Mehrheit will nicht zu Demos

Steigende Gaspreise: Geringverdiener sind eher zu Protesten bereit

Ein Demonstrant hält in München ein Plakat in die Höhe, mit dem er gegen die aktuellen Teuerungen protestiert (Archivbild).

Ein Demonstrant hält in München ein Plakat in die Höhe, mit dem er gegen die aktuellen Teuerungen protestiert (Archivbild).

Berlin. Die gestiegene Inflation wird zwar von vielen Menschen in Deutschland als Problem wahrgenommen, die von manchen Beobachtern erwartete Eskalation auf den Straßen ist jedoch bislang ausgeblieben. Wie die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zeigen, konnte sich vor einigen Wochen zwar rund jeder Vierte vorstellen zu protestieren. In die Tat umgesetzt haben dies dann aber deutlich weniger Menschen.

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58 Prozent der Bevölkerung hatten im Zeitraum der Befragung zwischen Ende September und Ende Oktober nicht vor zu protestieren. 17 Prozent der Teilnehmer der Umfrage äußerten sich unentschlossen.

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Generell zeigte sich: Wer nicht so viel Geld zur Verfügung hat, ist eher bereit, seinen Unmut über den Anstieg der Gaspreise auf die Straße zu tragen. Von den Menschen, für die eine Verdopplung der Wohnnebenkosten große finanzielle Probleme bedeuten würde, sind laut Studie 30 Prozent bereit zu protestieren. Unter denjenigen, die dadurch nicht in finanzielle Schwierigkeiten kämen, lag die Protestbereitschaft bei 22 Prozent.

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AfD-Wähler besonders bereit zu Protesten

Die Forscher hatten auch die Protestbereitschaft verschiedener Wählergruppen angeschaut. Von den potenziellen Wählerinnen und Wählern der AfD zeigten sich 42 Prozent bereit, wegen hoher Gaspreise zu protestieren. Damit war die Protestbereitschaft in dieser Gruppe deutlich höher als bei Menschen, die anderen Parteien zuneigen. Unter denjenigen, die sich gut vorstellen könnten, CDU, CSU, FDP oder die Linkspartei zu wählen, war der protestbereite Anteil mit jeweils rund 28 Prozent geringer. Bei den potenziellen Wählern der Grünen war er mit rund 22 Prozent den Angaben zufolge am niedrigsten.

Vorläufiger Höhepunkt der Protestwelle war der Tag der Deutschen Einheit. Am 3. Oktober gingen allein in Ostdeutschland mehr als 100.000 Menschen gegen hohe Energiepreise, Inflation und die Krisenbewältigungspolitik der Bundesregierung auf die Straße. Seitdem ist die Protestwelle abgeflacht.

Die DeZIM-Studie zeigt zudem, „dass ein bedeutender Teil der Personen, die gegen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie demonstriert, bereit ist, aufgrund der hohen Energiepreise auf die Straße zu gehen“. Dies könne ein Hinweis darauf sein, „dass sich in Deutschland ein Protestmilieu herausbildet, das sich durch geringes Vertrauen in die demokratischen Institutionen auszeichnet“.

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RND/dpa

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