BND dokumentiert Kriegsverbrechen

Butscha: Abgehörte Funk-Gespräche beweisen gezielte Tötung von Zivilisten

06.04.2022, Ukraine, Irpin: Ein Soldat filmt am 06.04.02022 zerstörte Fahrzeuge und Panzer auf einer Straße in Irpin. Vor wenigen Tagen haben ukrainische Truppen wieder die Kontrolle in Hostomel, wie auch in den Nachbarorten Butscha und Irpin übernommen. Nach Angaben des Bundesnachrichtendienst haben russische Soldaten die Ermordung von Zivilisten im Vorort von Kiew über Funk besprochen. Das berichtet am Mittwoch der "Spiegel".

06.04.2022, Ukraine, Irpin: Ein Soldat filmt am 06.04.02022 zerstörte Fahrzeuge und Panzer auf einer Straße in Irpin. Vor wenigen Tagen haben ukrainische Truppen wieder die Kontrolle in Hostomel, wie auch in den Nachbarorten Butscha und Irpin übernommen. Nach Angaben des Bundesnachrichtendienst haben russische Soldaten die Ermordung von Zivilisten im Vorort von Kiew über Funk besprochen. Das berichtet am Mittwoch der "Spiegel".

Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll Funksprüche russischer Soldaten abgefangen haben, in denen die Morde an Zivilisten in Butscha besprochen worden sein. Das berichtet am Donnerstag der „Spiegel“.

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Am Wochenende schockierten die Bilder des Massakers in Butscha die Welt: gefesselte und getötete Zivilisten, Bilder von Hinrichtungen, ein Massenmord an Hunderten Menschen. Einzelne Funksprüche ließen sich nun in Butscha der Ermordung einzelner Personen zuordnen, deren Leichen fotografiert worden waren. Damit bestätigt der Bundesnachrichtendienst die Vorwürfe, russische Streitkräfte würden Kriegsverbrechen in der Ukraine verüben. Moskau dementierte die Vorwürfe zuletzt und sprach von einer Inszenierung der Ukraine. Beweise konnte Russland aber nicht vorlegen.

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Der BND nahm am Mittwoch nicht öffentlich Stellung. Am Mittwoch tagte allerdings ein parlamentarisches Kontrollgremium des Bundestages. Dort sei im Detail über die Funksprüche berichtet worden, so der „Spiegel“. Die Berichte würden zu jenen Orten in Butscha passen, an denen später Dutzende Leichen gefunden wurden.

So soll in einem Funkspruch ein Soldat einem anderen schildern, er und seine Kollegen hätten eine Person von ihrem Fahrrad geschossen. Ein Bild mit der Leiche und ihrem Fahrrad ging am Wochenende um die Welt. Auch die amerikanische Tageszeitung „New York Times“ verifizierte in dieser Woche den Mord an einem Zivilisten durch russische Soldaten. In einer entsprechenden Videoaufnahme des ukrainischen Militärs war zu sehen, wie russische Panzer mehrmals auf einen Mann schossen, der sein Fahrrad eine Straße entlang schob.

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In einem anderen Funkspruch soll ein Mann gesagt haben: Man befrage Soldaten zunächst, dann erschieße man sie. Aus dem abgefangenen Funkmaterial soll darüber hinaus hervorgehen, dass im Krieg in der Ukraine auch gezielt paramilitärische Einheiten eingesetzt waren. Dazu gehörten laut zahlreichen Medienberichten auch russische Söldner der „Wagner-Gruppe“, die bereits bei ihrem Einsatz in Syrien durch besonders grausame Kriegsverbrechen aufgefallen sind.

Die Aufnahmen des BND legten außerdem den Schluss nahe, dass die Morde an Zivilisten Teil des üblichen Handelns der russischen Militärs seien, möglicherweise Teil einer klaren Strategie im Krieg in der Ukraine. Es ginge darum, unter der Zivilbevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten und Widerstand zu ersticken.

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Zuletzt bestätigte auch Regierungssprecher Steffen Hebestreit die Berichte aus der Ukraine. Hebestreit hatte am Mittwoch zu Berichten über Gräueltaten in dem Ort Butscha gesagt, eine Auswertung von nicht kommerziellen Satellitenbildern zeige, dass Opfer mindestens seit dem 10. März auf einer Straße gelegen hätten. „Glaubhafte Hinweise belegen, dass ab dem 7. März bis einschließlich 30. März russische Streit- und Sicherheitskräfte in diesem Gebiet eingesetzt waren. Sie waren auch mit der Befragung von Gefangenen befasst, die anschließend exekutiert worden sind. Das ist sind die Erkenntnisse, die wir haben“, sagte Hebestreit. „Die von russischer Seite getätigten Ausführungen, es handele sich um gestellte Szenen und man sei nicht verantwortlich für die Ermordungen, sind aus unserer Sicht damit nicht haltbar.“

Nach der Aufdeckung der Gräueltaten in Butscha kündigten die Bundesregierung sowie die EU und Nato weitere Sanktionen gegen Russland an. Auch die Aufarbeitung der Morde in Butscha und möglicherweise in anderen Orten in der Ukraine wurde bereits bekannt gegeben.

RND/hyd/dpa

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