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Protest gegen Krieg in Europa

Berlin: Hunderttausende demonstrieren gegen Putins Krieg

Menschen halten Fahnen, Schilder und Plakate bei einer Demonstration unter dem Motto "Stoppt den Krieg! Frieden für die Ukraine und ganz Europa" in Berlin.

Berlin. In Berlin sind am Sonntag mehrere Tausend Menschen gegen den Krieg in der Ukraine auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von einer „unteren sechsstelligen Zahl“ an Teilnehmenden. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Kirchen, Initiativen, Umweltschutzorganisationen und Friedensgruppen wollte gegen den Angriff Russlands demonstrieren.

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Die Veranstalter hatten auf 20.000 Teilnehmer auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor unter dem Motto: „Stoppt den Krieg. Frieden für die Ukraine und ganz Europa“ gehofft. Es kamen jedoch deutlich mehr - die Polizei ging am Nachmittag von einer Zahl im „unteren sechsstelligen“ Bereich. Einige Medien gingen von rund 500.000 Teilnehmern aus.

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„Oma und Opa sind in Russland“

„Ich möchte keinen Krieg, Oma und Opa sind in Russland, jetzt kann ich sie nicht mehr besuchen“, sagt Dunja. Die fünfjährige Berliner Halb-Russin hat ein buntes Schild mit einer großen gelben Sonne, bunten Blumen und einem Friedensengel gemalt, das sie bei der Anti-Kriegs-Demonstration vor sich her trägt. „Wenn meine Freunde in Russland demonstrieren, werden sie zur Polizei gebracht“, sagt Dunjas Mutter Katja. Mittlerweile sei es dort verboten, sich auf Facebook und Instagram gegen den Krieg zu äußern.

Der Tiergarten zwischen Brandenburger Tor und Großem Stern quillt vor Menschen aller Generationen über. Besorgte Gesichter, entschlossene, zornige und erschütterte Mienen: Sie alle eint die Empörung auf den russischen Angriff auf das Nachbarland. Mitten in Ansprachen, Musik wie John Lennons „Imagine“ mit seinem Wunsch nach Frieden, Diskussionen und dem Strömen der Menschenmassen ertönt irgendwann aus Lautsprechern der Aufruf, eine Schweigeminute für die Menschen in der Ukraine einzulegen.

Ein nahezu unheimliches Schweigen macht sich breit. Hunderttausende verharren für einen Augenblick in der Stille. Danach geht es weiter. Der Vertreter einer Ärzteorganisation warnt von der Bühne weit entfernt vor der Gefahr eines Angriffs auf ein Kernkraftwerk in der Ukraine, der weitreichende Folgen hätte.

+++ Alle aktuellen News und Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine lesen Sie in unserem Liveblog. +++

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Verdi: „Putin ist nicht Russland“

Verdi-Vorsitzende Frank Werneke, sagte, angesichts der dramatischen Situation sei die Demonstration ein starkes Zeichen der Solidarität. „Auch das ist wichtig: Putin ist nicht Russland“, sagte der Gewerkschaftschef. Respekt und Solidarität gehörten auch den mutigen Aktivistinnen und Aktivisten in Russland, die gegen das Regime demonstrierten. Durch den Überfall Russlands auf die Ukraine sei eine neue Zeitrechnung entstanden. Frieden bleibe das Ziel. Gewerkschaften seien Teil der Friedensbewegung, aber nicht neutral. Oligarchen dürften nicht Millionen verdienen, während in der Ukraine Menschen sterben, sagte Werneke.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die westfälische Präses Annette Kurschus (Bielefeld), verurteilte vor den Tausenden Demonstranten den Überfall auf die Ukraine durch das russische Militär als Verbrechen. Zugleich rief sie dazu auf, nicht in eine Spirale des Hasses zu geraten: „Wir werden der kriegslüsternen Herrscherclique in Russland nicht das Geschenk machen, ihr Volk zu hassen.“ Jetzt komme es darauf an, den Menschen in der Ukraine und in Russland zur Seite zu stehen, sagte die Ratsvorsitzende.

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Demonstranten haben Freunde und Verwandte in der Ukraine

„Wir warnen seit zwanzig Jahren vor dieser Entwicklung“, sagt Danil Y. vor einem Lautsprecherturm. Die Familie des 36-Jährigen ist halb ukrainisch, halb russisch. „Seit drei Tagen ist diese Entwicklung Realität“, sagt er bitter. Er hält ein Plakat mit der Aufschrift „Schröder abschalten jetzt“ in die Höhe. Seine Kiewer Freundin zweifelt, ob die Demonstration etwas bewirken kann. „Aber wir setzen ein Zeichen, wir ermutigen die Russen zu protestieren“, sagt die 34-jährige Daria P. Ohne sie komme es nicht zu Veränderungen. Beide hoffen, „dass die Menschheit jetzt endlich aufgewacht ist“.

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Ein US-amerikanischer Doktorand an der Berliner Charité erzählt, er wolle nach Polen fahren, um ukrainischen Flüchtlingen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu helfen. Ein Paar aus Tibet demonstriert für eine freie Ukraine. Ein 70 Jahre alter Berliner beschreibt die Lage als „alptraumhaft“. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin nennt er einen alten verbitterten Mann, der wegen seines Machtstrebens Menschen in den Tod schicke.

Nicht nur auf der Straße, auch bei den Abgeordneten des Bundestags, die am Sonntag zu einer Sondersitzung in Berlin zusammengerufen wurden, gab es den Wunsch, ein gemeinsames Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine zu setzen. Auf Bitten einiger Parlamentarier luden die beiden großen Kirchen zum Friedensgebet am frühen Sonntagmorgen. Rund 40 Abgeordnete waren gekommen. Versammelt um eine Kerze mit einer Schleife in den Farben der ukrainischen Flagge beteten sie für Frieden, Sicherheit und Schutz für Frauen, Männer und Kinder.

Eine Demonstrantin fragt einen Mann, der einen Kinderwagen vor sich herschiebt: „Erste Demo?“. Der Vater antwortet stolz: „Erste Demo.“ Der russische Angriff auf die Ukraine scheint für viele Eltern eine gute Gelegenheit zu sein, ihren Kindern eine erste Lektion in Demokratie zu erteilen.

Demonstrationen in weiteren Teilen Deutschlands

Auch in Hessen haben Tausende Menschen haben am Wochenende gegen den russischen Angriff auf die Ukraine protestiert. Alleine bei einer Kundgebung in Frankfurt sprach die Polizei von 6000 bis 7000 Teilnehmern. Bei der von den Grünen organisierten Kundgebung unter dem Motto „Solidarität mit der Ukraine - Frieden in Osteuropa“ war man im Vorfeld von 1000 Teilnehmern ausgegangen.

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Mit den blau-gelben Nationalflaggen bekundeten Teilnehmer ihre Solidarität mit der Ukraine. Auch der Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt, Vadym Kostiuk, sprach zu den Demonstranten. Auf Plakaten forderten die Menschen „Stop Putin - Stop War“ (Stoppt Putin - Stoppt den Krieg).

Im Norden demonstrierten ebenfalls mehrere Tausend Menschen. Am Sonntag versammelten sich laut Polizei in Pinneberg rund 450 bis 500 Teilnehmer und in Elmshorn rund 500 bis 600 Teilnehmer zu einer Mahnwache, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Auf Plakaten und Transparenten forderten sie ein Ende des russischen Angriffs auf die ukrainische Bevölkerung. Am Nachmittag demonstrierten rund 1000 Menschen in Flensburg.

Dort startete die FDP Flensburg eine „Liberale Ukraine-Hilfe“. „Uns reicht es nicht, Solidarität zu demonstrieren. Wir wollen mehr tun und den akut bedrohten Menschen in der Ukraine konkret helfen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Sie kündigten an, einen Bus zu chartern, der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine nach Flensburg bringen soll. „Diese Menschen sollen hier eine sichere Bleibe finden, solange der Krieg in der Ukraine andauert“, hieß es weiter.

RND/dpa/epd

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