Olaf Scholz bei „Joko & Klaas“: Ein Kanzler betritt die Bühne

Die Scheinwerfer sind aus, nur die Bodenbeleuchtung zeigt, was passiert: Olaf Scholz (SPD) tritt in der Sendung „Joko & Klaas“ vor die Kameras und richtet sich mit einem Impfappell an die Bürgerinnen und Bürger der Nation.

Die Scheinwerfer sind aus, nur die Bodenbeleuchtung zeigt, was passiert: Olaf Scholz (SPD) tritt in der Sendung „Joko & Klaas“ vor die Kameras und richtet sich mit einem Impfappell an die Bürgerinnen und Bürger der Nation.

Berlin. Die Scheinwerfer sind aus, als der wohl mächtigste Mann Deutschlands die Bühne betritt. Nur vereinzelte Bodenleuchten zeigen, was passiert: Der künftige Kanzler Olaf Scholz (SPD) wendet sich in der Pro-Sieben-Sendung „Joko & Klaas“ mit einem Impfappell an die Bürgerinnen und Bürger.

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„Neu in dieser vierten Welle ist: Die Linie zwischen denen, die nach einer Covid-Erkrankung einen milden oder sehr schweren Verlauf haben, geht nicht mehr zwischen Alten und Jungen, sondern Geimpften und Ungeimpften“, sagt Olaf Scholz am Mittwoch zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr in die TV-Kameras. Es sei ihm wichtig, dass sich jeder, der kann, impfen lässt, sagt er dem Millionenpublikum weiter.

Ein Land ohne Führung – während Scholz in Koalitionsgesprächen verloren ging

In den vergangenen Wochen war Scholz für sein Schweigen kritisiert worden. „Vermisst! Wer hat Olaf Scholz gesehen?!“, titelte die „Hamburger Morgenpost“ am 23. November noch. Auf dem Höhepunkt der Pandemie schien Scholz in geheimen Koalitionsgesprächen verloren gegangen zu sein. Gewünscht und gefordert war aber jemand, der die Geschicke des Landes in die Hände nimmt und die Pandemie als Entscheider managt. Während Scholz schwieg, stiegen die Infektionszahlen im Land.

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Erst, als die Koalition stand und die künftige Ampelregierung ihre Papiere veröffentlichte, trat auch Scholz zum ersten Mal als Pandemiemanager in Erscheinung. So verkündete er noch vor der eigentlichen Präsentation der Koalitionspapiere, dass es einen neuen Corona-Krisenstab geben werde.

Dem designierten Kanzler wird ein gutes Verhältnis zu Angela Merkel (CDU) nachgesagt. Im Wahlkampf schien er sie regelrecht zu kopieren. Lieber zu wenig als etwas Falsches zu sagen schien die Devise von Scholz zu sein – er trat ähnlich auf wie Merkel, die ihre Worte über 16 Jahre Kanzlerschaft stets mit Bedacht wählte.

Scholz trendete parteiübergreifend

Bis zum 9. Dezember soll er vereidigt sein und Angela Merkel als neuer Kanzler ablösen. Ob dann auch sein Führungsstil an Merkel erinnern wird, ist offen. Einen Auftritt, wie ihn Scholz nun bei Pro Sieben in der Sendung zweier Comedians wagte, hätte man sich bei ihr kaum vorstellen können. Emotional ist sie bei ihren TV-Ansprachen allerdings im Zuge der Corona-Epidemie durchaus geworden.

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Scholz’ Kalkül liegt auf der Hand: Bei Joko und Klaas – und auch mit seinem Liveinterview auf „Bild“-TV am Dienstag dieser Woche – erreicht er ein anderes Publikum als mit den bislang üblichen Pressekonferenzen und Interviews in ARD-„Tagesthemen“ und ZDF-„heute-journal“. Womöglich sogar überproportional diejenigen, auf die es ankommt: die Ungeimpften.

FDP-Vogel: „Richtig gut!“

Zugleich liest mancher Genosse von Scholz die Entscheidung, bei Joko und Klaas aufzutreten, nun als Schritt, der ihn näher und greifbarer wirken lässt. Auf Twitter etwa trendete der Hashtag #Scholz stundenlang.

Selbst Ruprecht Polenz, Merkels ehemaliger Generalstaatssekretär, teilte wohlwollend das Video vom Scholz-Auftritt. SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schrieb: „Klar und emotional. Gemeinsam mit Olaf Scholz für Deutschland und gegen Corona! Lasst euch impfen.“ Johannes Vogel, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und Generalsekretär, twitterte: „Das ist neu, richtig und richtig gut!“

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Auffällig ist aber auch, wie Scholz die Bürgerinnen und Bürger während seines Auftritts anspricht. Die Bewältigung der Pandemie und notwendige Maßnahmen dazu einzuleiten sei seine Aufgabe und habe höchste Priorität: „Meine Bitte an Sie und euch: Helft mit, diese Aufgabe zu bewältigen (…), lasst euch impfen, schützt euer Leben und das der anderen“, sagt er in die Kameras. Dann endet sein etwa fünfminütiger Auftritt.

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Spricht er die Bürgerinnen und Bürger in seiner Rede direkt an, tut er das mehrmals bewusst mit „euch“ – ohne aber auf das „Sie“ zu verzichten, auf das viele Ältere vermutlich wert legen. Mit Merkel hat es das nie gegeben. Es ist ein bewusstes Mittel, das Scholz nutzt, um bürgerlich und vertrauensvoll zu wirken. In einer Zeit, in der Kritiker sagen, die Politik sei „dort oben“, fernab des Volkes und in einer elitären Blase, versucht Scholz einen nahbaren Auftritt.

Letztlich muss sich aber auch Scholz an Taten messen lassen. Sein Ziel ist es, sagt er in dem Video, dass sich bis Weihnachten 30 Millionen Menschen impfen lassen – ganz gleich ob Erst-, Zweit- oder Boosterimpfung. Scholz ist nun aus seiner Deckung gekommen und scheint bereit zu sein, das Land zu führen. Ob er das erfolgreich tun wird, wird maßgeblich davon abhängen, wie gut oder schlecht er das Land durch die Pandemie führt.

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