„Internationales Tribunal“

Nach Eroberung von Mariupol: Prozess gegen Azovstal-Kämpfer angekündigt

Ein Militärfahrzeug steht im Stahlwerk Azovstal. Das Werk war das letzte Stück der strategisch wichtigen Stadt im Südosten der Ukraine, das bis dahin noch nicht komplett unter russischer Kontrolle stand.

Ein Militärfahrzeug steht im Stahlwerk Azovstal. Das Werk war das letzte Stück der strategisch wichtigen Stadt im Südosten der Ukraine, das bis dahin noch nicht komplett unter russischer Kontrolle stand.

Mariupol. Die in der Hafenstadt Mariupol gefangen genommenen ukrainischen Soldaten sollen nach Angaben eines prorussischen Separatistenführers direkt in der Region vor ein Gericht gestellt werden. Die Gefangenen, die sich im Stahlwerk Azovstal verschanzt und schließlich ergeben hatten, werden im Gebiet der selbsternannten Volksrepublik Donezk im Osten der Ukraine festgehalten, wie Separatistenführer Denis Puschilin der Agentur Interfax zufolge am Montag sagte. Ein „internationales Tribunal“ werde organisiert.

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Unter Berufung auf eine Quelle, die mit dem „Tribunal“ befasst sei, schrieb Interfax außerdem, ein erster Prozess soll in Mariupol stattfinden. Weitere Prozesstage könnten auch an anderen Orten abgehalten werden.

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„In Russland gelten diese Kämpfer als Nazis, und gemäß der russischen Propaganda geht es bei der ‚Spezialoperation‘ in der Ukraine um eine Entnazifizierung“, betont der Russland-Experte Gerhard Mangott gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Speziell die Führung des Asow-Bataillons stehe „als Sinnbild für nationalsozialistische und extrem rechte Tendenzen“, so der Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck. Ihnen den Prozess zu machen, „könnte in Russland propagandistisch gut ausgeschlachtet werden“.

„Wir hoffen sehr, dass die russische Führung ihre Versprechen einhält und dass diese Menschen so schnell wie möglich medizinische Versorgung bekommen“, so der ukrainische Botschafter Melnyk zum RND. Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte vor einer Woche eine Vereinbarung bekannt gegeben, wonach verwundete ukrainische Kämpfer zur Behandlung in eine Stadt unter Kontrolle prorussischer Separatisten gebracht werden könnten.

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Am Freitag hatten sich die letzten gut 500 ukrainischen Soldaten in Azovstal ergeben. Das Werk war das letzte Stück der strategisch wichtigen Stadt im Südosten der Ukraine, das bis dahin noch nicht komplett unter russischer Kontrolle stand. Es war seit dem 21. April von russischen Truppen belagert worden. Nach russischen Angaben kamen seit dem 16. Mai insgesamt 2439 ukrainische Soldaten aus dem Werk in russische Gefangenschaft.

RND/dpa/scs

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