Kurz vor dem Ziel

Der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland.

Der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland.

Berlin. Wenn seine AfD in den Bundestag einzieht, wird der Spitzenkandidat der Nationalisten, Alexander Gauland, vier Jahre lang vom Rednerpult im Reichstagsgebäude die CDU ärgern können. Die Partei, der er 40 Jahre angehörte und der er 2013 den Rücken kehrte. Als Gründungsmitglied der „Wahlalternative 2013“, der späteren AfD, attackiert er seitdem die CDU von Rechtsaußen.

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Gauland ist die faszinierendste und widersprüchlichste Figur in der parteigewordenen Seifenoper AfD. Er gilt als deren intellektueller Kopf und erfahrenster Strippenzieher. Ersteres, weil er sich in seinem publizistischen Werk über Jahrzehnte mit dem Wesen des Konservativismus auseinandergesetzt hat; zweiteres, weil er auch das Strippenziehen in seiner ersten Parteikarriere gelernt hat. Gauland ist in der Hessen-CDU groß geworden, war persönlicher Referent von Walter Wallmann als Frankfurter Oberbürgermeister und später Leiter der Staatskanzlei in Wiesbaden. Bis heute pflegt er enge Kontakte zu den Rechtsauslegern in der Union. Dass Erika Steinbach nun im Wahlkampf die AfD unterstützt, hat nicht zuletzt mit ihrer jahrzehntelangen Bekanntschaft zu tun.

AfD ist für Gauland ein reines populistisches Instrument

Die AfD ist für Gauland ein reines populistisches Instrument. Er will mit der Partei nicht an die Macht, sondern die Union vor sich hertreiben, damit sie wieder konservative Positionen einnimmt. Klares Vorbild ist die österreichische FPÖ, die seit Jörg Haider sowohl ihre Basis im rechtsextremen Milieu pflegt als auch in bürgerliche Kreise vorstößt. Auch die Fehler der österreichischen Kameraden hat Gauland analysiert: Die schwarz-blaue Koalition im Alpenland von 2000 bis 2006 habe der Rechtsaußenpartei damals geschadet, warnt Gauland.

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Solche Fragen aber werden in seiner aktiven Zeit ohnehin nicht mehr zu entscheiden sein. Gauland wird sich aus Altersgründen höchstwahrscheinlich auf eine Legislaturperiode im Bundestag beschränken, um dann gemeinsam mit der von ihm verachteten Kanzlerin aus der aktiven Politik auszuscheiden.

Gauland will Integrationsbeauftragte „entsorgen“

Als sein Vermächtnis wird bleiben, dass er das Kokettieren mit rechtsextremen und völkischen Aussagen in der deutschen Politik hoffähig gemacht hat. Äußerlich gibt er stets den Gentleman als Biedermann, Jackett und Hundekrawatte sind ihm zur Uniform geworden. Sein Spleen für britische Karossen (erst Mini, dann Jaguar, inzwischen allerdings Fahrdienst) verleiht der oft so provinziellen AfD eine gewisse Weltläufigkeit. Sein Schulterschluss mit den Rechtsauslegern Björn Höcke und André Poggenburg und sein frühes Kokettieren mit der Pegida-Bewegung aber sind längst nicht nur taktisch geprägt. Natürlich weiß Gauland, dass er die rechtsextremen Milieus braucht, um die AfD sicher über fünf Prozent zu halten. Aber sein Konservativismus hatte immer schon eine völkische Komponente.

Wenn er – wie am Wochenende im thüringischen Eichsfeld – davon spricht, die Integrations-Staatsministerin Aydan Özoguz "in Anatolien entsorgen" zu wollen, dann ist das nicht nur der Beweis dafür, dass der Gentleman auch als wahlkämpfender Hetzer auftreten kann. Er ist auch ein Zeichen dafür, dass Gauland jenseits jeder Taktiererei nun seine ideologische Heimat gefunden hat.

Von Jan Sternberg/RND

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