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Kampf gegen Corona: Expertenrat schlägt wegen fehlender Daten Alarm

Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, obere Reihe 2. von rechts) zu Beginn der virtuellen Sitzung des Corona-Expertenrats im Kanzleramt im Dezember.

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag hat der Expertenrat der Bundesregierung eine schonungslose Analyse der mangelnden Digitalisierung im Gesundheitswesen geliefert. Die dramatische Folge: Die schlechte Datenlage behindert den Kampf gegen die Omikron-Welle. „In anderen Industrieländern, wie zum Beispiel Dänemark oder Israel, hat eine Datenerhebung in Echtzeit auf individueller Fallebene zur effizienten Bewältigung der Pandemie erheblich beigetragen“, heißt es in einer von zwei Stellungnahmen des Expertenrates von Samstag, die beide dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegen. Die aktuelle Omikron-Welle verstärke und verdeutliche das Defizit der zeitnahen Datenerfassung beziehungsweise Datenverfügbarkeit, heißt es weiter.

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Die 19 Expertinnen und Experten der Bundesregierung, die ihr Votum erneut einstimmig abgegeben haben, fordern als Direktmaßnahme, „dass die Hospitalisierungsrate in allen Altersgruppen dringend“ benötigt werde, um die aktuelle Lage bewerten und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Weil Deutschland bei der Datenlage zu Corona-Infektionen auf vielen Feldern im Dunkeln tappt, muss man sich mit Zahlen aus Großbritannien, Dänemark und den USA behelfen, um die Lage hierzulande besser einschätzen können. Das aber bedeutet Zeitverlust. Zudem sind die Infektionslagen der verschiedenen Länder stets nur bedingt vergleichbar – mit dem Wort „limitiert“ beschreiben die Experten diese Problemlage.

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Sofortmaßnahmen für Kliniken

Der Expertenrat mahnt als „höchste Priorität“ an, worum sich die Gesundheitsminister in Deutschland seit 2003 – also seit fast 20 Jahren – bemühen: Die Einführung einer elektronischen Patientenakte.

Für eine Sofortmaßnahme sollen die Kliniken in die Pflicht genommen werden. Dem Expertenrat zufolge soll den Krankenhäusern auferlegt werden, neben ihren freien und belegten Betten künftig auch alle Aufnahmen von Patienten und Ausbrüche bei Patienten mit Corona-Infektionen unter Angabe deren Alters zu melden.

Der Expertenrat der Bundesregierung geht zudem davon aus, dass die Spitze der Omikron-Welle noch längst nicht erreicht ist. Es könnten in der Spitze der 7-Tages-Inzidenzen von mehreren Tausend regional erreicht werden“, heißt es in dem weiteren Papier der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wie stark die Kliniken dadurch belastet werden, hängt demnach „von den Inzidenzen in der Gruppe der ungeimpften Erwachsenen und der über 50-Jährigen“ ab. In dieser Altersgruppe beklagt der Expertenrat eine zu große Impflücke.

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Die Lage ist nach Schilderung des 19-köpfigen Gremiums bereits prekär. An einigen Kliniken fielen schon heute viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Infektionen mit der Omikron-Variante und durch Quarantäne aus, „und vereinzelt kommt es bereits zu Lieferengpässen bei medizinischen Gütern“. Die Vorhersage: Unter den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen stiegen die Inzidenzen weiter, und es sei anzunehmen, dass die medizinische Versorgung zumindest regional eingeschränkt sein werde.

Aktuelle Maßnahmen „strikt“ umsetzen

Was die Experten raten: Die aktuellen Maßnahmen sollten beibehalten und „strikt“ umgesetzt werden. Sie mahnen auch, dass weitere „Maßnahmen zur Infektionskontrolle“, sprich Einschränkungen des öffentlichen Lebens, notwendig werden könnten. Der Ministerpräsidentenkonferenz rät das Expertengremium konkret: „Diese sollten daher jetzt so vorbereitet werden, dass sie ohne Verzögerung umgesetzt werden können.“ Das bedeutet im Klartext, dass Bund und Länder den Instrumentenkasten für Lockdown-Maßnahmen eigentlich noch einmal erweitern müssen. Bislang ist das allerdings nicht geplant.

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