Jedes fünfte Kind lebt dauerhaft in Armut

Die Forscher fordern für arme Kinder neue staatliche Leistungen.

Die Forscher fordern für arme Kinder neue staatliche Leistungen.

Hannover. Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt dauerhaft oder wiederkehrend in Armut. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung. „Wer einmal arm ist, bleibt lange arm“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung: „Zu wenige Familien können sich aus Armut befreien.“

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Um auch armen Kindern eine „faire Chance auf Teilhabe und Bildung zu gewährleisten“ fordern die Forscher eine neue staatliche Leistung: ein sogenanntes Teilhabegeld. Es soll die bisherigen staatlichen Leistungen - Kindergeld, die Hartz IV-Sätze für Kinder, und Geld aus dem Bildungs- und Teilhabegesetz - ersetzen. Zudem bräuchten arme Kinder und ihre Familien eine „wohnortnahe, unbürokratische“ Anlaufstelle. Dort sollen Familien sich nicht nur umfassend über Hilfe beraten lassen können. Alle Anträge für finanzielle Unterstützung sollen dort gestellt und an die Ämter weiter geleitet werden. „Kinder können sich nicht selbst aus Armut befreien“, sagt Dräger. Sie hätten aber, wie alle anderen Kinder auch, ein Recht auf Bildung und Teilhabe. Ein besonders hohes Armutsrisiko besteht bei Alleinerziehenden, kinderreichen Familien und geringqualifizierten Eltern.

Fünf Jahre lang haben die Forscher die Situation von armen Familien untersucht. Als arm gelten in dieser repräsentativen Studie Kinder in Familien, die entweder mit 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens auskommen müssen oder Geld vom Staat beziehen. Existenzielle Bedürfnisse seien in diesen Familien in der Regel gesichert, heißt es.

Es fehle aber vieles, was in normalen Familien zum Aufwachsen dazu gehöre. Insgesamt 23 Güter und Aspekte sozialer Teilhabe hat die Studie über den Zeitraum von fünf Jahren abgefragt. Dazu gehören Dinge wie eine ausreichend große Wohnung, eine Waschmaschine oder ein internetfähigen Computer, aber auch ein Kinobesuch einmal im Monat oder die Möglichkeit, Freunde zum Essen nach Hause einzuladen. In der Summe fehlten Kindern in einer dauerhaften Armutslage durchschnittlich 7,3 der abgefragten Güter, heißt es in der Studie. Kinder, die temporär in einer Armutslage leben, müssten im Schnitt auf 3,4 Güter verzichten. Zum Vergleich: Bei Kindern aus Familien mit dauerhaft sicherem Einkommen fehlen nur 1,3 dieser 23 Güter aus finanziellen Gründen. „Armut schließt Kinder von vielen sozialen und kulturellen Aktivitäten aus. Wer schon als Kind arm ist und nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, hat auch in der Schule nachweisbar schlechtere Chancen. Das verringert die Möglichkeit, später ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Armut zu führen“, so Dräger.

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Von Jutta Rinas/RND

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