Das Mutti-Prinzip ist nichts für Jamaika

Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zu den Sondierungsgesprächen zwischen CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zu den Sondierungsgesprächen zwischen CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen.

Berlin. Natürlich ist es zu verschmerzen, dass nicht schon heute ein erfolgreiches Ende der Sondierung für das neue Bündnis gefeiert werden kann. Vier Wochen Streit und Stress sind angesichts zu erwartender vier Jahre Regierungsallzeit ein Klacks. Das Problem der Jamaikaner aus der Parlamentarischen Gesellschaft ist: Wer so miserabel gestartet ist, dem wächst kaum noch Vertrauen zu.

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Die Haltbarkeit einer möglichen Regierung, die weder Überschrift noch Ziel und schon gar keine Partnerschaft kennt, ist überschaubar. Schon bald werden sich manche nach der unguten weil lähmenden Großen Koalition zurücksehnen. Und das soll eine Regierung für das Moderne, für das Neue, für die Zukunft werden? Darauf kann sich allenfalls die Heute Show freuen.

Von Reggae-Stimmung kann keine Rede mehr sein

Enttarnt als Kanzlerin ohne Land ist mittlerweile aber auch Angela Merkel, die man in ihren besten Tagen „Mutti“ nannte. Ihr bisheriges Überfallkonzept ging nicht auf: alles auf eine Verhandlungsnacht konzentrieren und dann wie von Geisterhand und auf Geheiß der einen Denkerin und Lenkerin alle Konflikte lösen. So hat sie in der Vergangenheit die Politik entpolitisiert, ihre Koalitionspartner entkernt und die nationale und internationale Politik dominiert. Es wurde vertagt, weggelächelt und verschoben. Das haben jetzt die Jamaika-Partner nicht mehr mitgemacht. Wenigstens das ist ein kleiner Erfolg für die Gesellschaft.

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Im berühmten Jamaica Farewell-Song von Harry Belafonte wird von der Liebe in die eine und vom Abschied gesungen: I had to leave a little girl in Kingston town. Es wird Zeit für die Politstrategen von CDU, CSU, FDP und Grünen, in das Belafonte-Lied einzustimmen. Wenn in Zukunft regiert wird, dann nicht mehr nach Merkels Spielregeln, nicht mehr nach der Methode: Ach lasst mal, ich mach das schon. Die Raute als Friedens- und Verständigungssymbol hat ausgedient. Egal, was aus den 130 noch offenen Jamaika-Fragen wird und wie die alles andere als souveränen Chefs Seehofer, Lindner, Özdemir und Göring-Eckardt die Sache auch bewerten mögen.

Neben all der Blamage, politisch blank dazustehen nach vertrödelten vier Wochen Sondierung, ist Jamaika aber bereits so muffig geworden, dass man es eigentlich gar nicht mehr beginnen sollte – zumindest nicht mit dem vorhandenen Führungspersonal. Natürlich wird es trotzdem dazu kommen, nach einem krampfartigen Tagungswochenende. Keiner möchte den Wähler demnächst nötigen, noch mehr Frust über die Etablierten bei der AfD abzuladen. Und die Schulz-SPD ist bis auf Weiteres ein Pflegefall. Aber von Reggae-Stimmung kann keine Rede mehr sein.

Von Dieter Wonka / RND

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