Müller fordert Überprüfung aller Flüchtlinge

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU)

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU)

Hannover. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bei der Klausurtagung der CSU rückwirkend eine nochmalige lückenlose Sicherheitsüberprüfung aller nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Herr Müller, weshalb wird die Entwicklungshilfe nicht genutzt, um die nordafrikanischen Staaten zur Rücknahme abzuschiebender Flüchtlingen zu zwingen?

Das ist nicht der Kern unseres Sicherheitsproblems. Es fehlt noch immer die lückenlose Identitätsfeststellung bei Flüchtlingen, die in Europa angekommen sind. Die EU aber auch Deutschland haben hier ein Vollzugs- und Handlungsdefizit. Jeder in Deutschland angekommene Asylbewerber und Migrant muss sich einer Identitäts- und Sicherheitsüberprüfung über biometrische Daten unterziehen.

Auch rückwirkend ab Januar 2015?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Selbstverständlich. Die Bevölkerung hat Anspruch auf eine lückenlose Registrierung und auf eine standardmäßige Überprüfung aller seit zwei Jahren nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge. Die Brisanz belegen zwei aktuelle Fälle. Der Berlin-Attentäter Amri war ein behördenbekannter Straftäter und Verbrecher. Der Datenabgleich zwischen den Behörden hat nicht funktioniert. Der durch die Braunschweiger Sonderermittler bekannt gewordene Skandal des massenhaften Sozialmissbrauchs hat allein 300 Fälle offenbart. In Deutschland müssen wir von zehntausenden Fällen ausgehen. In Deutschland angekommene Asylbewerber haben durch Mehrfachregistrierung Sozialgelder in großer Millionenhöhe abgegriffen. Auch dafür ist die eindeutige biometrische Registrierung zwingend erforderlich. Das ist im übrigen der Standard in Marokko und in Tunesien. Die dortigen Sicherheitsbehörden sagen mir, wir verstehen nicht, wieso Deutschland uns die biometrischen Registrierungsdaten nicht zur Verfügung stellen kann.

Alexander Dobrindt nutzt den Begriff „Nafris“ für nordafrikanische Migranten. Ist er damit ein politischer Ehrenmann oder ein nationalistischer Hetzer und Zündler, wie Linke, Grüne und SPD meinen?

Es ist unglaublich, wie Dobrindt und die CSU diffamiert werden, nur weil wir die Probleme benennen und konkrete Lösungswege aufzeigen.

In zwei Wochen kommt der von Ihnen lang angekündigte große Afrika-Marshallplan auf den Tisch. Was wird die Hauptbotschaft sein?

Die Ströme der nach Europa kommenden afrikanischen Flüchtlinge können nicht allein durch Abschottung und Begrenzung kontrolliert werden. Wir müssen mit den Herkunftsländern die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen. Es geht nicht um öffentliche Gelder. Schwerpunkt muss sein, dass zum Beispiel der Mittelmeerraum als gemeinsame Wirtschaftszone verstanden wird, um dort Wirtschaft, Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Millionen von jungen Leuten auch mit Hilfe deutscher Privatinvestitionen zu schaffen. Zudem brauchen wir neue Formen des gemeinsamen Handels.

Von RND/Dieter Wonka

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen