Die Corona-Protokolle: Hier erzählen Menschen ihre ganz persönlichen Pandemie-Geschichten

DRK-Helfer Carsten Di Palma, Kinderärztin Margarete Daiber-Helmbold, Pastor Jens M. Wening und Busfahrer Martin Krusch.

DRK-Helfer Carsten Di Palma, Kinderärztin Margarete Daiber-Helmbold, Pastor Jens M. Wening und Busfahrer Martin Krusch.

Im RND-Podcast “Corona und wir” berichten Menschen von ihrem neuen Alltag mit der Pandemie – vom Apotheker bis zur Psychologin, vom Polizisten bis zum Kulturveranstalter. Was sie alle eint: Fast nichts ist mehr so, wie es mal war. Hier sind ihre ganz persönlichen Geschichten.

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<b>“Und plötzlich hielt ich die letzte Flasche Paracetamol-Saft in der Hand”</b>

Tobias Münkner, Apotheker

“Es ist das Netzwerk vor Ort, das die Menschen trägt, nicht die globalisierte Welt”: Apotheker Tobias Münkner mit seiner Kollegin, der Pharmazeutisch-Technischen Assistentin Güla Savucu.

“Es ist das Netzwerk vor Ort, das die Menschen trägt, nicht die globalisierte Welt”: Apotheker Tobias Münkner mit seiner Kollegin, der Pharmazeutisch-Technischen Assistentin Güla Savucu.

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Der Tag, an dem Tobias Münkner endgültig bewusst wurde, dass etwas Großes im Gange ist, war ein Montag Mitte März. Münkner ist Apotheker in einem kleinen Ort in Niedersachsen, er hatte Notdienst an diesem Abend. Ein Kunde verlangte nach Paracetamol-Saft. Münkner ging zum Regal, es ist das Brot-und-Butter-Geschäft eines Apothekers. Aber: ”Plötzlich hielt ich die letzte Flasche Paracetamol-Saft in der Hand.” Das war’s. ”Es gab keinen Paracetamol-Saft mehr zu kaufen.” Warum? Weil Kunden auch Medizin hamstern in diesen Tagen. Und weil der Saft in Indien hergestellt wird. Und weil die Inder ihre Rohstoffe aus China beziehen. Und weil in China Corona wütete. Die empfindliche globale Lieferkette hakte. ”Und dann bricht alles zusammen, das ist eine Katastrophe”, sagt Münkner. Es ist eines von vielen lange schwelenden Problemen, die die Corona-Krise quasi nebenbei offenbart: Die Pharmaindustrie hängt am Tropf weniger globaler Lieferanten. ”Teilweise sind lebensnotwendige Medikamente einfach nicht lieferbar”, sagt Münkners Kollegin Güla Savucu.

Es sind irreale Zeiten.

Tobias Münkner,

Apotheker

Noch ein Mangelartikel: Desinfektionsmittel. Münkner dürfte es selbst herstellen. Aber: ”Wir kriegen weder die Flaschen noch die Zutaten. Selbst für uns, die das brauchen, um arbeiten zu können, ist es knapp.” Früher konnten Apotheker viele Medikamente selbst herstellen, sagt er. ”Vielleicht sollten wir dahin zurückkehren dürfen.” Und Medikamente sind nicht das Einzige, das fehlt: ”Ich begrüße die Menschen gern, ich nehme sie in den Arm – das geht jetzt nicht.” Es seien ”irreale Zeiten”, sagt er. Was ihm Mut macht: ”Es ist das Netzwerk vor Ort, das die Menschen trägt, nicht die globalisierte Welt. Und diese Gemeinschaft funktioniert.”

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<b>“Ein Tsunami wäre besser für uns gewesen”</b>

Henning Chadde, Poetry-Slam-Veranstalter

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“Ein Tsunami wäre besser für uns gewesen”: Poetry-Slam-Veranstalter Henning Chadde

“Ein Tsunami wäre besser für uns gewesen”: Poetry-Slam-Veranstalter Henning Chadde

Henning Chadde ist Kulturveranstalter und eine feste Größe in der deutschen Poetry-Slam-Szene. Die Säle sind leer, alle Shows gestrichen. Wie ist die Lage? ”Sehr bescheiden”, sagt er. 23 größere Veranstaltungen bis Mitte Mai musste allein er absagen, darunter Deutschlands größten Poetry-Slam mit 1200 Zuschauern, sein ”literarisches Bullenreiten”. Bundesweit sind insgesamt Hunderttausende Veranstaltungen gestrichen. ”Die meisten sind finanziell ein Totalausfall.” Und Versicherungen greifen nicht, denn ein Virus ist ”höhere Gewalt”. Pech gehabt. ”Wenn es ein Tsunami gewesen wäre, der das Theaterdach weggeblasen hätte – das wäre besser für uns gewesen”, sagt Chadde. ”Es sei denn, wir hätten gerade drin gesessen.” Er lacht. Trotz allem.

Die jungen Künstler sind extrem gut digital vernetzt.

Henning Chadde,

Kulturveranstalter

Das erste Wochenende der Geschichte ohne Livekultur stand bevor. Stattdessen: Wohnzimmerkonzerte, digitale Festivals. ”Es sind dunkle Zeiten”, twitterte der weltbekannte Pianist und Twitter-Konzertpionier Igor Levit. ”Licht und Leuchten zu bewahren, das ist existenziell.” Die Szene reagiert kreativ, denn sie spürt: Sie wird gebraucht. ”Die jungen Künstler sind extrem gut digital vernetzt, ein Riesenvorteil”, sagt Chadde. ”Sie haben sich eine eigene Öffentlichkeit geschaffen, das finde ich hochnotinteressant.” Wichtig wäre eine schnelle finanzielle Förderung, um nicht abzusaufen. ”Es nützt uns nichts, jetzt zu hören: Nächstes Jahr gibt’s Geld. Dann wären viele von uns insolvent.” Drei Monate könne er privat überbrücken, sagt Chadde. Dann wird es eng. ”Wir atmen gerade schwer durch.”

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<b>“Auch diese Krise wird nicht ewig dauern”</b>

Jens M. Wening, Pastor

“Selbst im Zweiten Weltkrieg hat man im Schützengraben Weihnachten gefeiert”: Pastor Jens M. Wening.

“Selbst im Zweiten Weltkrieg hat man im Schützengraben Weihnachten gefeiert”: Pastor Jens M. Wening.

Am Kirchturm hängt ein großes Banner, darauf stehen nur vier Worte: ”Fürchtet euch nicht. Gott”. Jens M. Wening, 39 Jahre alt, hat es aufgehängt, er ist evangelischer Pastor in einem 9000-Seelen-Ort mitten in Niedersachsen. ”Die Botschaft war mir wichtig”, sagt er. Was hat die Corona-Krise in seinem Alltag verändert? ”Alles”, sagt er. ”Wirklich alles.” Ostern ohne Gottesdienst. Ein Novum in der Kirchengeschichte. ”Selbst im Zweiten Weltkrieg hat man im Schützengraben Weihnachten gefeiert.” Kirche ohne Begegnung.

Die Egoisten sind in der Minderheit.

Jens M. Wening,

Pastor

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Das Besondere der Corona-Krise sei ihre Widersprüchlichkeit, sagt er. ”Auf der einen Seite gibt es Menschen, die vor Langeweile die Wände durchstarren, auf der anderen Seite kämpfen Menschen gegen den Tod.” Er fürchtet, dass er diejenigen, die wirklich Hilfe brauchten, die einsam, verzweifelt oder depressiv seien, jetzt gar nicht erreiche. Was hilft: ”Das gute alte Telefon.” Und was ihn tröste: ”Auch diese Krise wird nicht ewig dauern.” Jetzt zeige sich das Schönste und das Schlechteste im Menschen, sagt Wening. ”Die Egoisten sind in der Minderheit, ich staune über die Kultur der Nächstenliebe, die wir erleben.” Was die Menschen jetzt täten, sei im Prinzip archaisch: ”Wir ziehen uns in unsere Höhle zurück. Und der Kauf von Toilettenpapier genügt offenbar, um den Menschen das Gefühl zu geben, wenigstens teilweise die Kontrolle zu behalten. Das ist günstig, das ist raumfüllend, das hält ewig. Und es ist das, was uns vom Höhlenmenschen noch unterscheidet.”

Die Pandemie könne auch ein Warnschuss für globale Katastrophen sein, die – anders als Corona – wirklich vom Menschen gemacht seien, etwa der Klimawandel. Es liege eine Art Pioniergeist in der Luft. ”Wir wachsen über uns selbst hinaus. Und am Ende werden wir weder die Apokalypse erleben noch das Paradies. Aber wir haben die Chance, uns auf das zu besinnen, auf das es wirklich ankommt.”

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<b>“Einige sitzen weinend in ihren Autos”</b>

Carsten Di Palma, DRK-Helfer

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“Ich denke nicht: Oh Gott, es ist überall!”: DRK-Helfer Carsten Di Palma an der Corona-Teststation auf dem Messegelände Hannover.

“Ich denke nicht: Oh Gott, es ist überall!”: DRK-Helfer Carsten Di Palma an der Corona-Teststation auf dem Messegelände Hannover.

Es sind gespenstische Bilder: Lange Autoschlangen, Menschen in Vollschutz, die Teststäbchen durch die geöffnete Seitenscheibe stecken. Die provisorischen Drive-in-Teststationen gehören zum Frontgebiet im Kampf gegen das Coronavirus. An einer davon arbeitet Carsten Di Palma, 37-jähriger ehrenamtlicher Rettungssanitäter und Erste-Hilfe-Ausbilder beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). ”Viele lassen die Prozedur geduldig über sich ergehen”, sagt er. ”Aber wenn man Angst hat, ist man eben nicht in Partylaune. Einige sitzen weinend in ihren Autos.” Di Palmas Aufgabe: die Tester, die im wasser- und staubdichten Klasse-drei-Schutzanzug mit Kapuze, Schutzbrille, Mundschutz und drei Paar Handschuhen den Abstrich machen, mit Material zu versorgen.

Was jetzt passiert, ist Wahnsinn.

Carsten Di Palma,

DRK-Helfer

Bis zu 600 Fahrzeuge fahren täglich durch die mehrspurige Teststation. Und anders als bei Verkehrsunfällen, wo man sehen kann, was passiert ist, ist Corona ein unsichtbarer Gegner. ”Ich stelle mir immer so eklige kleine Männchen vor, die durch den Körper wandern”, sagt Di Palma. ”Aber ich habe keine Angst davor. Ich denke auch nicht: Oh Gott, es ist überall! Es genügt, sich die Hände zu waschen.” Früher seien DRK-Helfer oft belächelt und angepöbelt worden, sagt er. ”Aber was jetzt passiert, ist Wahnsinn. Neulich standen wir mit dem Rettungswagen vor einer Bäckerei, da kam eine Frau über die Straße, drückte uns 10 Euro in die Hand und sagte: ‘Hier, kauft euch mal ein paar Brötchen.’ Wenn diese Anerkennung eine dauerhafte Folge dieser Krise ist, haben wir schon viel gewonnen.”

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<b>“Wir sitzen alle im selben Boot”</b>

Margarete Daiber-Helmbold, Kinderärztin

Die Eisenbahn fährt nicht mehr – das ist das eigentliche Drama für viele kleine Patienten in der niedersächsischen Kinderarztpraxis, die Margarete Daiber-Helmbold mit ihrem Mann und ihrer Tochter betreibt. Die Holzeisenbahn im Wartezimmer hat Pause. Sperrzone. Die Kinder warten mit ihren Eltern auf dem Parkplatz im Auto. Viele Kinder fragen, wenn sie an der Reihe sind: Was ist mit der Eisenbahn? ”Ich sage dann: Da ist gerade Baustelle, die Eisenbahn muss repariert werden”, erzählt Daiber-Helmbold, selbst Mutter von sieben Kindern und eine erfahrene Kinderärztin. Ihre Praxis bleibt geöffnet, die meisten Vorsorgeuntersuchungen laufen weiter. Zwei große Holztiere am Empfang, ein Känguru und eine Giraffe, tragen Mundschutz. ”Die Kinder sehen dann gleich: Etwas ist anders.” Neu ist auch ein Drive-in-Schalter mit Klingel für Rezepte, Überweisungen, Formulare – eine Idee ihres Mannes.

Kinder wissen sehr viel.

Margarete Daiber-Helmbold,

Kinderärztin

Wie erlebt sie die Kinder? ”Kinder wissen sehr viel”, sagt sie. Die meisten seien aber sorglos und gefasst statt verängstigt. Ist der umfassende Shutdown richtig? Daiber-Helmbold ist nicht restlos überzeugt vom Nutzen eines langen, flächendeckenden Stillstands in Deutschland. ”Bis ein vernünftig geprüfter Impfstoff auf dem Markt ist, wird es noch lange dauern”, sagt sie – mindestens ein bis anderthalb Jahre. Ihre persönliche Überzeugung: Lieber die Risikogruppen gut und sicher schützen und die übrige Bevölkerung ins normale Leben schicken. ”Es ist ein großes ethisches Dilemma.” Sie rät dringend dazu, noch viel mehr auf Covid-19 zu testen. Aber einzelne Menschen von Parkbänken aufscheuchen? ”Das halte ich für absoluten Unfug.” Und: ”Irgendwann muss doch die Holzeisenbahn wieder fahren.”

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“Kinder spüren die Verunsicherung von uns Erwachsenen”

Ariane von Goldammer, Diplom-Psychologin

“Kinder leben im Jetzt. Für sie ist wichtig, was aktuell gilt”: Diplom-Psychologin Ariane von Goldammer.

“Kinder leben im Jetzt. Für sie ist wichtig, was aktuell gilt”: Diplom-Psychologin Ariane von Goldammer.

”Kaum etwas ist so, wie es vorher war”, sagt auch Ariane von Goldammer, Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in Ausbildung. Die 40-Jährige ist Mutter von zwei Kindern. Seit Ausbruch der Krise arbeitet sie Vollzeit im Homeoffice. Skype war ihr fremd, aber das war früher. ”Jetzt kenne ich mich aus mit diversen Videosystemen.” Mit der Familie hat sie einen schriftlichen Corona-Plan erarbeitet, denn eine feste Struktur schaffe Sicherheit. Der Plan sieht regelmäßige Zeiten zum Aufstehen und für die Mahlzeiten vor, außerdem eine Lernstunde für die Kinder, Zeit für die Hilfe im Haushalt und für das Üben von Musikinstrumenten. ”Das sind viele Fixpunkte”, sagt sie. ”In der Theorie.” Sie lacht.

Typisch für das Arbeiten im Homeoffice ist, dass man sich ständig fragt, ob das Tagessoll erfüllt ist.

Ariane von Goldammer,

Diplom-Psychologin

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Ganz wichtig im Homeoffice: Arbeit und Leben nach Möglichkeit zu trennen – oder den Laptop zumindest nach der Arbeit zuzuklappen und wegzulegen. ”Typisch für das Arbeiten im Homeoffice ist, dass man sich ständig fragt, ob das Tagessoll erfüllt ist.” Das verleite zur Selbstausbeutung. Kinder spürten zudem sehr genau, wenn Erwachsene verunsichert sind. ”Es ist wichtig, sie jetzt kindgerecht über diese Zeit aufzuklären und vor Spekulationen zu schützen”, empfiehlt von Goldammer. ”Kinder leben im Jetzt. Für sie ist wichtig, was aktuell gilt – und dass wir authentisch mit ihnen umgehen.” Ihre eigenen Patienten sieht sie im Moment nicht. Die Therapien ruhen, aber aus individuell guten Gründen der Patienten. Auch ihr hilft der Gedanke, dass diese Krise nicht ewig dauern wird. ”Irgendwann werden wir wieder Freunde treffen, grillen, Spieleabende veranstalten. Darauf freue ich mich.”

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“Die Leute müssen ja zur Arbeit”

Martin Krusch, Busfahrer

“Jetzt seien Sie mal froh, dass die überhaupt noch fahren!”: Busfahrer Martin Krusch.

“Jetzt seien Sie mal froh, dass die überhaupt noch fahren!”: Busfahrer Martin Krusch.

Seit sechs Jahren ist Martin Krusch Linienbusfahrer. Er hat sich schon viel anhören müssen. Neulich hat wieder einer gemeckert: Es führen viel zu wenig Busse, man könne keine Fahrkarte kaufen, so gehe das doch nicht! Doch dann geschah etwas Seltsames. Ein anderer Fahrgast sprang Krusch zur Seite: ”Der sagte: ‘Jetzt seien Sie mal froh, dass die überhaupt noch fahren, damit wir zur Arbeit kommen. Ohne Busfahrer müssten wir zu Fuß gehen.’” Die Dankbarkeit in diesen Tagen tue gut, sagt Krusch. Er sitzt in einem MAN-Gelenkbus. Ein Kreuz aus rot-weißem Flatterband schützt ihn vor zu engem Kontakt mit den Fahrgästen. Die vordere Bustür ist gesperrt. ”Aber es gibt immer noch welche, die wollen unbedingt vorne einsteigen.”

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Es gibt immer noch welche, die wollen unbedingt vorne einsteigen.

Martin Krusch,

Busfahrer

An jedem Endpunkt wäscht er sich die Hände. Und: Alle Busse halten automatisch an allen Stationen und öffnen die Türen, damit die Fahrgäste die Haltewunschknöpfe nicht berühren müssen. 11,4 Milliarden Passagiere befördern Busse und Bahnen in normalen Jahren in Deutschland. Soll man den öffentlichen Personennahverkehr lieber ganz stilllegen? ”Pro und kontra”, sagt Krusch. ”Die Leute müssen ja zur Arbeit, auch die Altenpfleger, Krankenschwestern und Polizisten, die kein eigenes Auto haben. Und die Busse werden jeden Abend gereinigt, auch die Schlaufen, Griffe und Knöpfe werden desinfiziert.” Aber es gebe auch Kollegen, die vorsichtshalber lieber Mundschutz trügen.

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“Wir Polizisten haben den goldenen Mittelweg noch nicht gefunden”

Frank Hodemann-Mrosek, Polizeioberkommissar

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“Ich habe die Befürchtung, dass viele geschlossene Läden Einbrecher angelockt haben könnten”: Polizeioberkommissar Frank Hodemann-Mrosek.

“Ich habe die Befürchtung, dass viele geschlossene Läden Einbrecher angelockt haben könnten”: Polizeioberkommissar Frank Hodemann-Mrosek.

Das kommt schon mal vor, dass Eltern nicht mehr weiterwissen, gerade jetzt, da viele Familien eng aufeinanderhocken. Mancher Vater stellt überrascht fest, dass seine Autorität Grenzen hat. Also rief ein Vater den Polizeinotruf 110 an – und landete bei Polizeioberkommissar Frank Hodemann-Mrosek (43): ”Der Mann bat mich, seinem vierjährigen Sohn am Telefon zu erklären, dass der wirklich nicht mit seinen Freunden spielen darf und dass der Vater ihn nicht anlügt. Ich habe versucht, es dem Vierjährigen zu erklären. Er hat angefangen zu weinen. Ich glaube, er hat’s verstanden.”

Meine Familie und Freunde machen sich Sorgen um mich.

Frank Hodemann-Mrosek

Polizeioberkommissar

Mit uneinsichtigen Passanten habe er auf Streife bislang wenig diskutieren müssen. ”Es ist eine außergewöhnliche Situation für uns alle”, sagt der Polizist. Und wenn dann mal Berliner Kollegen einsam auf der Parkbank lesende Sonnensucher aufscheuchten, dann müsse man das nicht als Schikane verstehen. ”Wir haben den goldenen Mittelweg noch nicht gefunden. Ist es besser, wenn jemand geht oder sitzt? Vielleicht sagt nächste Woche ein Virologe: Sitzen ist doch nicht so schlimm.” Neulich inspizierte Hodemann-Mrosek nach einem Bürgerhinweis einen geöffneten Handyladen. Ergebnis: Kein Problem, denn der Laden war gleichzeitig ein DHL-Shop. Sind es schlechte Zeiten für Einbrecher? Nicht unbedingt, sagt er: ”Ich habe die Befürchtung, dass viele geschlossene Läden Einbrecher angelockt haben könnten, was jetzt noch gar nicht sichtbar ist.”

Seit 2004 ist er Polizist. Noch nie habe er so viele Anrufe von Freunden und Familienmitgliedern erhalten. ”Sie fragen, wie es mir geht”, sagt Hodemann-Mrosek. ”Sie machen sich Sorgen um mich.” Seine eigene größte Angst aber gilt nicht ihm selbst. Die gilt dem Tag, an dem das Kontaktverbot gelockert wird: ”Wenn ich dann zu meinen Schwiegereltern fahre und sie ungewollt anstecke – das ist meine größte Sorge.”

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<b>“Für mich ist das ganz schrecklich – die Kinder fehlen mir so …”</b>

Katrin Benke, Tagesmutter

“Die Kinder fehlen mir so”: Tagesmutter Katrin Benke.

“Die Kinder fehlen mir so”: Tagesmutter Katrin Benke.

Irgendwann kommen dann doch die Tränen. Es geht nicht mehr. Man soll tapfer sein und geduldig in diesen Tagen, gewiss, aber das ist nicht einfach nach so vielen Wochen außerhalb des gewohnten Lebens. ”Die Kinder fehlen mir so”, sagt Katrin Benke. Sie sitzt am Wohnzimmertisch und weint. ”Für mich ist das ganz schrecklich.” Benke ist Tagesmutter. Fünf Kinder wuseln in normalen Zeiten durch ihr Haus. Nun ist es still. In der Küche hängt eine bunte Postkarte. Ein Osterhase ist darauf, mit Fingerfarben für sie gemalt. ”Der war heute morgen in der Post.” Sie nimmt Geschichten für die Kinder auf, ”damit sie meine Stimme hören”. Aber es ist nicht dasselbe.

Ich nehme Geschichten auf, damit die Kinder meine Stimme hören.

Katrin Benke,

Tagesmutter

Wie soll man das verstehen als Zwei- oder Dreijähriger, was gerade passiert? Wie sollen Kinder das schaffen, was selbst Erwachsene überfordert? Und da ist auch noch die Sorge um die Existenz, Benke würde gern Überbrückungsgeld beantragen. Aber wie? Und wo? Grundsicherung? Keine Berechtigung. Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz? Trifft auf Benke nicht zu, sagt das Gesundheitsamt. Arbeitslos melden? Geht nicht, sie hat ja einen Job. Kredit bei der Bank? Falscher Beruf, keine Kreditwürdigkeit, sagen die Banken. Soforthilfepaket der Bundesregierung? Viel komplizierter als versprochen. Informationen? Widersprüchlich. ”Es geht ja nicht nur um mich”, sagt sie. ”Es geht um die Eltern, die auch wissen wollen, ob es mich noch gibt, wenn sie wieder arbeiten können.” Der Irrweg durch den Behördendschungel geht weiter. Genau wie das Warten auf die Kinder.

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“Ich brauche an der Nähmaschine 14 Minuten pro Maske”

Maja Hüsers, Maskendesignerin

“Ich will Menschen helfen, die selbst gar keine Zeit zum Nähen haben”: Maskendesignerin Maja Hüsers an ihrer Nähmaschine.

“Ich will Menschen helfen, die selbst gar keine Zeit zum Nähen haben”: Maskendesignerin Maja Hüsers an ihrer Nähmaschine.

Außen bunte Baumwolle, innen Moltonstoff, waschbar bei 90 Grad – das ist das Prinzip, nach dem Maja Hüsers, gelernte Bankkauffrau und Mutter von drei Kindern, in ihrer Freizeit Mund- und Nasenmasken näht. Mehr als 100 Masken hat sie bereits hergestellt, oft nachts, an ihrer Nähmaschine im Keller. Die Nachfrage ist groß, bis zu 300 Euro verlangten Geschäftemacher bei Ebay für eine Stoffmaske, bevor der US-Konzern derlei Abzocke mit Mondpreisen untersagte. Maskendesignerin Maja Hüsers will sich nicht bereichern, ihr geht es um etwas anderes. Viele Masken spendete sie, etwa an eine Physiotherapiepraxis oder eine Arztpraxis zum privaten Gebrauch. ”Ich will Menschen helfen, die selbst gar keine Zeit zum Nähen haben.” Bei Privatpersonen bittet sie um eine Materialspende von ein paar Euro. Ihre Bestzeit pro Maske: ”Ich brauche 14 Minuten pro Maske – inklusive Zuschnitt.”

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Ich will Menschen helfen, die selbst gar keine Zeit zum Nähen haben.

Maja Hüsers,

ehrenamtliche Maskendesignerin

Bei Instagram stellt Hüsers unter dem Namen Tildarella ihre Masken vor; meist dauert es nicht lange, bis Nachfragen kommen. Der Bestseller ist dunkelblau mit weißen Streifen, doch der Stoff ist gerade nicht zu bekommen. Ausverkauft. Zwischendurch musste sie auch Mutter und Großmutter anpumpen: ”Habt ihr noch irgendwo im Nähkästchen Gummilitze?” Ganz wichtig: Von Schutz oder medizinischem Nutzen darf keine Rede sein, Hüsers Masken heißen Nase-Mund-Behelfsmasken, sonst droht Ungemach. ”Scheinbar gibt es sonst ziemlich schnell Abmahnungen.” Sie näht weiter, unverdrossen. ”Ich sitze teilweise bis halb eins nachts an der Nähmaschine und stehe morgens um sieben wieder auf, damit ich die Aufträge abarbeiten kann. Und ich bin nicht allein. Es gibt viele Näherinnen.”

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Hier finden Sie weitere Folgen des RND-Podcasts “Corona und wir – Geschichten aus dem Leben”:

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