Nach wochenlanger Besatzung

Kein Gas, kein Strom, kein Wasser: Das Leben in der zurückeroberten Stadt Isjum

Die Lage in der zurückeroberten Stadt Isjum ist angespannt.

Die Lage in der zurückeroberten Stadt Isjum ist angespannt.

Isjum. Sechs Monate stand die ukrainische Stadt Isjum unter russischer Kontrolle. Vor zwei Wochen wurden die Russen bei einer Gegenoffensive aus Isjum zurückgedrängt. Seit März gibt es vor Ort kein Gas, keinen Strom und kein fließendes Wasser oder Internetzugang. Die Behörden haben Einwohner, die zu Beginn des russischen Kriegs geflohen sind, aufgefordert, nicht zurückzukehren. Das sei zu schwierig - und zu gefährlich, weil noch immer zahlreiche Minen verteilt sind.

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Margaryta Tkatschenko hat wie Tausende andere trotz der russischen Besetzung in Isjum ausgeharrt. Jetzt muss sie weiter unter schwierigen Bedingungen zurecht kommen. Zum Duschen und Geschirrwaschen gibt es Regenwasser. Holz wird eingesammelt, um damit ein Feuer zum Kochen zu machen. Doch aus Häusern mit zertrümmerten Fenstern kann die Kälte des Herbstes nicht ohne Weiteres ferngehalten werden.

Margaryta Tkachenko (29) und ihre Kinder Sophia, Veronika und Nikita begrüßen ihre Schwester in der kürzlich zurückeroberten Stadt.

Margaryta Tkachenko (29) und ihre Kinder Sophia, Veronika und Nikita begrüßen ihre Schwester in der kürzlich zurückeroberten Stadt.

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Gegen Ende des ukrainischen Kampfs um die Rückeroberung von Isjum explodierte im Garten von Tkatschenko eine Rakete. Die Überreste des Geschosses liegen immer noch dort. Sie erinnern an die schrecklichen sechs Monate, die Tkatschenkos Familie über sich ergehen lassen musste. Vor Monaten wurde ihr Haus massiv beschädigt.

„Wir hatten seit mehreren Tagen nicht gegessen“

„Wir kamen aus dem Keller und das Haus war weg“, sagt Tkatschenko. Sie hat dafür gesorgt, dass ihre drei Kinder im Alter von neun Monaten, sieben Jahren und zehn Jahren im Keller blieben, während sie oben aufräumte. „Die Kinder hatten sich seit vielen Tagen nicht gewaschen. Wir hatten seit mehreren Tagen nicht gegessen. Das Kleine hat einen Löffel Honig gegessen und der Junge hat einen Löffel Reis gegessen. Ich habe zwei Tage lang nichts gegessen.“

Nikita Krikun (10) schaut auf eine behelfsmäßige Ölkerze in seinem Haus in der kürzlich zurückeroberten Stadt.

Nikita Krikun (10) schaut auf eine behelfsmäßige Ölkerze in seinem Haus in der kürzlich zurückeroberten Stadt.

Die Fenster im oberen Stock des Hauses, von denen aus man einen Blick auf den Fluss Siwerskyj Donez hat, schützen nicht vor den Witterungsverhältnissen. Tkatschenko und die drei Kinder halten sich gemeinsam in einer Ecke im Erdgeschoss auf.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog +++

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Bei Tkatschenko hält in der Abenddämmerung ihr Baby an der Hüfte und sagt ihrer Tochter, sie solle Trinkwasser holen. Mit der freien Hand zerknüllt sie Papier für ein Feuer. Als brennt, stellt sie einen Kessel auf die Feuerstelle. Der Geruch von brennendem Holz liegt in der Luft. Das erwärmte Wasser gieß sie in eine Flasche mit Milchpulver. Danach muss die Ziege gemolken werden.

Der Winter naht: „Wir haben kein Holz“

Im kleinen Gemüsegarten von Tkatschenko gibt es eine Handvoll Kirschtomaten, doch die Familie ist weitgehend auf humanitäre Hilfe angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Tkatschenko weiß nicht, wann ihre beiden älteren Kinder wieder zur Schule gehen können. Viele der örtlichen Schulen wurden von Russland als Stützpunkte genutzt und sind beschädigt. Mindestens drei wurden durch ukrainische Raketen komplett zerstört, als ukrainische Truppen versuchten, Isjum zurückzuerobern.

In den Türen eines Kindergartens, der von den russischen Streitkräften im kürzlich zurückeroberten Gebiet Kapitoliwka genutzt wurde, sind "Z"-Zeichen zu sehen. Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In den Türen eines Kindergartens, der von den russischen Streitkräften im kürzlich zurückeroberten Gebiet Kapitoliwka genutzt wurde, sind "Z"-Zeichen zu sehen. Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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„Ich kann nicht vorhersagen, was als Nächstes geschehen wird“, sagt Tkatschenko. „Der Winter ist am besorgniserregendsten. Wir haben kein Holz. Wie werden wir heizen?“

RND/AP

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