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Endlich CDU-Chef: Wenn Friedrich Merz die Tränen kommen

Drei Anläufe hat es gebraucht: Nun ist Friedrich Merz neuer CDU-Vorsitzender.

Berlin. Der neue CDU-Vorsitzende beginnt sein Amt mit Tränen. Friedrich Merz lehnt an einem Stehpult in der CDU-Zentrale, gerade hat Nochgeneralsekretär Paul Ziemiak ein paar Zahlen vorgelesen: 915 von 983 Delegierten des Parteitags haben Merz zum neuen Parteichef gewählt. Weil die CDU die 16 Enthaltungen nicht mitzählt, werden daraus 94,62 Prozent.

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Merz blinzelt in die Kameras. „Ich nehme das Wahlergebnis an“, sagt er und die Stimme kippt ihm weg. Er fügt eine Erklärung hinterher „Ich bin tief bewegt und beeindruckt“.

Der dritte Anlauf

Eine Menge fällt da wohl gerade ab von ihm: Es ist ja auch das Ende eines langen Weges, vom frustrierten Rückzug in Zeiten der Führung von Angela Merkel bis zur Übernahme von deren Posten. Allein die letzte Phase hat über drei Jahre gedauert. Zweimal hat Merz in dieser Zeit bereits versucht, den Chefsessel zu bekommen, zweimal hat er ihn knapp verpasst.

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Beim dritten Mal ist es nun gelungen. Merz hatte zwar keinen Gegenkandidaten, aber auch die, die noch vor kurzem in dem Wirtschaftspolitiker den Garanten für einen Zerfall der CDU sahen, hatten offenbar beigedreht.

Merz‘ Therapierede

In seiner Bewerbungsrede hatte Merz der CDU zuvor Mut zugesprochen. Seit der Bundestagswahl befindet sich die CDU im Schockzustand. Merz‘ Therapie: ein paar positive Vokabeln. Chance, Aufbruch, Erneuerung zum Beispiel. Und eine Verlockung am Horizont samt Aufgabenliste: Die CDU habe den Anspruch, „die Regierung von morgen zu stellen“, sagte Merz.

Wie lang es bis dahin dauern werde, liege allerdings auch an der Partei selbst. Nicht erreichbar sei das Ziel, „wenn wir uns streiten, wenn wir in alle Himmelsrichtungen auseinanderlaufen“. Fröhlichkeit müsse die CDU ausstrahlen. Aktuelle Themen besetzen müsse man außerdem: Klimaschutz, Wirtschaft, Sicherheitspolitik und Soziales – sehr ins Detail ging Merz da nicht, warnte aber vor Dogmatismus.

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Debatte um Fraktionsvorsitz

Der Part „Attacke auf die Regierung“ geriet ausführlicher, und ein gewisser Hintersinn lässt sich vermuten. Die „wichtigste Aufgabe“ der CDU sei es, den Kanzler herauszufordern. Bei den Themen Inflation, Energiepreise, Bundeswehr und Russland-Ukraine-Krise liege das auf der Hand „Welche Führung meinen Sie denn?“, fragte er in Richtung Kanzler Olaf Scholz (SPD). Aber die gleiche Botschaft ging parallel nach innen. Welche Fraktionsführung will die CDU?

Nur wenige Stunden nach Merz‘ Wahl forderten mehrere ostdeutsche Kreisvorsitzenden ihn auf, den Posten auch noch zu übernehmen. Amtsinhaber Ralph Brinkhaus ist noch bis April gewählt. Gibt es Debatten in der Partei, könnte das Anlass dem neuen Parteichef geben, auf eine schnelle Entscheidung drängen – und dabei sein gutes Wahlergebnis als Argument verwenden.

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Huldigung von Söder

Ein anderer potenzieller Konkurrent überbrachte per Videobotschaft seine Huldigung und seine Reue: CSU-Chef Markus Söder schmeichelte, auch er würde gerne einmal ein so gutes Wahlergebnis wie Merz bekommen. Der Streit um die Kanzlerkandidatur im vergangenen Jahr, der der Union bei der Wahl nachhaltig geschadet hat, sei wirklich bedauerlich: „Das tut uns leid, das tut mir leid. Das muss und wird anders werden.“ Wöchentliche Abstimmungen zwischen CDU und CSU, die es offenbar bisher nicht gab, sollen dazu beitragen.

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Daumen hoch: CSU-Chef Markus Söder gratulierte per Videoschalte dem neuen CDU-Chef Friedrich Merz zu dessen Wahl.

Daumen hoch: CSU-Chef Markus Söder gratulierte per Videoschalte dem neuen CDU-Chef Friedrich Merz zu dessen Wahl.

Auch das Parteipräsidium ist nun Merz-konformer. Eine seiner Widersacherinnen, Frauen-Unions-Chefin Annette Widmann-Mauz, verlor ihren Sitz in einer Kampfabstimmung. Auch drei von vier seiner bisherigen Konkurrenten um den Parteivorsitz – Armin Laschet, Norbert Röttgen und Helge Braun – sitzen nicht in der Parteiführung. Nur Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn sicherte sich einen Platz im Präsidium. Laschet bekam zum Abschied nach einjähriger Parteichefzeit ein Tablet, mit Fitness-App, Zeitungsabos und Spielen.

Über die bisherige Kanzlerin und Langzeit-CDU-Chefin Angela Merkel übrigens verlor Merz kein Wort. Sie hat auf eine offizielle Teilnahme am Parteitag verzichtet und angeblich eine Essenseinladung von Merz ausgeschlagen. Auch Ehrenvorsitzende will sie nicht werden in dieser CDU, die nun ihr Gegner anführt.

Merz sagt, wenn die CDU seinen Vorschlägen folge, könne es klappen mit der Regierung: „Aber selbst dann, ist es nicht klar.“

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