Ukraine-Konflikt: Separatisten rufen zur Flucht nach Russland auf

Ein ukrainischer Soldat sichert ein Gebiet während eines Besuchs von General Oleksandr Pawljuk, dem Kommandeur der Gemeinsamen Streitkräfte, in der Region Donezk im Osten der Ukraine.

Ein ukrainischer Soldat sichert ein Gebiet während eines Besuchs von General Oleksandr Pawljuk, dem Kommandeur der Gemeinsamen Streitkräfte, in der Region Donezk im Osten der Ukraine.

Donezk/Moskau. Wegen der Gefahr einer militärischen Eskalation in der Ostukraine haben die moskautreuen Separatisten Zivilisten zur Flucht in das Nachbarland Russland aufgefordert. Zuerst sollten „Frauen, Kinder und ältere Leute“ in Sicherheit gebracht werden, sagte der Chef der Donezker Separatisten, Denis Puschilin, in einer am Freitag veröffentlichten Ansprache. „Eine zeitweise Ausreise bewahrt Ihnen und Ihren Verwandten das Leben.“ Die Behörden hätten mit einer zentralisierten Massenabreise der Bevölkerung begonnen, sagte Puschilin in einer Videobotschaft.

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Wenig später explodierte das Auto eines ranghohen Funktionärs vor dem Regierungsgebäude in Donezk, wie örtliche Medien berichteten. Es sei niemand verletzt worden, hieß es zunächst. Die Hintergründe waren unklar.

Auch die Führung der selbsternannten Volksrepublik Luhansk rief die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. Russland habe bereits Einrichtungen für die Unterbringung der Menschen vorbereitet. Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Regierung in Moskau an, den Flüchtlingen 10.000 Rubel (rund 116 Euro) Soforthilfe auszuzahlen.

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Kiew dementiert Vorwurf einer Militäroffensive

Die Separatisten warfen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, er wolle „in nächster Zeit“ eine Militäroffensive starten. Der Oberkommandierende der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, wies das dagegen in einer Videobotschaft erneut zurück. „Eine Angriffsoperation im Donbass führt unvermeidlich zu zahllosen Opfern in der Zivilbevölkerung, daher werden solche Szenarien nicht einmal in Betracht gezogen“, betonte der 48-Jährige. Kiew wolle den Konflikt friedlich lösen. „Glaubt den Lügen der Besatzer nicht“, wandte der Militär sich an die Einwohner der Separatistengebiete.

Auch der ukrainische Außenminister dementierte dies und wies die Behauptung als „Falschinformation“ zurück. Bei Twitter schrieb er: „Die Ukraine führt oder plant keine derartigen Aktionen im Donbass.“

Puschilin sagte dagegen, dass die Kampftruppen bereit seien, das „Staatsgebiet“ gegen einen Angriff der Ukraine zu verteidigen. „Wir werden siegen“, sagte er. In Videos aus Donezk waren Sirenen zu hören. Busse sollten die Menschen in Unterkünfte in das benachbarte Gebiet Rostow im Süden Russlands bringen. Die Menschen sollten nur die notwendigsten Dinge wie Dokumente, Geld, Wechselsachen und Medikamente mitnehmen.

Entlang der Kontaktlinie zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den von Russland unterstützten Rebellen in der Region kam es in der vergangenen Tagen immer wieder zu Granatbeschuss. Die Verstöße gegen eine zwischen Separatisten und Regierungseinheiten vereinbarte Waffenruhe lösten international Beunruhigung aus. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, für die Gewalt verantwortlich zu sein. Im Westen wird befürchtet, Moskau könnte dies als Vorwand für eine Invasion nutzen.

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+++Alle Entwicklungen im Liveblog+++

In dem seit 2014 andauernden Konflikt um die abtrünnigen Gebiete Luhansk und Donezk starben nach UN-Schätzungen bisher mehr als 14.000 Menschen, die meisten von ihnen in den von den Separatisten kontrollierten Gebieten.

RND/dpa/AP/scs

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