Trumps rote Linien

US-Präsident Donald Trump.

US-Präsident Donald Trump.

Washington. Im syrisch-irakischen Grenzgebiet tobt ein Krieg hinter dem Krieg. Spezialeinheiten der US-Armee haben unweit der Stadt al-Tanf Position bezogen, um syrische Rebellen zu trainieren und eine der wichtigsten Versorgungslinien von Ost nach West zu kontrollieren. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Die Route besitzt vor allem für den Iran eine hohe strategische Bedeutung und gerät zunehmend ins Visier der konkurrierenden Mächte.

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Die Welt horchte auf, als vor wenigen Tagen ein US-Jet ein syrisches Kampfflugzeug unweit von Rakka abschoss. Wie in einer unheilvollen Spirale kündigte Moskau unmittelbar nach dem Vorfall an, künftig alle Maschinen in der Region als potenzielle Ziele ins Visier zu nehmen. Ein Drohgebärde zwischen den großen Mächten, wie es sie lange nicht gegeben hatte.

Weniger Aufmerksamkeit erhielt dagegen eine Machtdemonstration Teherans: Das das iranische Militär feuerte fast zur gleichen Zeit eine Langstreckenrakete ab, die aus einer Distanz von 600 Kilometern mehrere Gebäude in der östlichen Provinz unweit von al-Tanf traf. Teheran gab an, Stellungen der IS-Milizen zerstören zu wollen. Wie es im Pentagon in Washington heißt, gibt es an dieser Darstellung massive Zweifel: Hochrangige US-Militärs sehen sich eher in ihrer Sorge bestärkt, dass es der Iran auf die Region Tanf abgesehen hat, um langfristig einen Landkorridor einzurichten, der über den Irak und Syrien bis zum Libanon verläuft.

Ein Szenario, dass die US-Führung ebenso wie Israel nach Kräften verhindern wollen.

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„Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Strudel hineingezogen werden“

Es wird in Washington weniger von roten Linien gesprochen, aber die Hemmschwelle zum Eingreifen sinkt: Gleich zwei Drohnen, die nach Einschätzung der US-Militärs aus iranischem Besitz stammten, wurden in den vergangenen Tagen über der umkämpften Wüstenregion abgeschossen. Damit stellen die Amerikaner unmissverständlich klar, dass die Besetzung der sensiblen Grenzregion nicht verhandelbar ist. Mehr noch: Vor Ort ließen die US-Militärs alle Kriegsparteien wissen, dass künftig eine Schutzzone mit einem Durchmesser von etwa 50 Kilometer um al-Tanf gilt, in der sie keine anderen Militärs gedulden.

Auch wenn der Stützpunkt al-Tanf bereits zu Zeiten von Barack Obama eingerichtet wurde, fährt die neue US-Administration damit einen deutlichen schärferen Kurs in der Krisenregion. Von der Zurückhaltung im irakisch-syrischen Konfliktgebiet, die Donald Trump im Wahlkampf stets gefordert hatte, ist wenig geblieben.

Eine Korrektur, die im Kongress durchaus in beiden großen Parteien Unterstützung findet. Eine iranisch-russische Dominanz im Mittleren Osten würden sowohl Demokraten als auch Republikaner für besorgniserregend halten. Allerdings sorgt das Tempo, mit dem Trump die eigenen Truppen in Syrien aktiv werden lässt, für Unruhe. „Wir brauchen eine klare Strategie für den Konfliktfall, die von Kongress vorgegeben wird, und nicht vom Weißen Haus“, sagt Bob Menendez. Der Senator, der zurzeit als einer der einflussreichsten Außenpolitiker der Opposition gilt, hatte Trumps Administration bereits mehrfach aufgefordert, vor jeder militärischen Aktion die Zustimmung des Parlaments einzuholen: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Strudel hineingezogen werden.“

Von Stefan Koch/RND

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