Gutachten für Kultusminister

Bildungsforscher fordern Informatik als Pflichtfach: Und woher sollen die Lehrer kommen?

Fachleute fordern, Informatik solle zum Pflichtfach werden.

Fachleute fordern, Informatik solle zum Pflichtfach werden.

Berlin. Bildungsforscher und ‑forscherinnen fordern, in ganz Deutschland ein Pflichtfach Informatik einzuführen. Das ist eine der wesentlichen Empfehlungen in einem Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz, die den Auftrag hat, die Schulministerinnen und ‑minister zu beraten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Konkret schlagen die Fachleute Folgendes vor: Schon in der Grundschule sollen Informatikinhalte vermittelt werden, und zwar als Teil des Sachunterrichts. Dabei könnte es zum Beispiel um die Fragen gehen, wie Roboter funktionieren. In der Mittelstufe soll es Informatik dann als Pflichtfach geben. Das Ziel wäre dann, in der Oberstufe mit dem Fach zumindest so viele Schülerinnen und Schüler zu erreichen wie etwa mit dem Chemieunterricht.

Eine Rechnung ohne die Lehrer?

Das ist ein mehr als ehrgeiziges Ziel – bedenkt man, dass Deutschland ohnehin schon massiv unter Lehrkräftemangel leidet, gerade in Mathe und den naturwissenschaftlichen Fächern. Die Kultusministerkonferenz geht schon bislang davon aus, dass im Jahr 2030 quer durch die Fächer und Schulformen rund 14.000 Lehrerinnen und Lehrer fehlen werden. Der Bildungsforscher Klaus Klemm hält diese Prognose für geschönt und rechnet damit, dass zu diesem Zeitpunkt 80.000 Lehrerinnen und Lehrer fehlen werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Karin Prien, Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Karin Prien, Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), verweist anlässlich der Veröffentlichung des Gutachtens darauf, dass die Digitalisierung ein zentraler, aber auch lang andauernder Prozess der Weiterentwicklung des gesamten Bildungssystems sein werde.

Was ist mit den anderen Fächern?

Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, der die Arbeit der SPD-geführten Länder in der Kultusministerkonferenz koordiniert, nennt den Vorschlag für das Schulfach Informatik in der Mittelstufe sinnvoll. „Es ist allerdings ein umfangreiches Unterfangen, bedeutet es doch, dass in anderen Schulfächern Stunden gestrichen werden müssen, um Informatik zu ermöglichen“, ergänzte er. Zudem müssten zusätzliche Lehrkräfte gewonnen werden. Außerdem gelte es, neue Bildungspläne und Unterrichtsmaterial zu entwickeln.

Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) will in den Schulen bei Abstandsregeln bleiben.

Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe

Doch wie könnte das am besten funktionieren? Bei der Entwicklung von neuem Unterrichtsmaterial – egal für welches Fach – drängt der Chef der Pisa-Studie, OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, seit Langem darauf, die Lehrkräfte stärker einzubeziehen. „Lehrer müssen die Innovatoren des Unterrichts sein“, fordert er immer wieder. „Wer wäre besser geeignet als die Lehrer, nicht nur neue Unterrichtskonzepte, sondern auch ganze Lernprogramme zu entwickeln?“ Dabei sei Zusammenarbeit zwischen den Lehrern gefragt, in Präsenz und digital.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vorschläge von der Kita bis zur Hochschule

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission hat allerdings nicht nur Empfehlungen in Sachen Digitalisierung in der Schule vorgelegt. Die Forschenden machen Vorschläge für das gesamte Bildungssystem, von der Kita bis zur Hochschule. In der frühkindlichen Bildung gehe es dabei nicht darum, den Kindern sofort Tablets zum Spielen in die Hand zu drücken. Vielmehr könnten Mädchen und Jungen beispielsweise mit zweifarbigen Holzwürfeln spielerisch die Funktionsweise eines Bildschirms verstehen lernen.

Auch an den Hochschulen sehen die Fachleute Spielraum für Verbesserungen, wenn Dozentinnen und Dozenten bessere technische Unterstützung als bislang erhielten. Und auch Fortbildungen dazu, wie digitale Lehre funktioniert. „Gute digital unterstützte Lehre aktiviert Studierende und kann weit mehr als das, was in den Corona-Semestern praktiziert wurde“, sagt Ulrike Cress, Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien, die führend an dem Gutachten mitgearbeitet hat.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken