Größtes Land Lateinamerikas wählt

Richtungswahl in Brasilien: Lula will Bolsonaro aus dem Amt jagen

Will nach 2010 erneut ins Amt:  Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva

Will nach 2010 erneut ins Amt: Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva

Brasília. Inmitten einer aufgeheizten Stimmung und extremer gesellschaftlicher Spaltung haben Millionen Brasilianer einen neuen Präsidenten gewählt. Bei der Abstimmung am Sonntag forderte der linke Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva (2003 bis 2010) den rechten Amtsinhaber Jair Bolsonaro heraus. In den Umfragen lag Lula deutlich vorn. Sollte er die Wahl gewinnen, wäre er der erste demokratische Präsident Brasiliens, der in eine dritte Amtszeit geht.

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„Die Mehrheit der Gesellschaft will keine Konfrontation, sie will Frieden. Die Leute wollen keine Waffen verkaufen, sie wollen Bücher vertreiben. Die Menschen werden in Frieden leben“, sagte Lula laut einem Bericht des Nachrichtenportals UOL am Sonntag, nachdem er in São Bernardo do Campo seine Stimme abgegeben hatte. „Wenn die Leute sich nicht daran halten wollen und das Gesetz missachten, dann ist das ihr Problem. Aber ich denke, es wird uns leicht fallen, Demokratie und Frieden in diesem Land wiederherzustellen.“

Worauf es ankommt, sind saubere Wahlen ohne Probleme. Möge der Bessere gewinnen.

Amtsinhaber Jair Bolsonaro

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Bolsonaro wählte am Sonntagmorgen im Stadtteil Vila Militar in Rio de Janeiro. In einem gelben Brasilien-T-Shirt gab er dort in einer Schule seine Stimme ab. „Worauf es ankommt, sind saubere Wahlen ohne Probleme“, sagte der Staatschef. „Möge der Bessere gewinnen.“ Als Journalisten ihn fragten, ob er das Ergebnis anerkennen werde, drehte er sich weg. Bolsonaro streute zuletzt immer wieder Zweifel am Wahlsystem und deutete an, das Ergebnis möglicherweise nicht anzuerkennen.

Mehr als 156 Millionen Wahlberechtigte waren aufgefordert, über ihren neuen Staatschef abzustimmen. Sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, treffen die beiden stärksten Bewerber am 30. Oktober in einer Stichwahl aufeinander. Neben dem künftigen Präsidenten wurden auch Abgeordnete, Senatoren und Gouverneure gewählt.

Richtungswahl in Brasilien: Stichwahl am 30. Oktober

Bei der ersten Wahlrunde am Sonntag konnten weder Amtsinhaber Jair Bolsonaro noch Herausforderer Lula da Silva 50 Prozent der Stimmen für sich gewinnen.

Die Wahl hat die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas extrem polarisiert. Lula nannte Bolsonaro wegen dessen zögerlicher Corona-Politik einen Völkermörder, Bolsonaro schimpfte seinen Kontrahenten nach dessen Verurteilung wegen Korruption einen Dieb. In den vergangenen Monaten wurden mindestens drei Lula-Anhänger von mutmaßlichen Bolsonaro-Anhängern getötet. Die Unterstützer des Amtsinhabers fordern immer wieder unverhohlen einen Militärputsch.

Ich wünsche mir ein besseres Gesundheits- und Bildungssystem, eine bessere Wohn- und Lebenssituation.

Fátima Janke

„Ich wünsche mir ein besseres Gesundheits- und Bildungssystem, eine bessere Wohn- und Lebenssituation“, sagte Fátima Janke, die ihre Stimme in einer Schule im Viertel Copacabana in Rio de Janeiro abgab, der Deutschen Presse-Agentur. Sie trug ein rotes T-Shirt und eine rote Jacke in den Farben der linken Arbeiterpartei.

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Lula und die goldenen Zeiten

Viele Anhänger des 76-Jährigen verbinden Lula mit den goldenen Zeiten Brasiliens, als die Wirtschaft aufgrund der hohen Rohstoffpreise boomte und die Regierung mit Hilfe von Sozialprogrammen Millionen Menschen aus der bittersten Armut holte. Für seine Gegner hingegen ist Lula verantwortlich für Korruption und Vetternwirtschaft.

„Wir können keinen Ex-Häftling wählen, der korrupt ist“, sagte Bolsonaro-Anhänger Francisco Inácio nach der Stimmabgabe in Rio. „Wir brauchen einen ehrlichen Präsidenten.“

Die Präsidentenwahl in Brasilien hat auch für den Rest der Welt eine große Bedeutung. Als riesiger Kohlenstoffspeicher spielt das Amazonasgebiet im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel eine wichtige Rolle. Gerade angesichts der angespannten Lage auf dem Energie- und Lebensmittelmarkt wegen des Ukraine-Kriegs ist das Land mit seinen enormen natürlichen Ressourcen und seiner großen Agrarwirtschaft auch ein interessanter Handelspartner.

RND/dpa

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