Kommentar

Russlands Krieg gegen die Ukraine: Wettlauf mit der Zeit um Leben und Tod

Der Fernsehturm in Kiew war jetzt Ziel eines Angriffs.

Der Fernsehturm in Kiew war jetzt Ziel eines Angriffs.

Berlin. Der Krieg in der Ukraine währt jetzt schon eine Woche. Und anders als vom russischen Präsidenten Wladimir Putin offenbar erhofft und erwartet, ist ein Ende nicht in Sicht. Die Menschen wehren sich. Da, wo sie sich nicht wehren können, halten sie mit ebenso bewundernswertem wie uns Wohlstandsbürger beschämendem Mut aus: in Kiew, in Charkiw, in Lwiw, überall. Wie es ausgeht, kann niemand sagen. Nur die Fronten werden zunehmend klarer.

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Da ist die russische Seite, die mit wachsender Brutalität agiert. Das Militär nimmt Wohnhäuser unter Beschuss. Und so weit ersichtlich, ist der Tod von Zivilisten dabei keineswegs Kollateralschaden, sondern das eigentliche Ziel der Bombardements. Weil er militärisch nicht so recht vorankommt, lässt Putin Angst und Schrecken verbreiten. Der ukrainische Wille zum Widerstand soll gebrochen werden.

Da ist ferner die ukrainische Seite. Von all jenen Menschen, die nicht kämpfen oder aushalten können, fliehen immer mehr in die Nachbarländer. Das schwächt die Abwehr, natürlich. Aber es lässt sie noch nicht zusammenbrechen.

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Da ist der Westen, der bis zum Ausgang der vergangenen Woche noch zögerte und Russland seither mit größtmöglicher Wucht sanktioniert. Die transatlantische Gemeinschaft in Nato und EU hat den Kampf angenommen – mit Wirtschaftssanktionen und Waffenlieferungen, wohlweislich aber unterhalb der Schwelle einer eigenen militärischen Beteiligung. Der Westen weiß, dass es nicht anders geht und dass das Interesse der Ukraine bis auf Weiteres zusammenfällt mit seinem eigenen Interesse: den russischen Angriff abzuwehren.

Die vierte und maßgebliche Front verläuft in Russland selbst. Die beispiellosen Sanktionen wirken. Es wird unruhig in dem Riesenreich. Menschen stellen Fragen. Das macht den skrupellosen Putin nervös. Der Westen ist ihm im Zweifel egal – die ukrainische Zivilbevölkerung und deren Leiden sind es erst recht. Doch der zu erwartende Unmut von zunehmend mehr Russinnen und Russen, der kann ihm nicht egal sein. Er ist kriegsentscheidend.

Held Selenskyj

Die Ukrainer und der Rest der freien Welt müssen deshalb auf zweierlei hoffen: dass der Unmut in Russland schneller wächst als die militärische Gegenwehr der Ukrainer notgedrungen einbricht – und dass gleichwohl ein Weg gefunden wird, der Putin einen Waffenstillstand, wenn nicht gar einen Rückzug ermöglicht, und zwar im Interesse aller mit Leib und Leben Betroffenen.

Denn auch wenn der Druck auf den Despoten im Kreml steigt: Die Erwartung, man könne statt des unglaublich couragierten ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj womöglich ihn stürzen und das auch noch kurzfristig, ist illusionär – und weil sie illusionär ist, ist sie gefährlich. Für die Ukraine, für Russland, für alle. Der toxisch männliche russische Präsident wird nicht weichen. Eher reißt er Hunderttausende mit in den Tod.

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