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Olympiabauten: Das Erbe von Peking 2008

In wenigen Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele in Peking. Dabei werden auch Sportstätten von 2008 genutzt.

Für Fernsehzuschauer und -zuschauerinnen mit gutem Gedächtnis wird die Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele 2022 am 4. Februar auch eine Zeitreise in die Vergangenheit sein: Das Vogelneststadion, dessen Spitzname auf die verwobene Stahl­kon­struk­tion zurückgeht, verbindet die zwei Olympiaden der Gastgeberstadt Peking. Auch in diesem Jahr werden die Athletinnen und Athleten – wie im Sommer 2008 – in den monumentalen Bau einlaufen.

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Was ist aus den einstigen Sportstätten geworden? Immerhin wurden damals ein Dutzend Bauwerke eigens für Peking 2008 errichtet. Das Vogelnest ist das prominenteste Gebäude. Vor dessen Errichtung hat das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron selbstbewusst versprochen, dass das 70 Meter hohe Stadion schon bald „für Peking das wird, was der Eiffelturm für Paris ist“. Ganz so tief hat sich der Touristenmagnet zwar nicht ins Stadtbild eingebrannt, doch ohne Frage ist das 325 Millionen Euro teure Projekt nach wie vor ein Publikumsliebling – insbesondere nachts, wenn das Stadion in grellbunten Farben ausgeleuchtet wird.

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Seit Corona bleiben die 80.000 Sitzplätze weitgehend leer.

Auch sportlich wird die Stätte weiter genutzt, etwa wenn europäische Fußballklubs während ihrer Asientourneen einen Stopp in Peking einplanen. Jüngst diente das Vogelnest als Austragungsort für virtuellen Leistungssport: Mehrere E-Sport-Turniere wurden hier abgehalten. Seit der Corona-Pandemie allerdings bleiben die 80.000 Sitzplätze weitgehend leer.

Eine weitere Sportstätte wird ebenfalls für beide Spiele genutzt werden: Das Aquatic Center war damals als „Water ­Cube“ für die Schwimmdisziplinen zuständig. Nun wurde es in einen „Ice Cube“ für die Eisschnellläufer umfunktioniert. Nach den Großveranstaltungen wird das Gebäude als Wasserpark für Familien verwendet.

Doch viele der einstigen Austragungsorte sind marode: Im verlassenen Beachvolleyballstadion wuchert seit Jahren Unkraut, die hölzernen Sitzplatztribünen schimmeln vor sich hin. Auch die BMX-Strecke hat unlängst die Natur wieder für sich reklamiert, einige Anwohner und Anwohnerinnen hatten hier zwischenzeitlich auf der Zielgeraden Gemüse angebaut. Die Kajakanlage, eigens für die Spiele 2008 errichtet, ist längst trockengelegt. Wo früher Medaillen gewonnen wurden, findet man heute rostige Schilder und bröckelnde Fassaden. Dies ist besonders ärgerlich, wurden doch für die Sportstätten etliche Bewohner und Bewohnerinnen zwangsumgesiedelt und Nachbarschaften planiert.

Trug für Deutschland die Flagge: Basketballer Dirk Nowitzki.

Trug für Deutschland die Flagge: Basketballer Dirk Nowitzki.

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Trotz allem kommt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in einer aktuell erschienenen Bewertung der Olympischen Sommerspiele 2008 zu einem positiven Fazit: In Sachen Nachhaltigkeit hätten die chinesischen Organisatoren die eigens gesteckten Ziele zumindest erreicht, wenn nicht sogar übertroffen. „Durch Maßnahmen zur Minderung der Luftverschmutzung, Investitionen in den öffentlichen Verkehr und den Einsatz von erneuerbaren Energien trug das Organisationskomitee der Sommerspiele 2008 dazu bei, die größte Sportveranstaltung der Welt umweltfreundlich zu gestalten“, heißt es.

Das Organisationskomitee trug dazu bei, die Sommerspiele 2008 umweltfreundlich zu gestalten.

Umweltprogramm der Vereinten Nationen

Umgerechnet rund 17 Millionen Dollar seien in Umweltprojekte investiert worden, darunter Verkehrsprojekte, die Abfallwirtschaft und die Aufforstung von Grünflächen. Insgesamt hat man im Rahmen der Spiele 8800 Hektar Grünflächen neu entwickelt und mit 30 Millionen Bäumen und Rosenbüschen bepflanzt. Auch trugen die Sommerspiele dazu bei, das U-Bahn-Netz in Peking massiv auszubauen und die Schwerindustrie aus der Stadt zu verbannen.

Wie nachhaltig die Winterspiele sein werden, bleibt abzuwarten. Die Bobbahn in Yanqing, die einzige im Land, wird wohl zumindest über die Spiele hinaus für das Nationalteam als Trainingsanlage dienen. Die Zukunft für die benachbarte alpine Skistrecke ist hingegen ungewiss. Von der Öffentlichkeit wird sie wohl kaum genutzt werden können: Zu steil und eng ist die Piste, als dass Hobbyfahrer und -fahrerinnen ohne Unfallrisiko heil am Ziel ankommen. Ganz generell lassen sich die klimatischen Bedingungen nicht ignorieren: Wer Wintersport in Peking betreiben möchte, muss aufgrund des Wetters die Trinkwasserseen für die Kunstschneeproduktion anzapfen. Denn in den Bergen Nordchinas fällt verglichen mit den Alpen nur ein Bruchteil des Niederschlags.

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