Zweiter Platz in Wembley

„Bitch, pass auf!“: enttäuschte Fans in Berlin und Erfolge abseits des Platzes

Berlin: Zahlreiche Menschen verfolgen das EM-Fußballfinale der Frauen.

Berlin: Zahlreiche Menschen verfolgen das EM-Fußballfinale der Frauen.

Berlin. Gespenstische Stille legt sich über das Publikum. Dann geht der Ball rein. Die Berliner jubeln, springen, grölen, liegen sich in den Armen. Es war ein kurzer Moment der Hoffnung in diesem Match am Ende einer sonst großartigen EM für die deutsche Mannschaft. Doch an diesem Abend ist die Euphorie etwas gedämpft.

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Ungläubige Gesichter, ein Raunen geht durch die Menge. „Ey, die spinnen ja wohl“, kommentiert eine Zuschauerin brüllend das Foul der britischen Mittelfeldspielerin Russo in der 100. Minute. Der Biergarten in der Schöneberger Straße in Kreuzberg ist heute ausgebucht. Männer und Frauen jeden Alters tummeln sich auf dem Platz.

Hunderte fieberten bei Zweikämpfen mit, jubelten über ein hoffnungsvolles deutsches Tor und waren am Ende enttäuscht über einen britischen Sieg. Nach einem harten Match siegten die Engländerinnen mit 2:1 über die Deutschen.

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In den letzten Wochen haben sich die deutschen Nationalfußballerinnen eine Fangemeinde geschaffen, die sie für mehr als sportliche Erfolge feiert. Es gab Lob in vielerlei Hinsicht für die Fußballerinnen – sei es ihr sympathisches Auftreten, ihre Bodenständigkeit oder akademische Karrieren neben dem Sportlerinnenleben. Der Tenor: Deutscher Frauenfußball ist mit dieser EM etablierter als je zuvor. Heute Abend gehen die Berliner mit den Fußballprofis hart ins Gericht.

„Bitch, pass auf!“, tönt es aus einer Ecke, als die deutschen Spielerinnen in den letzten Nachspielminuten fast noch ein drittes Gegentor kassieren. Eine Gruppe junger Frauen verfolgt energisch den harten Kampf auf der Leinwand. „Als das deutsche Tor fiel, hatten wir echt ein bisschen Hoffnung, aber die stirbt jetzt gerade leider“, meint eine der jungen Zuschauerinnen.

„Ich fand Fußball schon immer lächerlich“

Trotzdem hätte der Auftritt der Frauen bei der EM viel bewirkt. „Es ist immer noch so, dass man Fußball und Frauenfußball unterscheidet, aber so langsam weicht das auf“, sagt sie. Ein anderer Zuschauer formuliert es so: „Ich fand Fußball schon immer lächerlich – aber dann kann man ruhig auch die Frauen genauso lächerlich behandeln wie die Männer.“

Was er damit meint? „Dass man alles völlig auf die sportliche Leistung reduziert und das als Gesellschaft dermaßen hoch bewertet, auch teilweise mit Auswüchsen von Nationalstolz.“ Nichtsdestotrotz: „In vielen politischen Diskursen fehlt es noch an weiblichen Ikonen, ich glaube, das ändert sich durch die Fußball-EM gerade.“

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Für die ganz große Euphorie haben die vorigen Spiele der Frauen hier jedenfalls nicht gesorgt. „Die Engländerinnen sind schon sehr stark“, meint Rebecca Greschuchna. „Den Deutschen fehlt noch der letzte Funken Teamgeist“, meint die Berlinerin. Heute ist sie in den Biergarten gekommen, sonst war sie immer in der Kneipe zum Public Viewing.

Die Angebote hätten mit dieser EM schon sehr zugenommen. Etabliert sich der Frauenfußball jetzt noch mehr oder ist das nur Hysterie? „Hoffnung eher, es ist der Grundgedanke von vielen, dass es in der Gesellschaft mehr Stellenwert haben sollte.“ Die Frage sei, ob die Menschen bei zukünftigen Frauenfußball-Events sagen: „Ja, ich komme noch mal.“

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