Düsteres Ukraine-Szenario: 50.000 Tote, fünf Millionen Flüchtlinge

In der Ukraine greifen dieser Tage immer mehr Zivilistinnen zu den Waffen, wie diese Frau bei einem militärischen Training in Odessa. Doch folgt man der Einschätzung westlicher Militärs und Geheimdienstler, rüsten die Ukrainer sich für einen Kampf, den sie nicht gewinnen können.

Russland könnte bei einer groß angelegten Invasion in der Ukraine schon nach zwei Tagen die ukrainische Armee besiegen und die Regierung in Kiew entmachten. Dies geht aus einem Szenario westlicher Militärs und Geheimdienste hervor, das derzeit in den Nato-Staaten kursiert.

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Trotz der zeitlichen Begrenzung der anfänglichen Militärschläge sei mit erheblichem Blutvergießen und einer humanitären Katastrophe zu rechnen: In dem Szenario wird mit 50.000 Toten und fünf Millionen Flüchtlingen gerechnet.

Das Szenario kam bei vertraulichen Anhörungen im US-Kongress zur Sprache. Über die darin genannten Details berichteten am Wochenende unter anderem die auf Sicherheitspolitik spezialisierten renommierten amerikanischen Journalisten Shane Harris (“Washington Post“) und David Sanger (“New York Times“).

Größte Landoffensive seit dem Zweiten Weltkrieg

Bei der Nato in Brüssel wurde schon zuvor informell die Existenz diverser Szenarien bestätigt. Die jetzt in Washington bekannt gewordenen Zahlen beziehen sich auf den maximalen militärischen Eingriff, die sogenannte „large-scale invasion“. Dazu gehört auch ein Vorstoßen russischer Panzerverbände von Norden her, aus Belarus, in Richtung Kiew.

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US-Präsident Joe Biden hatte vor zwei Wochen in einer Pressekonferenz auch das mögliche Szenario eines nur begrenzten Eindringens („minor incursion“) erwähnt.

Wohin wenden sich die Iskander-Systeme? Die auf mobilen Abschusseinrichtungen gestarteten Kurzstreckenraketen können konventionelle und nukleare Gefechtsköpfe tragen.

Wohin wenden sich die Iskander-Systeme? Die auf mobilen Abschusseinrichtungen gestarteten Kurzstreckenraketen können konventionelle und nukleare Gefechtsköpfe tragen.

Immer weniger westliche Militärs und Geheimdienstler glauben offenbar, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin die Truppen am Ende gar nicht einsetzt. Zwar gebe es noch immer ein Fenster für Diplomatie. Das Eintreffen von immer mehr Logistik-, Sanitäts- und Brückenbaueinheiten aber spreche eben doch für ein bis ins letzte Detail bereits geplantes Eingreifen, sogar in der eher größeren Variante.

Viele westliche Experten, die noch im Herbst an einer großen Invasion zweifelten, hätten inzwischen ihre Meinung geändert, heißt es in der „Washington Post“, die ihren Bericht auch auf Quellen aus europäischen Staaten stützt.

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Die Variante „large-scale invasion“ macht der Nato auch mit Blick aufs eigene Territorium Kopfzerbrechen. Russlands Operation in der Ukraine wäre die größte militärische Landoffensive in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und könnte womöglich auf russischer Seite eine Stimmung erzeugen, in der auch auf die Grenze etwa zu den baltischen Republiken und zu Polen nur noch wenig Rücksicht genommen werde.

Fünf neue schlechte Zeichen

Als jüngste schlechte Zeichen gelten bei der Nato folgende fünf Punkte:

1. Die fortlaufende Verlegung russischer Truppen nach Belarus, also in die unmittelbare Nachbarschaft der Balten und Polen, ist aus Nato-Sicht eine politische und militärische Provokation besonderer Art. In den letzten Tagen wurden 30.000 russische Soldaten nach Belarus beordert, begleitet von Kampfjets, S-400-Luftabwehrsystemen sowie Kurzstreckenraketen des Typs Iskander, die auch nukleare Gefechtsköpfe tragen können. Im schlimmsten Fall könnten sämtliche Systeme nach Nordwesten ausgerichtet werden – und Russland die Lufthoheit über den baltischen Staaten bescheren.

2. Offenbar will Russland seine alljährlichen nuklearen Gefechtsübungen, die normalerweise im Herbst stattfinden, auf Februar vorverlegen. Eine entsprechende Aussage machten laut „Financial Times“ US-Generalstabschef Mark Milley und US-Geheimdienstchefin Avril Haines vor Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Dies führt zu der beklemmenden Perspektive, Russland könne parallel zu einer Invasion der Ukraine seine 4500 Atomsprengköpfe in eine höhere Gefechtsbereitschaft versetzen und damit ein düsteres Signal rund um den Globus senden.

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Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt Zelte, Unterstände und Einrichtungen auf einem Übungsplatz in Angarsky auf der Krim. Dass offenbar immer mehr russische Soldaten auf Zelte zurückgreifen müssen, sprich aus Sicht westlicher Experten für ein aktuell hohes Maß an Gefechtsbereitschaft – das sich aber nicht über längere Zeiträume hinweg aufrechterhalten lasse.

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt Zelte, Unterstände und Einrichtungen auf einem Übungsplatz in Angarsky auf der Krim. Dass offenbar immer mehr russische Soldaten auf Zelte zurückgreifen müssen, sprich aus Sicht westlicher Experten für ein aktuell hohes Maß an Gefechtsbereitschaft – das sich aber nicht über längere Zeiträume hinweg aufrechterhalten lasse.

3. Russland zieht immer mehr militärische Übungen unmittelbar an der Grenze zum Nato-Staat Polen durch. Es nutzt dazu den Militärflughafen der belarussischen Grenzstadt Brest. Anwohner staunen über immer mehr Starts und Landungen russischer Mehrzweckkampfflugzeuge des Typs Su-35 S. Es ist der Auftakt zu noch größeren Übungen an der Grenze, die laut russischer staatlicher Nachrichtenagentur „Tass“ vom 10. bis 20. Februar laufen sollen. Ziel sei die „Abwehr externer Aggressionen“.

4. Satellitenbilder zeigen, dass große russische Armeeverbände beginnen, sich in kleinere Einheiten aufzulösen – die dann der Grenze noch näher rücken. Zugleich wurden am Wochenende weitere Luftwaffeneinheiten nach Westen verlegt, während die ohnehin starke russische Schwarzmeerflotte weiter verstärkt wurde.

5. Eine zunehmende Zahl russischer Soldaten muss mittlerweile in Mannschaftszelten des Heeres übernachten – was westliche Experten ebenfalls bedächtig die Köpfe wiegen lässt: In Zelten, heißt es, sinke schnell die Moral der Truppe, gerade im Winter. Das jetzt erreichte hohe Level von Gefechtsbereitschaft werde sich nicht über längere Zeiträume halten lassen.

Moskau spricht von „Wahnsinn und Panikmache“

Vertreter der russischen Regierung beharren darauf, es sei ihr gutes Recht, nach eigenem Belieben militärische Manöver abzuhalten, sei es auf eigenem Gebiet, oder im Einverständnis mit einem Verbündeten wie Weißrussland.

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Als „Wahnsinn und Panikmache“ wies der stellvertretende Botschafter Russlands bei den Vereinten Nationen, Dmitry Polyanskiy, die Darstellung zurück, eine russische Invasion in der Ukraine könne 50.000 Todesopfer fordern. „Was wäre, wenn wir sagen würden, dass die USA London in einer Woche erobern und 300.000 zivile Todesopfer fordern könnten“, fragte Polyanskiy auf Twitter.

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