Kurden im Nordirak kündigen Referendum über Unabhängigkeit an

Die Amtszeit des Kurden-Präsidenten Masoud Barsani war bereits vor mehr als einem Jahr ausgelaufen.

Die Amtszeit des Kurden-Präsidenten Masoud Barsani war bereits vor mehr als einem Jahr ausgelaufen.

Erbil. Die Kurden im Nordirak wollen am 25. September dieses Jahres über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Diese Entscheidung wurde am Mittwochabend nach einem Treffen hochrangiger kurdischer Politiker mit dem Präsidenten der kurdischen Autonomiegebiete, Massud Barsani, in Erbil verkündet, wie die Nachrichtenseite Rudaw meldete.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die nordirakischen Kurden genießen im Nordirak bereits große Autonomierechte, streben aber seit langem nach völliger Unabhängigkeit. Barsani hatte ein solches Referendum in der Vergangenheit immer wieder angekündigt. Vor allem das Chaos im Irak nach dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verstärkte die Rufe nach einer Abspaltung vom restlichen Irak.

Internationale Mächte würden eine Unabhängigkeit wohl nicht anerkennen

Die Entscheidung dürfte die ohnehin schon starken Spannungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen im Irak noch weiter verschärfen. Fraglich ist, ob selbst eine hohe Zustimmungsrate beim Referendum die Kurden in die Unabhängigkeit führen würde. Die Zentralregierung in Bagdad lehnt eine Abspaltung der Kurden ab. Auch regionale und internationale Mächte wie die Türkei, der Iran, die USA oder die Europäische Union dürften die Unabhängigkeit nicht anerkennen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein Berater von Barsani, Hemin Hawrami, twitterte, das Referendum solle auch in Regionen außerhalb der kurdischen Autonomiegebiete abgehalten werden. Die Kurden hatten im Zuge des Kampfes gegen den IS zahlreiche Regionen eingenommen, die sie beanspruchen, die aber eigentlich zum restlichen Teil des Iraks gehören. Dazu gehören unter anderem die ölreiche Stadt Kirkuk und ihr Umland.

Will Barsani nur seine eigene Macht sichern?

Kritiker werfen Barsani vor, er nutze das Streben nach Unabhängigkeit um seine eigene Macht zu sichern. Die Amtszeit des Kurden-Präsidenten war bereits vor mehr als einem Jahr ausgelaufen. Seitdem ist die Politik des Landes blockiert. Das Parlament tagt nicht mehr. Hawrami teilte über Twitter mit, am 6. November sollten Präsident und Parlament neu gewählt werden.

Die Kurdengebiete leiden seit Monaten unter einer schweren Wirtschaftskrise. Die Autonomieregierung musste die Gehälter ihrer Angestellten kürzen. Kurdische Peschmerga-Kämpfer sind auch Teil der der Offensive irakischer Regierungskräfte auf die westlich von Erbil gelegene IS-Hochburg Mossul. Allerdings blieben sie außerhalb der Stadtgrenzen, wie mit der Zentralregierung abgesprochen.

Von RND/dpa

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken