Finanzhilfen erhöhen, Anlaufstellen für Terroropfer schaffen

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Kurt Beck (SPD).

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Kurt Beck (SPD).

Berlin. Schon direkt nach einem solchen Ereignis wie am 19. Dezember 2016 müsse von Polizei und Rettungskräften vor Ort gut sichtbar und erkennbar ein Ort geschaffen werden, wo Menschen Aufnahme finden, sagte der Opferbeauftragte Kurt Beck. Diese dürften nicht wie beim Weihnachtsmarkt-Anschlag an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf der Suche nach Angehörigen teilweise die ganze Nacht herumirren, mahnte er am Mittwoch in Berlin.

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Kritisch äußerte sich der Beauftragte der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen des Terroranschlags auch zur langwierigen Identifizierung der Toten. Dies habe beim Attentat vom Breitscheidplatz bis zu drei Tage gedauert, was für Angehörige eine „furchtbare Erfahrung“ gewesen sei. Beck schlug für die Zukunft eine „vorläufige Identifizierung“ vor, die zwar keine rechtlich abschließende Auskunft beinhalte, aber den suchenden Angehörigen Orientierung gebe.

Auch dass Rechnungen zur Totenschau mit Inkassohinweisen an die Angehörigen geschickt wurden, dürfe sich nicht wiederholen. Darüber hinaus sprach sich Beck für eine dauerhafte Ansprechstelle für Terroropfer aus. Diese solle im „stand by“ gehalten und bei Bedarf aktiviert werden können.

Beck: Höhere Entschädigungen für Hinterbliebene

Nach Becks Worten wurde bei dem Anschlag vor knapp einem Jahr zwölf Menschen getötet und über 70 Menschen „an Leib und Seele“ verletzt. Viele seien noch in Behandlung, einige würden ihr ganzes Leben schwerstbehindert bleiben. Insgesamt seien 132 unterschiedlich Betroffene von seiner Stelle betreut worden, 80 davon seien „in ganz besonderer Weise beeinträchtigt“.

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Das Besondere des Terroranschlags von Berlin sei dessen „ganz besondere Sinnlosigkeit“. „Da wollte einer die gesamte Gesellschaft treffen“ und deren Art zu leben, fügte der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Chef hinzu.

Beck fordert auch deutlich höhere Entschädigungen für Hinterbliebene und Verletzte. Zudem sollten materielle Schäden unabhängig davon ersetzt werden können, ob die Tat mit einem Fahrzeug begangen wurde, heißt es in dem Abschlussbericht zu den Opferhilfen, den Beck am Mittwoch in der Hauptstadt vorstellte. Härteleistungen von 10 000 Euro für einen nahen Angehörigen seien deutlich zu niedrig.

Der amtierende Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) begrüßte die Vorschläge. Sie sollten zügig umgesetzt werden, sagte er. „Die Bundesregierung darf die Verletzten und Hinterbliebenen eines Anschlags nicht alleinlassen.“ Eine Koordinierungsstelle in einem Ministerium sollte direkter Ansprechpartner auf Bundesebene für Opfer sein.

Von RND/epd/dpa

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