Macht Döner nicht nur schön, sondern auch krank?

Konservative EU-Abgeordnete halten die Menge des Phosphats in Dönern für unbedenklich.

Konservative EU-Abgeordnete halten die Menge des Phosphats in Dönern für unbedenklich.

Brüssel/Berlin. Ob der Wortwitz über den Döner, der angeblich schöner macht, demnächst um die Anmerkung „und krank“ ergänzt werden muss, ist noch nicht raus. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlamentes hat jedenfalls erhebliche Zweifel. Denn tatsächlich enthalten die tiefgefrorenen Spieße, von denen jeden Tag rund 500 Tonnen in den EU-Mitgliedstaaten vertilgt werden, Phosphat, damit das Fleisch Wasser bindet und saftiger wird.

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Ohne diese Zusatzbehandlung würde der Döner beim Grillen am Spieß zerfallen und vor allem nicht gleichmäßig garen. Doch Phosphat steht im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beschleunigen. Deshalb hat die EU-Kommission schon vor langer Zeit Grenzwerte eingeführt, die allerdings nur für frisches Döner-Fleisch gelten, aber auch für Wurstbrät und Kasseler. Es war also eine Rechtslücke, die die Brüsseler EU-Behörde schließen und auf tiefgefrorene Ware ausdehnen wollte.

Es ist mehr Phosphat in Cola als in einem Döner

Doch im Umweltausschuss legten sich Sozialdemokraten und Grüne quer. „Wir wollen wissenschaftlich abgesichert sehen, dass keine Gefahr von diesen Zusatzstoffen ausgehen“, hieß es am Donnerstag in einer Stellungnahme der Grünen-Europa-Fraktion. Die SPD-Fachfrau Susanne Melior lobte den Einsatz ihrer Fraktion, weil „Lebensmittelzusätze in tiefgefrorenem Fleisch nicht zugelassen werden dürfen, bevor die Ergebnisse aktuell laufender Studien zu ihren gesundheitlichen Auswirkungen vorliegen“. Der Ausschuss beauftragte also die Europäische Lebensmittelaufsicht im italienischen Parma damit, bis Ende 2018 die bisher vorliegenden Untersuchungen zur Gesundheitsgefahr von Phosphat-Zusätzen in tiefgefrorenen Produkten zu sichten. Das Plenum des Abgeordnetenhauses wird sich Mitte Dezember mit dem Thema beschäftigen.

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Berichterstatterin Renate Sommer (CDU) von der christdemokratischen EVP-Mehrheitsfraktion verstand dagegen die ganze Aufregung nicht: „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft die Aufnahme von bis zu 4200 Milligramm Phosphat pro Tag als unbedenklich ein“, erklärte sie. „Eine Portion Döner enthält aber gerade mal 134 Milligramm.“ Zum Vergleich: Ein Glas Cola (0,3 Liter) kommt mit bis zu 210 Milligramm des Bindemittels daher.

Wieviel kann dem Verbraucher zugemutet werden?

Der Döner ist also offenbar nur zu einem Symbol für die Frage geworden, ob dem Verbraucher auch künftig so viel Phosphat wie bisher zugemutet werden soll. Denn hinter den Kennzeichnungen E338 bis E341, E343 sowie E450 bis E452 verbirgt sich letztlich auch nichts anderes als der nun ins Gerede gekommene Zusatz. Viele andere Lebensmittel werden ebenfalls mit diesem Stoff behandelt – vom Schinken über Fischkonserven und Backwaren.

Dennoch war es der Fleischspieß, der rund 110 000 Menschen in der Union beschäftigt (80 Prozent davon in Deutschland), um den sich am Donnerstag alles drehte. Dabei beeilten sich alle Fraktionen zu erklären, dass „niemand auf seinen Döner oder auf Gyros verzichten muss“ (Melchior) und dass es „nicht zu einem Aus kommen wird“ (Grüne). Um ihren guten Ruf bangt die Branche allerdings trotzdem bereits. Kenan Koyuncu, Vorsitzender des Bundesverbandes der Döner- und Drehspießhersteller Deutschland, erklärte jedenfalls: „Sofern sich der Einspruch des Europäischen Parlamentes durchsetzt, wäre dies das Todesurteil für die gesamte Döner-Industrie in Europa.“

Von Detlef Drewes/RND

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