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Klimaschutz in den USA: Die meisten Staaten setzen auf Atomkraft

Das inzwischen abgeschaltete Kernkraftwerk Brokdorf (Schleswig-Holstein) mit seiner markanten Kuppel ist als Silhouette im Abendlicht zu sehen. (Symbolbild)

Providence. Der Kampf gegen den Klimawandel nimmt auch in den USA allmählich Fahrt auf. In vielen Teilen des Landes werden Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie gebaut oder geplant. Doch nicht alle sind überzeugt, dass der Bedarf allein durch Wind und Sonne gedeckt werden kann. Während immer mehr US-Staaten die Abkehr von Kohle, Öl und Gas forcieren, rückt daher auch jenseits des Atlantiks die Kernkraft wieder in den Fokus.

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Gates investiert in Reaktoren

Verstärkt wird das neue Interesse an nuklearer Energie auch dadurch, dass einige Unternehmen, unter anderem eines von Microsoft-Gründer Bill Gates, an der Entwicklung von kleineren und billigeren Reaktoren arbeiten.

Befürworter der Technik argumentieren, dass die Risiken gering gehalten werden könnten und Atomkraft unentbehrlich sei, wenn bei fortschreitender Abkehr von fossilen Energieträgern die Stromversorgung gesichert werden solle. „Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich keinen Weg, der uns dorthin bringt, ohne den Bestand zu erhalten und neue Kernkraftwerke zu bauen“, sagt Jeff Lyash, Chef des Energieerzeugers Tennessee Valley Authority. Das staatliche Unternehmen investiert in Solarenergie, betreibt aber auch drei Atomkraftwerke und plant Tests mit einem kleineren Reaktor.

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Umfrage: Zwei Drittel der US-Staaten setzen auf Atomenergie

Eine Umfrage der Nachrichtenagentur AP zu den energiepolitischen Strategien der einzelnen US-Staaten ergab, dass eine deutliche Mehrheit davon ausgeht, dass Atomkraft zumindest teilweise den bisher von fossilen Brennstoffen gehaltenen Anteil am Energiemix übernehmen wird. Nur etwa ein Drittel der US-Staaten hat laut eigenen Angaben nicht vor, beim Erreichen von Klimaschutzzielen auch auf Nuklearenergie zu setzen. Dies könnte bedeuten, dass der Bau von Atomkraftwerken in den USA bald zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten wieder zunehmen wird.

Die US-Staaten, die auf Kernkraft verzichten wollen, verweisen unter anderem auf Fortschritte bei der Energiespeicherung mit Batterien, Investitionen in den überregionalen Netzausbau, Verbesserungen der Energieeffizienz zur Reduzierung des Bedarfs und Potenziale der Wasserkraft. Die Regierung in Washington hat im Rahmen ihres riesigen Infrastrukturpaketes im vergangenen Jahr dennoch auch die Förderung von Reaktor-Demonstrationsprojekten mit etwa 2,5 Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) beschlossen. Das Ziel sei eine klimaneutrale Stromerzeugung, sagte die US-Energieministerin Jennifer Granholm der AP, und das bedeute neben Wasserkraft, Geothermie, Wind und Sonne eben auch Kernenergie.

Experte: USA hat keine Strategie für Abfälle

Doch Nukleartechnik sei eben mit Risiken verbunden, die es bei anderen Energiequellen mit geringen Kohlenstoffemissionen nicht gebe, sagt Edwin Lyman, der bei der amerikanischen Wissenschaftlervereinigung Union of Concerned Scientists für das Thema zuständig ist. Seine Organisation lehne Atomkraft nicht grundsätzlich ab, setze sich aber dafür ein, dass die Nutzung stets auf sichere Art erfolge. Und er sei besorgt, dass die Branche Abstriche bei der Sicherheit machen könnte, um Geld zu sparen und wettbewerbsfähig zu bleiben.

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Lyman betont, dass die USA noch immer keine langfristige Strategie für den Umgang mit den hochgefährlichen Abfällen hätten, die bei der Nutzung von Kernenergie entstehen. Außerdem bestehe auch weiterhin das Risiko von Unfällen oder gezielten Angriffen. Das Reaktorunglück im Kernkraftwerk Three Mile Island in Pennsylvania, die Katastrophe von Tschernobyl und zuletzt im Jahr 2011 die Kernschmelzen im japanischen Fukushima sollten als nachhaltige Warnung dienen.

Atomkraft liefert 20 Prozent des Stroms

Derzeit liefern Atomkraftwerke etwa 20 Prozent der Elektrizität in den USA – und damit etwa die Hälfte der Energie, bei deren Gewinnung keine CO2-Emissionen verursacht werden. Die zuständige Nuclear Regulatory Commission hat bisher einem Entwickler von kleinen, modularen Reaktoren eine Genehmigung erteilt, nämlich dem Unternehmen Nuscale Power im Jahr 2020. Andere stehen aber bereits in den Startlöchern, darunter das von Bill Gates ins Leben gerufene Unternehmen Terrapower.

Terrapower will im US-Staat Wyoming, in dem seit langer Zeit Kohle sowohl für Energie als auch für Arbeitsplätze sorgt, einen fortschrittlichen Reaktor bauen. Da immer mehr Energieversorger auf Kohle verzichten, setzt Wyoming inzwischen auch auf Windkraft. Doch Glen Murrell, Leiter der Wyoming Energy Authority, bezeichnet es als unrealistisch, den gesamten Energiebedarf der USA allein mithilfe von Wind und Sonne abdecken zu wollen.

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Georgia will „reichlich saubere Energie“

Der Staat Georgia will mit neuen Reaktoren „reichlich saubere Energie“ für die kommenden 60 bis 80 Jahre erzeugen. New Hampshire gibt an, die regionalen Umweltziele könnten unmöglich ohne Atomkraft erreicht werden. Die Energiebehörden in Alaska und Maryland planen ebenfalls den Bau von kleinen, modularen Reaktoren.

In einigen anderen, überwiegend von den Demokraten regierten Staaten wird dagegen betont, dass die Kosten für neue Reaktoren deutlich über denen für Windräder oder Solaranlagen lägen und die ungeklärten Fragen der Sicherheit sowie der Endlagerung ohnehin Ausschlusskriterien seien. „Ein Fokus auf die kurzfristigen Vorteile kann die langfristigen Probleme der Atomkraft nicht beheben“, sagt David Bobzien, Leiter der Energieabteilung der Regierung von Nevada.

Kalifornien will Atomausstieg bis 2025

Kalifornien will sein letztes Kernkraftwerk Diablo Canyon im Jahr 2025 stilllegen. Bis 2045 soll der Staat mit fast 40 Millionen Einwohnern komplett mit Energie aus erneuerbaren Quellen versorgt werden. Jason Bordoff von der Columbia Climate School in New York sieht die Pläne Kaliforniens jedoch skeptisch. Nuklearenergie sei zwar nicht ohne Risiken, sagt er, „aber die Risiken, die mit einem Verfehlen unserer Klimaziele verbunden wären, übersteigen die Risiken der Einbeziehung der Kernenergie in den CO2-freien Energiemix“.

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RND/AP

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