einem Gewerbegebiet gelten andere Werte als etwa in einem Misch- oder Wohngebiet“. Mittlerweile hätten rund zehn der etwa 35 Moscheegemeinden in Köln formlos ihr Interesse bekundet, dies bisher aber noch nicht weiterverfolgt. Vorläufig handelt es sich um ein auf zwei Jahre befristetes Pilotprojekt. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) verweist dabei auf die im Grundgesetz verbriefte Freiheit der Religionsausübung. Köln ist nicht die erste deutsche Stadt, die Muezzinrufe erlaubt. Landesweit einheitliche Vorgaben existieren nicht.

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