Tote in Mossul: USA räumen Mitschuld ein

In Schutt und Asche: Ein völlig zerstörtes Stadtviertel in Mossul.

In Schutt und Asche: Ein völlig zerstörtes Stadtviertel in Mossul.

Washington . „Wir haben wahrscheinlich eine Rolle gespielt“, erklärte der US-Oberbefehlshaber im Irak und Syrien gegen den IS am Mittwoch in Bagdad. „Wenn dadurch Unschuldige getötet wurden, war das ein unbeabsichtigter Unfall im Krieg.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Washington hat Einsatzregeln gelockert

Dieses gewundene Eingeständnis ist der vorläufige Tiefpunkt der unter Präsident Donald Trump offenbar gelockerten US-Einsatzregeln im Irak, die seit Anfang Januar Hunderte Zivilisten das Leben kosteten. Ganze Wohnblocks wurden mit Raketen dem Erdboden gleichgemacht, wie am Morgen des 17. März im Stadtteil Al-Jadida, als irakische Bodentruppen die US-Luftwaffe gegen Scharfschützen des „Islamischen Staates“ auf einem Hausdach herbeiholten. Als das komplette Gebäude nach einer gigantischen Explosion in Schutt und Asche lag, stellte sich heraus, dass im Erdgeschoss mehr als 140 Männer, Frauen und Kinder Schutz gesucht hatten – das wohl größte Massaker der US-Armee auf irakischem Boden seit Beginn des Anti-IS-Offensive. Die irakische Armee dagegen vermutet, dass der IS das Gebäude in die Luft jagte.

Mindestens 1353 Zivilisten sind nach Angaben der Organisation Airwars seit August 2014 durch alliierte Luftangriffe im Irak gestorben. Airwars-Chef Chris Woods erklärte, die amerikanischen Einsätze über Syrien und dem Irak im März seien mit den schlimmsten Phasen russischer Luftangriffe in Syrien vergleichbar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zahl der zivilen Opfer im Anti-IS-Kampf steigt massiv

Denn am Boden kommt die Rückeroberung der nordirakischen Metropole nur langsam voran, mit ein Grund, warum die Angreifer aus der Luft immer wahlloser und heftiger bombardieren. Menschenrechtler aber machen auch gelockerte Einsatzregeln des Pentagons für die steil ansteigende Zahl ziviler Opfer verantwortlich.

Vor drei Monaten erklärte der Sprecher der US-Streitkräfte im Irak, die Zahl der Prüfschritte bis zur Autorisierung eines Luftangriffes sei reduziert worden. Nach seinen Worten muss die Angriffszentrale in Bagdad die Ziele nicht mehr prüfen und jeden Luftschlag ausdrücklich genehmigen. Auch scheinen Pentagon und Armee unter Präsident Donald Trump bei ihrer Kriegsführung freiere Hand zu haben als unter Barack Obama – ein Eindruck, den die irakische Militärführung vor Ort dieser Tage bereitwillig bestätigte.

„Ich habe noch nie eine so schnelle Reaktion und eine so enge Koordination mit der Koalition erlebt wie jetzt“, erklärte ein irakischer General gegenüber der „New York Times“. Früher, wenn die irakische Seite Luftangriffe angefordert habe, „gab es immer Verzögerungen oder überhaupt keine Reaktion mit der Ausrede, man müsse erst die Gegend prüfen und nach Zivilisten schauen“.

Von RND/Martin Gehlen

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken