Wahl mit knappem Ausgang

Burkhard Jung wird zum dritten Mal Oberbürgermeister von Leipzig

Faire Geste: Herausforderer Sebastian Gemkow (.) gratulierte Wahlsieger Burkhard Jung (SPD).

Faire Geste: Herausforderer Sebastian Gemkow (.) gratulierte Wahlsieger Burkhard Jung (SPD).

Leipzig. Leipzig hat am Sonntagabend mit dem zweiten Wahlgang der Oberbürgermeister-Wahl den größten Polit-Krimi seit 1990 erlebt. Kurz vor 20 Uhr stand nach der Auszählung von 477 Wahlbezirken fest, dass OBM Burkhard Jung (61) für die SPD auch in den nächsten sieben Jahren regieren kann. Am Ende war es ein Zittersieg für den Amtsinhaber, der seit 2006 die Geschäfte der größten ostdeutschen Metropole führt. Der SPD-Rathauschef setzte sich mit 49,1 Prozent knapp gegen den 41-jährigen CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow (47,6 Prozent) durch. Damit hatte Jung 3358 Stimmen mehr als sein Kontrahent. Auf Ute Elisabeth Gabelmann (39), die Kandidatin der Piratin, entfielen 7540 Stimmen (3,3 Prozent).

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Gemkow lag zunächst vorn

Aufgerufen zur Wahl waren 470.000 Leipzigerinnen und Leipziger. Die Wahlbeteiligung lag mit 48,4 Prozent knapp unter der von Wahlgang eins (49,1 Prozent). Zunächst hatte der aktuelle sächsische Wissenschaftsminister im Wahl-Krimi noch lange vorn gelegen. Das lag vor allem daran, dass mit der Auszählung der Stimmen in den Außenbezirken begonnen wurde, wo die CDU stark ist. Zeitweise betrug Gemkows Vorsprung bis zu fünf Prozentpunkte. Doch je näher die Stimmenauszählung Richtung Zentrum rückte, desto mehr holte Jung auf. Nach gut der Hälfte der Wahlbezirke wendete sich das Blatt und Jung baute seinen Mini-Vorsprung Stück für Stück aus.

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Unter dem Jubel von SPD, Linken und Grünen (die zur Wahl des SPD-Amtsinhabers aufgerufen hatten) ließ sich Jung im Neuen Rathaus von seinen Anhängern feiern. CDU-Herausforderer Gemkow gehörte zu den ersten Gratulanten. „Jetzt geht es darum, Brücken zu bauen“, sagte Jung in einer ersten Reaktion. Er spielte damit auch auf die Stimmenaufteilung in der Stadt an. Gemkow ist der klare Sieger in den Außenbezirken, während Jung im Zentrum triumphierte, auch bei den Briefwählern hatte er klar die Nase vorn. „Etwas Enttäuschung ist schon da, aber es ist ein demokratische Wahlergebnis“, sagte Gemkow nach der Auszählung und zollte dem Sieger seinen Respekt.

“Jung wird erfolgreichen Weg weitergehen“

Sachsens SPD-Chef Martin Dulig freute sich über den Erfolg von Jung und feierte im Rathaus mit. „Burkhard Jung wird den erfolgreichen Weg und die gute Entwicklung, die Leipzig in den vergangenen Jahren genommen hat, nun weitergehen können“, sagte er. Mit konkreten Positionen, einem positiven Wahlkampf und einer klaren Haltung gegen Rechts habe er als alter und neuer Oberbürgermeister die Wählerinnen und Wähler überzeugt, so Dulig. „Die Leipzigerinnen und Leipziger haben sich heute dafür entschieden, dass ihre Stadt auch in Zukunft mit Weltoffenheit, Toleranz und Modernität regiert wird. Das ist ein tolles Signal für die Stadt und den gesamten Freistaat.“

Sachsens CDU-General Alexander Dierks, der in Leipzig an der Seiten von Gemkow mitfieberte, zeigte sich trotz der knappen Niederlage nicht gänzlich unzufrieden. „Sebastian Gemkow und die Leipziger CDU haben einen großartigen Wahlkampf gemacht und ein tolles Eregbnis erzielt“, sagte er der LVZ. Leider habe es zum Wahlsieg knapp nicht gereicht.

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Für die Linke zeigte sich Franziska Riekewald sehr erleichtert über das Ergebnis. „Der äußerst knappe Wahlausgang hat gezeigt, dass mein Rückzug und die Wahlempfehlung für Burkhard Jung die einzig richtige Entscheidung war“, sagte sie. „Ab sofort werde ich als Stadträtin Druck machen, um die schrittweise Einführung des kostenlosen ÖPNV für alle unter 18, die Einführung einer Kindercharta und mehr sozialen Wohnungsbau zu erreichen.“

Mehr zum Thema:Der Wahlabend im LVZ-Liveticker

Von André Böhmer

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