Komplott in jordanischer Königsfamilie: Mitschnitt dokumentiert Streit mit Ex-Kronprinz

Jordaniens König Abdullah II. bin Al-Hussein während einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Der jordanische Prinz Hamsa bin Hussein ist nach eigenen Angaben unter Hausarrest gestellt worden - im Rahmen eines angeblichen Durchgriffs gegen Kritiker von König Abdullah II.

Jordaniens König Abdullah II. bin Al-Hussein während einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Der jordanische Prinz Hamsa bin Hussein ist nach eigenen Angaben unter Hausarrest gestellt worden - im Rahmen eines angeblichen Durchgriffs gegen Kritiker von König Abdullah II.

Jerusalem. Eine Audioaufnahme hat am Dienstag Zweifel an der offiziellen Darstellung über einen mutmaßlichen Plan zur Destabilisierung Jordaniens geweckt. Der Mitschnitt lässt vielmehr darauf schließen, dass die Behörden versuchten, einen Kritiker des Königs zum Schweigen zu bringen.

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Zu hören ist offenbar das Gespräch zwischen Prinz Hamsa und dem Stabschef General Jussef Huneiti, das ein öffentliches Zerwürfnis innerhalb der königlichen Familie auslöste.

Die Aufnahme wurde veröffentlicht, kurz nachdem der Palast die Fehde für beendet erklärt hatte. Wenig später untersagte die Regierung die Berichterstattung über Details des Gesprächs.

General erschien im Palast

Der General erschien am Samstag im Palast des ehemaligen Kronprinzen Hamsa, um ihn darüber zu informieren, dass er unter eine Art Hausarrest gestellt werde. Zu hören ist, wie der Stabschef erläutert, der Prinz werde bestraft, weil er sich mit Personen getroffen habe, „die mehr geredet haben, als sie sollten“.

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Hamsa reagiert darauf verärgert und wirft dem General vor, ihm zu drohen. Außerdem habe er kein Recht, einem Mitglied der königlichen Familie Anweisungen zu geben.

„Sie kommen zu mir und sagen mir in meinem Haus, was zu tun ist und wen ich in meinem Land treffe?“, sagt der Prinz in der Aufnahme. Und weiter: „Die schlechte Leistung des Staates ist meine Schuld? Das Scheitern ist meine Schuld?“

General Huneiti bleibt ruhig und erklärt, er wolle niemandem drohen. Er überbringe nur eine Botschaft der Sicherheitsbehörden. Prinz Hamsa fordert ihn auf zu gehen.

König stellte Prinzen unter Hausarrest

Die Aufnahme schien authentisch zu sein und entsprach vorherigen Schilderungen des Prinzen über die Begegnung. Unklar war, wie sich die Veröffentlichung auf die Versöhnungsbemühungen innerhalb der Familie auswirkt. Zum Status des Prinzen und der anderen Festgenommenen wurde nichts bekannt.

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König Abdullah II. hatte Hamsa am Samstag unter Hausarrest gestellt und ihm ein „heimtückisches Komplott“ mit ausländischer Hilfe zur Destabilisierung Jordaniens vorgeworfen. Aus welchen Land die Hilfe gekommen sein soll, wurde nicht gesagt.

In dem Audiomitschnitt war von einem solchen Plan mit Unterstützung aus dem Ausland nicht die Rede. Der 41-jährige Hamsa bestritt die Vorwürfe und erklärte, er sei ins Visier geraten, weil er Korruption und Inkompetenz in Jordanien angeprangert habe.

Abdullah und Hamsa sind Söhne von König Hussein, der auch mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod in der Bevölkerung noch immer verehrt wird. Bei seiner Thronbesteigung 1999 ernannte Abdullah zunächst Hamsa zum Kronprinzen, entzog ihm diesen Titel aber fünf Jahre später zugunsten seines ältesten Sohnes.

Hamsa kritisierte Regierungsentscheidungen

Die Brüder sollen dennoch gut miteinander auskommen. Hamsa hat allerdings in der Vergangenheit mehrfach politische Entscheidungen der Regierung kritisiert.

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Der jordanische Experte Amer Sabaileh erklärte, der Disput erhöhe den Reformdruck, der auf König Abdullah II. laste. Die Probleme, auf die Hamsa hingewiesen habe, müssten dringend angegangen werden. „Der König muss rasch handeln, um den Ruf der Familie und der Monarchie und die Einheit der Gesellschaft zu bewahren.“

RND/cle/AP

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